Adobe Flash-Player Flash stirbt. Und das ist gut so

  • Schwere Sicherheitslücken in der Software Flash machen Computer anfällig für Kriminelle. Experten sprechen sich daher dafür aus, das Programm endgültig abzuschaffen.
  • 1996 erfunden, brachte der Flash-Player die ersten Animationen ins Internet.
  • Moderne Browser setzen auf HTML5. Die Websprache ermöglicht es, auf Flash vollständig zu verzichten.
Von Benedikt Frank

Wer einen Webbrowser nutzt, hat höchstwahrscheinlich auch Flash installiert. Die Software von Adobe klinkt sich als Plug-in ein und ermöglicht es, interaktive Inhalte wiederzugeben. Doch immer wieder werden schwere Sicherheitslücken bekannt. Zuletzt am Montag, woraufhin der in Deutschland meistgenutzte Browser Firefox das Plug-in vorübergehend abschaltete.

Durch die fehlerhafte Software lassen sich fremde Rechner aus der Ferne kontrollieren - ein PC mit Flash ist für technisch versierte Kriminelle ein offenes Tor. Experten raten daher dazu, Flash überhaupt nicht mehr einzusetzen. Der Sicherheitschef von Facebook, Alex Stamos, forderte nun von Adobe sogar, einen Todeszeitpunkt für ihre Technologie festzulegen, nachdem diese deaktiviert wird. Eine Initiative namens "Occupy Flash" will bereits seit 2011 mit einem Manifest und kämpferischem Faust-Logo den Flash-Player zur Aufgabe zwingen.

Vielleicht ist es mit Flash wirklich bald zu Ende. Doch trotz zahlreicher Krankheiten muss gewürdigt werden, wie Flash das Internet beeinflusst hat. Dieser Symbiont des Webbrowsers hat die Ästhetik des Netzes entscheidend geprägt. Vor Flash waren Websites Textwüsten, im besten Fall von statischen Bildern aufgelockert, im schlechtesten von grobpixelig blinkenden GIF-Bildern in Endlosschleifen. Graue Dörfer. Flash präsentierte sich dagegen wie der New Yorker Times Square, laut, bunt beleuchtet - und vor allem belebt.

Cartoons waren dank Flash die ersten Bewegtbilder im Internet

Animation, die Kunst Dinge zu beleben, war nämlich die ursprüngliche Hauptfunktion, 1996, als das Programm noch "FutureSplash Animator" hieß. Zum Erfolgsrezept der Software wurde die sogenannte vektorbasierte Computeranimation. Hier wurde nicht mehr wie im klassischen Zeichentrickfilm eine Folie nach der nächsten bemalt. Stattdessen bekam ein Objekt einen Start- und einen Endpunkt sowie eine Anleitung, wie es sich zwischen diesen Punkten bewegen soll. Das spart Daten, was in Zeiten von langsamen Modem-Verbindungen von entscheidender Bedeutung war.

Neben dem Internet beeinflusste Flash so auch die Cartoons. Sie wurden auf einmal zu den ersten Bewegtbildern im Netz, die Nutzer mit relativ geringen Ladezeiten und ohne große Pixelblöcke ansehen konnten. Flashanimationen waren auch einfacher zu produzieren als Zeichentrickfilme. Der TV-Sender Nickelodeon nutzte das aus. Die typische Ästhetik der Körper aus einfachen geometrischen Formen, die flächig mit Farbe gefüllt sind, klare Kanten aufweisen und auch eher reduzierte Bewegungen ausführen, ist bis heute prägend.

Mit dem Kauf durch Macromedia erhielt Flash dann auch den griffigeren Namen. Der Blitz sollte einschlagen, also verteilte die Firma das Programm als kostenloses Plug-in. Und sie machte Flash interaktiv. Dadurch wurde das Internet zum Spielplatz. Flash-Games locken bis heute mit schneller Ablenkung. Auch die Websites veränderten sich. Eine komplett auf Flash basierende Seite war auf einmal für viele große Unternehmen ein Ausdruck dafür, auf der Höhe der Zeit zu sein. Sie konnten den Kunden nun stilvolle Präsentationen vorführen, konnten sie mit allerhand anklickbarem Klimbim dazu bringen, länger auf ihren Seiten zu bleiben.

Youtube setzt mittlerweile auf HTML5

Doch langsam fing Flash an zu nerven. Nicht nur, weil Flash-Werbebanner aggressiv von allen Bildschirmen schrien. Nicht nur wegen der Sicherheitsbedenken. Auch mit der Privatsphäre nimmt es Flash nicht so genau. Zudem stellen Kritiker infrage, ob eine so wichtige Technologie den Händen einer einzigen Firma überlassen werden soll, seit 2005 eben Adobe.

Darum wurden offene Alternativen geschaffen. Moderne Browser unterstützen heute HTML5, eine Weiterentwicklung der Sprache, auf der das World Wide Web basiert. Mit der lässt sich Ähnliches machen wie mit Flash. Selbst das Videoportal Youtube, das in Flash programmierte Videoplayer populär machte, bietet heute eine HTML5-Alternative an. Und auch Adobe erlaubt in seinen Programmen die Umwandlung von Flash auf die neue Technik.

Adobe hat mittlerweile ein Update veröffentlicht, das die Sicherheitslücken schließen soll. Doch es wird in Zukunft weitere Fehler geben, die erst repariert werden, nachdem sie bereits ausgenutzt wurden. Flash ist angezählt, der Donner grollt schon.