Trotz Bologna-Prozess Was muss ich über Magister und Diplom wissen?

Die Bologna-Reformen waren das Todesurteil für Magister und Diplom. Mittlerweile sind die meisten Studiengänge auf die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master umgestellt. Aber es gibt noch einige Hochschulen, die Widerstand leisten.

Diplom und Magister sind aussterbende Arten: Die alten Studienabschlüsse wurden in den vergangenen Jahren - und werden es noch - sukzessive von Bachelor und Master abgelöst. Doch obwohl der Bologna-Prozess, der die europaweit einheitlichen neuen Abschlüsse einführen sollte, bereits 1999 begann, gibt es noch heute Hunderte Studiengänge, an deren Ende der Magister- oder Diplomgrad verliehen wird.

Magister und Diplom sind wie der Bachelor grundständige Studiengänge, die zu einem ersten Abschluss führen. Im Gegensatz zum deutlich kürzeren Bachelor sind sie jedoch auf eine Regelstudienzeit von vier bis fünf Jahren angelegt. Der Magister, der eher in den Geistes- und Sozialwissenschaften verliehen wird, ist meist breiter angelegt und sieht das Studium von frei gewählten Haupt- und Nebenfächern vor; im Diplom, das in der Regel in wirtschaftswissenschaftlichen, naturwissenschaftlich-technischen, praxisnäheren Studiengängen der Abschluss ist, konzentrieren sich die Studenten meist auf ein Hauptfach.

Doch im Verhältnis zu den mehr als 16.000 Studiengängen bundesweit sind die verbleibenden Diplom- und Magister-Studiengänge nur ein Bruchteil. Mittlerweile sind 85 Prozent aller Studienangebote auf Bachelor und Master umgestellt. Unter den restlichen 15 Prozent sind vor allem Staatsexamens-Studiengänge und nur wenige - ein Viertel - Magister- und Diplom-Studiengänge. "Die Geschwindigkeit der Umstellung war in den vergangenen zwei, drei Jahren enorm", sagt die Autorin und Studienberaterin Angela Verse-Herrmann. "In vielen Bundesländern und Hochschulen steht der Umbau fast vollständig vor dem Abschluss."

Vom Staatsexamen, über dessen Zukunft noch immer diskutiert wird, und den kirchlichen Studienabschlüssen abgesehen gibt es vor allem beim Diplom, weniger beim Magister, noch einige Ausnahmen. Insbesondere die Kunst- und Musikhochschulen haben sich lange gegen die Einführung der neuen Abschlüsse gesperrt, die Umstellung ist hier deutlich weniger fortgeschritten als an den übrigen Hochschulen. Seitdem die Kultusministerkonferenz aber 2005 einige Sonderregelungen für künstlerische Studiengänge festgeschrieben hat, gibt es hier eine größere Dynamik. Gut zwei Drittel der Studienangebote an Kunst- und Musikhochschulen schließen mittlerweile ebenfalls mit Bachelor und Master ab.

Inseln in der Hochschullandschaft

Eine weitere letzte Bastion des Diploms sind die Ingenieurswissenschaften, wo Fachvertreter und Arbeitgeber sich mit dem Verlust der Marke Dipl.-Ing. (Diplom-Ingenieur) nicht abfinden wollten und nicht nur um Ansehen, sondern auch um die Qualität der Ausbildung fürchteten. An einigen Hochschulen wurde sogar neben dem Master zusätzlich der Dipl.-Ing. verliehen - auch, um die Studenten mit diesem renommierten Titel zu locken.

Auch Erstsemestern standen und stehen diese Programme teils noch offen. "Solange das angeboten wird, haben auch Studienanfänger noch die Möglichkeit, an einigen Hochschulen Diplom-Ingenieur zu werden, aber das sind mittlerweile nur noch Inseln in der Hochschullandschaft", sagt Verse-Herrmann.

2011 hat nun der für die Zulassung von Studiengängen zuständige Akkreditierungsrat beschlossen, Studiengängen mit dem Abschluss Magister und Diplom künftig endgültig die Akkreditierung zu entziehen, da sie den Absprachen der Länder zur Bologna-Reform widersprächen und daher nicht akkreditierungsfähig seien. Ihre Aufrechterhaltung war bisher ohnehin nur in Ausnahmefällen möglich. Damit dürften die Widerstände der letzten Kämpfer für das Diplom kaum noch Chancen auf Erfolg haben.