Unfaire Notenvergabe an Universitäten Setzen, sehr gut

Ein Bericht zeigt wie ungleich Hochschulen und Fächer die Leistungen messen. Professoren und Fachverbände müssen jetzt für faire Verhältnisse sorgen - bevor sie durch Klagen dazu gezwungen werden.

Ein Kommentar von Roland Preuß

Es ist schon seltsam. Seit Jahren klagen Professoren über ihre Kundschaft. Die Studenten von heute bringen angeblich keinen fehlerfreien Satz mehr aufs Papier, kopieren ihre Hausarbeiten zusammen und scheuen die Mühen der Bibliotheksarbeit, heißt es. Doch zugleich erhalten sie von den Professoren immer bessere Noten. Dies belegt nun der Bericht des Wissenschaftsrates, der eine Inflation guter Zensuren sieht.

Man kann das natürlich mit einem Schmunzeln aufnehmen. Schon die Erstsemester lästern ja darüber, wie die Kommilitonen aus der Philosophie ihre Bestnoten nachgeworfen bekommen. So manches Klischee scheint jetzt bestätigt. Doch jenseits dieser Zoten zeigt der Bericht, wie ungleich Hochschulen und Fächer die Leistungen messen. Und das, während die Bedeutung der Noten weiter gewachsen ist.

Viele Studenten werden wegen schlechter Noten bereits nach dem ersten Abschluss, dem Bachelor, aussortiert. Denn über die Fortsetzung im Master-Studium entscheidet die Bachelor-Note. Ob die an einer strengen oder laxen Hochschule erzielt wurde, interessiert in der Regel nicht. Das ist in Zahlen gegossene Ungerechtigkeit.

Wer wieder faire Verhältnisse herstellen will, muss einheitlichere Maßstäbe durchsetzen. Hier sind die Professoren und ihre Fachverbände gefragt. Sie sollten dies selbst erledigen - bevor sie durch Klagen dazu gezwungen werden.