Betriebssystem iOS 9 Apple erlaubt Adblocker für iPhones und iPads

Craig Federighi, verantwortlich für Software bei Apple, hat kürzlich das neue Betriebssystem iOS 9 vorgestellt.

(Foto: Bloomberg)
  • Apple erlaubt den App-Entwicklern im neuen Betriebssystem iOS 9, Werbung im Safari-Browser zu blockieren.
  • Werbeblocker muss man sich vorstellen wie digitale Scheren. Sie schneiden Werbeanzeigen aus Internetseiten heraus.
  • Den mobilen Werbemarkt könnte dieser Schritt massiv beeinflussen. Das Harvard-Institut Nieman Lab bewertet die Entscheidung Apples kritisch.

iOS 9 ermöglicht Blockieren von Inhalten

Apple erlaubt in Zukunft das Installieren von Browser-Erweiterungen, die auf iPhones und iPads Werbung blockieren sollen. Das geht aus der Dokumentation für das Betriebssystem iOS 9 hervor, das kürzlich vorgestellt wurde und im Herbst erscheinen soll. In diesen Dokumentationen erklären Firmen, über welche Möglichkeiten App-Entwickler verfügen und welche Schranken ihnen gesetzt werden. Der entsprechende Unterpunkt lautet "Content Blocking Safari Extensions", übersetzt: "Erweiterungen für Safari, um Inhalte zu blockieren."

Was Werbeblocker sind

Man kann sie mit digitalen Scheren vergleichen. Sie verhindern, dass bestimmte Inhalte angezeigt werden. In aller Regel werden sie dazu eingesetzt, um Werbung zu blockieren. In iOS 9 wird es aber auch möglich sein, zum Beispiel Bilder automatisch auszublenden.

Die erfolgreichste Adblocking-Firma hat ein fragwürdiges Geschäftsmodell

In Web-Browsern für Desktop-PCs und Laptops ist es bereits jetzt möglich, Werbung zu blockieren. Die erfolgreichste Firma in diesem Bereich ist Adblock Plus. Ihr Geschäftsmodell ist nicht illegal, aber zumindest fragwürdig (die Einzelheiten können Sie in diesen beiden SZ-Analysen nachlesen).

Google soll 25 Millionen Dollar an Adblock Plus gezahlt haben

Erlaubt ist, was "nicht nervt". Aber entscheiden darüber hohe Geldbeträge? Das Browser-Plugin Adblock Plus lässt seit einiger Zeit Anzeigen von Google durch den Filter. Laut einem Bericht soll die Betreiberfirma dafür eine beträchtliche Summe kassiert haben. Von Hakan Tanriverdi mehr ...

Viele Webseiten verdienen ihr Geld mit Online-Werbung

Inhalte-Anbieter, dazu gehört auch SZ.de, verdienen ihr Geld auch mit Online-Werbung. SZ.de hat sich wiederholt zusammen mit anderen Nachrichtenseiten gegen Adblocker ausgesprochen und bei Nutzern dafür geworben, diese zu deaktivieren.*

Das renommierte Harvard-Institut Nieman Lab for Journalism sieht in der Entscheidung Apples eine Gefahr für alle werbefinanzierten Angebote im Internet: "Das ist beunruhigend. Verleger verdienen ohnehin nur wenig Geld mit Werbung auf Mobilgeräten, obwohl sich ein großer Anteil der Leser sich dorthin verlagert hat." Die digitale Leserschaft der New York Times bestehe zu 50 Prozent aus Smartphone- und Tablet-Nutzern, die Online-Umsätze hingegen nur zu zehn Prozent.

Mobilfunkfirmen wollen Werbeanzeigen in ihren Netzen blockieren

Mitte Mai meldete die Financial Times, dass eine ungenannte Mobilfunkfirma plane, ab Ende des Jahres Werbung auf Smartphones automatisch zu filtern. Um das zu gewährleisten, müsste die Firma prinzipiell den Traffic der Kunden analysieren - und dann entscheiden, welche Inhalte nicht durchgelassen werden. Damit wäre das Prinzip der Netzneutralität gefährdet. Es besagt, dass alle Daten in der gleichen Art und Weise durchgelassen werden.

Möglich wird das durch eine Software des israelischen Start-ups Shine. Die Mobilfunkfirma hat klare Ziele für diesen Schritt genannt: Sie wollen vor allem Geld von Google. Mobilfunk-Unternehmen klagen, dass sie die Infrastruktur bereitstellen, aber nicht ausreichend an den Gewinnen beteiligt werden.

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