Ägypten Vodafone: Mubarak-Helfer mit Revolutions-Anstrich

Ein Werbespot zeigt Vodafone als Helfer der ägyptischen Revolution - dabei erfüllte das Unternehmen Mubaraks Zensurwünsche. Ägypter sind nun verärgert, die Firma weist die Verantwortung von sich.

"Unsere Macht" heißt die Kampagne übersetzt, die Vodafone Ende vergangenen Jahres in Ägypten startete. Wenige Wochen später ging das ägyptische Volk tatsächlich gegen Machthaber Hosni Mubarak auf die Straße und riss die Macht an sich. Mit Hilfe von Vodafones Internet- und Handydiensten?

Diesen Eindruck legt ein Vodafone-Werbespot nahe, der derzeit im Internet die Runden macht und über den der Guardian berichtet. In dem Video sind demzufolge Bilder der Proteste am Tahrir-Platz zu sehen, bevor es am Ende heißt: "Wir haben die Menschen nicht auf die Straße geschickt, wir haben die Revolution nicht begonnen. Wir haben die Ägypter nur daran erinnert, wie viel Macht sie haben." Nun ist die Rolle Vodafones bei den Anti-Mubarak-Demonstrationen allerdings keineswegs so positiv, wie der kleine Film glauben machen möchte: Zum großen Protesttag am 28.Januar hatte das Mubarak-Regime alle Internet- und Mobilfunkanbieter dazu verpflichtet, ihre Leitungen zu kappen, um Absprachen der Demonstranten und die Veröffentlichung von Videoaufnahmen über das Netz zu verhindern.

Auch Vodafone Egypt hatte sich der Weisung gefügt und sein Handy- und Breitbandnetz für einige Tage abgeklemmt, zudem erlaubte es, dass massenhaft Pro-Mubarak-Propaganda per SMS an seine Kunden verschickt wurde.

Das Unternehmen entschuldigte sich später für seine Zensurpolitik - dass es nun als Helfer der Revolution porträtiert wird, sorgt jedoch für geballte Wut. "Hey @vodafoneegypt, mein Freund ist am 28. Januar verblutet - dem Tag, den Eure Werbekampagne inspiriert hat - weil wir keinen verdammten Krankenwagen rufen konnten", lautet eine Botschaft auf Twitter.

In Blogs ist vom "widerlichen Marketing-Flop" die Rede, die Internet-Seite "Ihatevodafoneegypt.com" gibt Ägyptern Tipps beim Such eines neuen Mobilfunk- oder Internet-Anbieters.

Vodafone Egypt hat inzwischen auf die heftige Kritik reagiert und sich von dem Video distanziert: Demnach hatte das Unternehmen keine Kenntnis von dem Spot, er sei von der bekannten Werbeagentur J. Walter Thompson (JWT) "für interne Zwecke" produziert worden. Man habe niemals Bilder der ägyptischen Revolution für Vodafone-Werbung verwendet, erklärte ein Sprecher. JWT hat sich inzwischen für das Video entschuldigt und es ebenso wie zahlreiche Kopien bei YouTube löschen lassen.

Das dürfte die Kritiker kaum beruhigen: "Wenn Ihr es ernst meint, dann verklagt JWT", fordert ein Aktivist bei Twitter von Vodafone. Mit Gerichtsstreitigkeiten hat der Telekommunikationskonzern in Ägypten allerdings möglicherweise schon bald genug zu tun: Wie der Guardian berichtet, wird gegen das Unternehmen wegen seiner Rolle während der Mubarak-Herrschaft ermittelt. Der Vorwurf: Beihilfe zur Diktatur.