Die britische Regierung überlegt, ob sie Krawallaufrufe auf Twitter und über Blackberry-Nachrichten blockieren kann. Doch ein Eingriff in die Live-Kommunikation ist kaum möglich - der Preis dafür wäre die Abkehr von demokratischen Prinzipien.
Fünf Sätze verwandte der britische Premierminister David Cameron am Donnerstag darauf, um in seiner Regierungserklärung auf die Rolle digitaler Medien bei den Ausschreitungen in Großbritannien einzugehen. Fünf Sätze genügten, um eine Misstrauenswelle zu erzeugen, die innerhalb kürzester Zeit durch das Netz schwappte.
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Großbritanniens Premierminister Cameron: "Möglicherweise gefährlicher Weg." (© Reuters)
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Worum geht es? Hier die Passage der Cameron-Rede:
"Jedem, der diese furchtbaren Aktionen gesehen hat, wird aufgefallen sein, wie sie über soziale Medien organisiert wurden. Der freie Fluss von Informationen kann für Gutes verwendet werden. Er kann aber auch für Übel verwendet werden. Und wenn Menschen soziale Medien für Gewalt benutzen, müssen wir sie stoppen. Wir arbeiten deshalb mit der Polizei, den Geheimdiensten und der Industrie daran, zu überlegen, ob es richtig ist, Menschen über diese Webseiten und Dienste kommunizieren zu lassen, wenn wir wissen, dass sie Gewalt, Chaos oder Verbrechen planen."
Die Interpretation dieser Passage ließ nicht lange auf sich warten: "Cameron erklärt Social Media den Krieg", twitterte ein ägyptischer Blogger. "Was würde Sie von arabischen Tyrannen trennen, welche die Kommunikation über Twitter abschalten, oder von China, die sie ganz verbietet?", fragte der US-Medienguru Jeff Jarvis den konservativen Premier in einer Guardian-Kolumne, Jillian York von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation sprach im TV-Sender Bloomberg von einem "möglicherweise gefährlichen Weg".
In einer Linie mit Despoten
Schon bald soll das britische Innenministerium auf die betroffenen Firmen zugehen, in diesem Falle auf die sozialen Netzwerke Twitter, Facebook sowie Research In Motion (RIM), dessen Blackberry-Telefone für verschlüsselte Aufrufe zu Plünderungen genutzt worden sein sollen. Die misstrauischen bis panischen Reaktionen vieler besorgter Internet-Aktivisten und -Nutzer ist auch Camerons vagen Formulierungen geschuldet.
Fest steht, dass es dem Premier nicht darum geht, das Internet komplett abzuschalten, wie stellenweise zu lesen ist. Vielmehr überlegt die Regierung, ob und wie Bürger daran gehindert werden sollen, sich über die angesprochenen Dienste zu verabreden, um Krawalle oder Verbrechen zu initiieren. Das Ergebnis dieser Überlegungen steht noch nicht fest, glaubt man den Worten Camerons.
Dies hat auch damit zu tun, dass ein Eingriff in diese Dienste nicht ohne Nebenwirkungen möglich ist. Eine Variante wäre die vollständige Abschaltung von Twitter, Facebook und Blackberry Messenger (BBM), zumindest in den betroffenen Gegenden. Das wäre schon aus politischen Gründen schwierig: Die Liberalen in der britischen Regierungskoalition würden einer solchen Generalabschaltung kaum zustimmen, zudem sähe sich Cameron - wie Jarvis' Zitat andeutet - plötzlich in einer Linie mit autoritären Regimen, die ähnliche Methoden zur Unterdrückung von Protesten anwenden.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass Twitter und Facebook auch genutzt wurden, um Krawalle zu dokumentieren, nach dem Verbleib von Freunden zu fragen oder Menschen davor zu warnen, bestimmte Stadtteile aufzusuchen. Dies alles wäre dann aufgrund einer anderen Nutzungsart einer Minderheit unmöglich - oder würde sich, ebenso wie die vermeintliche Organisation von Ausschreitungen, auf andere Kanäle verlagern. Dieses Argument würde auch gegen eine Abschaltung des Blackberry Messengers sprechen, der verschlüsselte Massenbotschaften erlaubt.
Allerdings könnte RIM dazu gezwungen werden, die Nachrichten von Privatnutzern herauszugeben, da diese, anders als Botschaften in geschlossenen Blackberry-Unternehmensnetzwerken, dekodiert werden können. Der Smartphone-Hersteller aus Kanada hat bereits angekündigt, mit den Behörden kooperieren zu wollen.
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Surfrider Beach in Malibu
Ich gehe mal davon aus, dass Verabredung und Aufruf zum Aufruhr auch heute bereits in den UK strafbar ist.
Wie in Deutschland.
Ich käme aber nie auf die Idee, deshalb Frau Merkel einen Kontrollwahn zu unterstellen. Geht´s noch?
jedoch sicherlich NICHT als demokratische Grundlage sehen
An das Ermächtigungsgesetz musste ich auch denken, als ich den Beitrag von kassandr las. Aber offenbar ist kassandr der Meinung, dass England den Demokratiebegriff individuell definieren darf.
"Sie mögen ungewöhnlich und unüblich sein, aber populär und demokratisch, jedenfalls in Großbritannien, sind sie dann allemal."
tja die Ermächtigungsgesetze, sind sicherlich nicht undemokratisch zustandegekommen, schließlich wurden sie 1933 mit den Stimmen der Liberalen und der Deutschnationalen, sowie des Zentrums beschlosssen, sie würden die Gesetze selber jedoch sicherlich als demokratische Grundlage sehen, oder etwa nicht?
Nur weil das Procedere demokratisch ist, muss doch das Ergebnis nicht demokratisch sein... ansonsten wäre das eine Cargo-Kult-Demokratie.
Wir spielen ein Ritual, dass sich Demokratie nennt, aber es ist dann keine mehr...
England will schnell von seinen ehemaligen Kolonien und Einflussgebieten lernen. Probleme par ordre du mufti lösen, Polizei verstärken, die Armee gegen die eigene Jugend einsetzen, Kommunikationswege blockieren und markige Worte gegen das Gesindel der lower class. Kein Wort aber darüber, wie es sein kann, dass Millionen junger Menschen ohne Arbeit, ohne eigenes Einkommen und ohne Perspektive sind. Was berechtigt den Staat zur Erwartung, dass diese Jugend zu ihm steht? Was hat sie zu verlieren?
Signifikante Beiträge zur Gestaltung der Zukunft: Aristokratischer Klimbim, Jonglieren mit Finanzen, Ölteppiche ausrollen. Was ist aus diesem Land geworden, das der Menschheit Isaac Newton, James Watt, Adam Smith, Charles Darwin, John Cadbury, Maynard Keynes, Stephen Hawking und viele andere Pioniere der Menschheit schenkte?
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