Datenschutz Was Facebook mit Ihren Whatsapp-Daten vorhat

Bei Whatsapp sollte nach der Facebook-Übernahme eigentlich alles gleich bleiben. Eigentlich.

(Foto: dpa)
  • Seit August 2016 ermöglicht Facebook, dass Daten von Whatsapp mit Facebook-Daten verknüpft werden können.
  • In Deutschland werden derzeit keine Daten an Facebook übertragen, ein endgültiges gerichtliches Urteil steht aber noch aus.
Von Marvin Strathmann

Facebook hat irreführende Angaben gemacht und muss 110 Millionen Euro Strafe zahlen. Das hat die EU-Kommission an diesem Donnerstag bekanntgegeben. Es geht um den Datenaustausch zwischen dem sozialen Netzwerk und der Chat-App Whatsapp, die ebenfalls zum Unternehmen gehört. Wie es zu dieser Entscheidung kam - und wie es jetzt weitergeht.

Die Ausgangslage

19 Milliarden Dollar hat Facebook im Februar 2014 für Whatsapp ausgegeben. Damit hat der Daten-Konzern nicht nur die Chat-Software übernommen, sondern auch Hunderte Millionen Telefonnummern, die bei Whatsapp hinterlegt sind. Datenschützer befürchteten damals, dass Facebook die neuen Daten mit Informationen verknüpfen könnte, die das Unternehmen bereits über sein soziales Netzwerk gesammelt hatte.

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Die Übernahme hat auch die EU-Kommission auf den Plan gerufen, denn sie musste diese Fusion erst überprüfen. Ihre Prüfer hatten viele Fragen an die beiden Unternehmen. Facebook behauptete damals, dass es überhaupt nicht in der Lage sei, die Nutzerkonten beim eigenen sozialen Netzwerk und dem Messenger automatisch abzugleichen. Das sei aber falsch gewesen, schreibt die Kommission an diesem Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Der Sündenfall

Whatsapp beschwichtigte damals: "Und das wird sich für euch, unsere Benutzer, ändern: nichts", hieß es nach der Übernahme in einem Blogeintrag. Tatsächlich sind viele Befürchtungen nicht eingetreten, etwa dass Werbung zwischen Nachrichten eingeblendet wird. Stattdessen gab es zunächst positive Änderungen: Whatsapp hat die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingeführt und Abogebühren abgeschafft. Whatsapps Image war dadurch deutlich positiver als das des notorischen Datensammlers Facebooks.

Aber die positiven Meldungen endeten im August 2016: Whatsapp änderte die Nutzungsbedingungen und erlaubte, dass Telefonnummern an Facebook übertragen werden können, zusammen mit Informationen, wann und wie häufig ein Nutzer die App verwendet. Sie sollten mit den Nutzerprofilen im sozialen Netzwerk Facebook verknüpft werden. Das Ziel: Die Werbung auf Facebook verbessern, also dafür sorgen, dass die Werbung noch besser zu dem Nutzer passt, der sie sieht. Dafür muss Facebook aber natürlich umso mehr über den Nutzer wissen.

Zwar teilt Facebook Handynummern nicht mit Unternehmen, die Werbung schalten, aber Werbetreibende können ihre eigenen Nummernlisten mit Facebook abgleichen. So können sie sehen, ob eine Person bei Facebook registriert ist - identifizieren können die Unternehmen die Person nicht. Aber wer Facebook aus Datenschutzgründen nicht seine Telefonnummer verraten wollte, wird durch die Änderungen der Nutzungsbedingungen übergangen. Für die Nutzer und ihre Daten soll sich also sehr wohl etwas ändern.

Der Widerstand

Nutzer und Datenschützer fühlten sich betrogen. "Verbraucher vertrauten also darauf, dass ihre Daten allein bei Whatsapp bleiben und kein Datentransfer zu Facebook erfolgt. Ihr Vertrauen wurde enttäuscht", sagte Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen damals. Vom mutmaßlichen Vertrauensbruch der Whatsapp-Mutter profitierten Konkurrenz-Apps wie Threema oder Signal, die mit ihrem knallharten Datenschutz werben. Sie konnten deutlich mehr Nutzer verzeichnen.

Es formierte sich Widerstand gegen die Weitergabe von Daten: Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar hat Facebook die Weitergabe von Handynummern verboten, Facebook wehrte sich vor Gericht und hat Ende April vorläufig verloren. Deutsche Nutzer sind also derzeit vor dem Datenaustausch geschützt. Allerdings hat das Unternehmen angekündigt, in Berufung zu gehen.

Caspar begrüßt die Strafe durch die EU-Kommission: "Die Luft wird damit in der EU zusehends dünner für Unternehmen, die den Vorgaben des Datenschutzrechts nicht entsprechen", so der Datenschützer. "Unternehmen, die dies nicht erkennen, werden insbesondere auf dem EU-Markt keinen Erfolg haben."

Auswirkungen auf die Fusion hat die Strafzahlung an die EU nicht, Facebook und Whatsapp dürfen zusammenbleiben. Die Fusion hänge schließlich nicht nur von der Datenweitergabe ab, schreibt die Kommission. Und so richtig getraut hat man den beiden Unternehmen offenbar von Anfang an nicht: "Die Kommission hatte damals auch das hypothetische Szenario betrachtet, dass ein Nutzerabgleich möglich wäre."

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