Waldorf, Montessori und Co. Sind Privatschulen besser als staatliche Schulen?

Die Zeiten, in denen Kinder auf die Schule gingen, die möglichst nahe am Wohnort war, sind vorbei. Das Angebot an privaten Schulen ist groß, Eltern haben die Wahl. Doch was sind eigentlich die Vorteile dieser Lehranstalten - und lohnt es sich, dafür viel Geld zu zahlen? Ein Überblick.

Von Sabrina Ebitsch

Privatschulen (oder richtiger: Schulen in freier Trägerschaft) werden seit einigen Jahren - nicht zuletzt durch den Pisa-Schock - immer beliebter: Laut dem Bildungsbericht 2012 hat sich ihr Anteil seit 1998 auf knapp zehn Prozent fast verdoppelt, acht Prozent aller Schüler in Deutschland gehen auf eine Privatschule. Ob Montessori, Waldorf, kirchliche oder sonstige freie Träger, aus dem öffentlichen Bildungssystem scheint eine regelrechte Fluchtbewegung eingesetzt zu haben. Der Andrang ist so hoch, dass die Schulen bei weitem nicht alle Bewerber aufnehmen können.

Denn die Privatschule ist weder eine Bildungsanstalt für höhere Töchter noch ein Bildungsghetto für die, die es sich leisten können. Zwar unterscheidet sich ihre Sozialstruktur immer noch deutlich von der öffentlicher Schulen, aber auch Eltern mit mittlerem Einkommen schicken ihre Kinder mittlerweile auf die sogenannten Ersatzschulen. Von der zusätzlichen Investition in Form des Schulgelds versprechen sie sich besseren Unterricht, bessere Betreuung, bessere Förderung ihrer Kinder - und damit bessere Zukunftschancen.

Ganz so simpel ist die Rechnung allerdings nicht: Zum einen gibt es zahlreiche öffentliche Schulen, die ausgezeichnete Arbeit leisten. Zum anderen sorgt mehr Geld nicht automatisch für besseren Unterricht: Einer Analyse von Leistungsvergleichen im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zufolge zeigen Privatschüler zwar bessere Leistungen, die jedoch mit ihrem sozioökonomischen Hintergrund zu erklären sind. Wird die Zusammensetzung der Schülerschaft berücksichtigt, schneiden die staatlichen Schulen in mehreren Ländern mindestens genauso gut oder sogar besser ab.

Zwischen den einzelnen Anbietern gibt es außerdem große Unterschiede. Häufig steht hinter dem jeweiligen Träger auch ein bestimmtes pädagogisches Konzept oder eine weltanschauliche Ausrichtung, das oder die zu Eltern und Kind passen muss. Und auch die Kosten schwanken stark: Während einige der Lehranstalten den Schulbesuch mit einem Stipendium auch ärmeren Familien ermöglichen und der die monatlichen Ausgaben im Schnitt bei 120 bis 200 Euro liegen, verlangen manche Privatgymnasien mehr als 2000 Euro pro Monat. Denn für die rein gewerblichen Träger, die mit ihrem Bildungsangebot schlicht Geld verdienen wollen, hat sich durch den Privatschul-Boom ein reizvoller Markt aufgetan.

Welches Konzept hinter welcher Schule steckt: