Deutscher iPad-Konkurrent WeTab-Macher stolpert über Eigenlob bei Amazon

Weiterhin Wirbel um das WeTab: Chef von Ankershoffen nimmt den Hut - er hatte unter falschem Namen WeTab-Loblieder auf Amazon verfasst.

Von Johannes Kuhn

Das WeTab ist derzeit alles andere als ein iPad-Rivale: Von Kritikern erhält der Flachcomputer der deutschen Unternehmen Neofonie und 4tiitoo bislang keine guten Noten. Auch viele Kunden zeigen sich auf Facebook und bei Amazon wenig angetan von dem Gerät: Zu schwer sei es, dazu wenig bedienungsfreundlich und voller Programmfehler, so der Tenor der Kritiker.

Nun sind bei Amazon auch positive Bewertungen zu lesen - doch ausgerechnet an einigen dieser Urteile ist nun zu zweifeln. Am Freitag untersuchten Mitglieder der WeTab-Facebookgruppe die Profile der Amazon-Rezensenten, und stießen dabei auf Unregelmäßigkeiten. Der IT-Journalist Richard Gutjahr nahm die Debatte auf seinem Blog auf. Der Verdacht: Zwei äußerst wohlwollende Kundenrezensionen könnten womöglich von niemand anderem als dem Geschäftsführer des Herstellers und seiner Frau stammen.

So schrieb der Kunde "Peter Glaser": "Ich muss meine vorige Rezension korrigieren: Das WeTab ist nicht gut, sondern sehr, sehr gut." Die volle Punktzahl vergibt er ebenso wie "Claudia Kaden", die von einem leisen Lüfter und einer praktischen "Daumen-Navigation" schreibt. Viele der anderen Kunden hatten Lüfter-Lautstärke und fehlende Mehrfingernavigation gerügt.

Ein Screenshot der beiden Profile zeigt jedoch nicht nur einen Nutzernamen, sondern auch den Klarnamen der Autoren: Demnach handelt es sich bei Glaser nicht um den in IT-Kreisen geschätzten Journalisten gleichen Namens, sondern um Helmut Hoffer von Ankershoffen, den Chef der WeTab, sowie seine Frau Sandra. Die Vermutung: Bei der Änderung ihres Nutzernamens könnten die beiden vergessen haben, die Anzeige ihres echten Namens zu deaktivieren.

Eine Vermutung, die sich nun bestätigt hat: Am Abend gab von Ankershoffen eine lange angekündigte Erklärung ab. Dort gibt er zu, hinter den Rezensionen zu stecken. "Ich wollte damit meiner Freude über den Markstart und meiner Überzeugung, dass das WeTab ein tolles Gerät ist, Ausdruck verleihen", heißt es. "Inhaltlich stehe ich voll hinter dem, was ich dort geschrieben habe. Ein Fehler war es allerdings, nicht meinen eigenen Namen für die Bewertung zu verwenden."

Als Konsequenz tritt von Ankershoffen als Geschäftsführer der WeTab GmbH ab und lässt seine Position "bis auf weiteres ruhen". Co-Geschäftsführer Tore Meyer ist künftig alleine am Ruder, Ankerhoffens Firma Neofonie bleibt aber unverändert Partner im Joint Venture der WeTab GmbH.

WeTab-Macher von Ankershoffen war bekannt für eine äußerst offensive PR-Politik: Wenige Wochen nach dem Verkaufsstart des iPad erschien Ankershoffen im Frühjahr wie aus dem Nichts auf der Bildfläche und kündigte einen deutschen Konkurrenten für das erfolgreiche Apple-Flachbrett an. Zuvor war er vor allem durch die Entwicklung der Suchmaschine Fireball bekannt geworden - dies war aber Ende der Neunziger, noch vor dem Platzen der Dotcom-Blase.

Der 37-Jährige war bereits im Vorfeld des WeTab-Verkaufsstarts in die Kritik geraten, weil er beim ersten Vorführtermin Journalisten einen Prototypen gezeigt hatte, auf dem nur ein Video zu sehen war. Auch in den Wochen vor dem Verkaufsstart betonten die Macher immer wieder, noch kein fertiges Produkt zeigen zu können.

Die aktuellen WeTab-Probleme sollen in den kommenden Monaten mit Updates gelöst werden, wie das Unternehmen verspricht. Allein: Nach dem Amazon-Gau und der verspielten Glaubwürdigkeit dürfte der WeTab GmbH nicht einmal ein Neustart ausreichen, um das Gerät noch zu einem Erfolg werden zu lassen.