10. Safer Internet Day Wie viel Internetkonsum für Kinder gut ist

Das Internet steckt voller Möglichkeiten, doch Eltern sollten wachsam sein: Es lauern auch Gefahren.

(Foto: dpa)

Schon die Kleinsten sind davon fasziniert, und doch lauern Gefahren: Das Internet stellt für Mütter und Väter eine Herausforderung dar. In welchem Alter sollen sie den Nachwuchs an den Computer lassen? Und wie hält man ihn von Schmuddel-Seiten fern?

Von Katja Riedel

Paul ist drei und hat eine eher seltene Neigung: Er liebt Glocken. Den ganzen Tag könnte Paul sie anschauen, wie sie schwingen, wie sie tönen, das fasziniert ihn. Schön, dass im Internet, zum Beispiel bei Youtube, viele andere Glockenfans Filmchen eingestellt haben. "Aber Glocke ist ein gefährliches Wort", sagt seine Mutter Eva Maier (Namen geändert). Denn im Deutschen ist das Wort doppeldeutig. Nur ein Erwachsener ist weitsichtig genug, den Suchbegriff etwa mit dem eindeutigen französischen Wort "Cloche" zu ersetzen, damit der Kleine nicht ungewollt nackte Brüste zu sehen bekommt.

"Man muss sich als Erwachsener im Internet gut auskennen und immer erst alles allein selbst ausprobieren", sagt Eva Maier. Sie will das Netz, das nun einmal zum Leben gehört und mit dem Kinder den Umgang lernen müssen, nicht verbieten. Sie sei aber noch lange nicht so weit, dass sie den Sohn und die sechsjährige Tochter Jana allein online gehen lasse, sagt die Mutter aus Sendling. "Ich sortiere alles vor und weiß, wie die Seiten ticken", so Maier.

Was Eva Maier macht, kostet sie viel Zeit - und Nerven. Denn wenn die Kinder etwa von den Seiten des Kinderkanals ("Kikaninchen") nicht genug kriegen können, werfen sie sich schon mal schreiend auf den Boden, sagt Maier. Sie hält deshalb wenig von schrillen bunten Kinderseiten, die Fernsehen und Netz zu einem Spiel verbinden, das niemals endet. "Der Akku meines Tablets ist dann meine Zeitsteuerung", sagt sie.

Computersucht und Mobbing im Netz

Eva Maier schaut also hin, was ihre Kinder mit Medien machen - und das empfiehlt auch die Initiative schau-hin.de. Längst nicht alle Eltern haben verstanden, dass sie selbst es sind, die die Gefahren, welche das Internet neben allen Chancen bietet, an ihre Kinder heranlassen: von der Sucht bis zu Mobbing im Netz, jugendgefährdenden Bildern, Abzocke oder der Gefahr, in Chats und sozialen Netzwerken von Pädophilen angesprochen zu werden.

Denn davor warnt unter anderem das Leibniz-Rechenzentrum in München in der Broschüre "Schattenseiten des Internet". Die Europäische Kommission macht an diesem Dienstag zum zehnten Mal mit ihrem "Safer Internet Day" auf die Gefahren des Netzes aufmerksam.

Dass viele Eltern vielleicht zu großes Vertrauen in die Vernunft ihrer Kinder haben, belegen Zahlen. Immerhin 22 Prozent der sechs- bis siebenjährigen Kinder, die der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest 2010 in seiner viel beachtetet KIM-Studie befragte, gehen allein ins Internet. Bei den Acht- und Neunjährigen waren es 43, bei den Zehn- und Elfjährigen schon 57 Prozent. Sie suchen dort vor allem nach Hausaufgabenhilfe, Neuigkeiten über Prominente und Spielen.