Studienabbrecher Führerschein für die Uni

"Abschlussarbeiten sind echt nicht mein Ding"

Falsche Vorstellungen - oder schlicht Faulheit? Warum brechen junge Menschen ihr Studium ab? Drei Protokolle. Von Ulrike Nimz mehr...

Einer von drei Studierenden bricht vor dem Examen ab. Viele davon, weil sie mit dem Studium an sich nicht klarkommen. Ein "Studienführerschein" - dazu gehören Zeitmanagement, Lernstrategien, Persönlichkeitstraining - soll helfen.

Von Johann Osel und Roland Preuß

Es sind erst einige Dutzend Studenten, die vor ihrem ersten Semester die Führerscheinstelle an der Hochschule Bremerhaven besuchen. Noch ist das Projekt ja recht neu, das Vize-Rektor Peter Ritzenhoff, zuständig für Studium und Lehre, und sein Team initiiert haben: den Studienführerschein. Mathekurse bietet die Hochschule im Norden ihren Studienanfängern schon lange an, um Lücken bei den angehenden Ingenieuren zu beheben, um alle auf einen gemeinsamen Stand zu bringen. Nun kamen Workshops dazu, jeweils einige Wochen vor dem ersten Tag im Hörsaal - Zeitmanagement, Lernstrategien, Persönlichkeitstrainings.

Nach mehreren Kursen wird dann der Führerschein ausgestellt. Das Papier lässt sich für die Bewerbung auf Stipendien nutzen - vor allem aber, sagt Ritzenhoff , soll es "helfen, schnell im Studium anzukommen". Inhaltlich und fachlich, aber auch in puncto Wohlfühlfaktor. Denn in Bremerhaven liegt der Anteil der Studienabbrecher etwa auf dem Niveau aller deutschen Hochschulen: bei mehr als einem Viertel, in bestimmten Fächern noch deutlich höher.

Bremerhaven ist jüngst zusammen mit fünf weiteren Standorten vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für diese "guten Ansätze" geehrt worden. Andernorts rückt man dem Problem zum Beispiel mit Technik zu Leibe und versucht mit Hilfe von Datenanalysen, die Risikogruppen für Studienabbruch ausfindig zu machen. Die sechs Hochschulen sollen in einem "Qualitätszirkel Studienerfolg" ihre Ideen weiterentwickeln und auch neue Konzepte finden. Ergebnisse werden wohl 2015 vorgestellt.

Schaden für das ganze Land

Der Stifterverband, eine Initiative der Wirtschaft, spricht von einer "alarmierenden" Lage, einem Schaden für das ganze Land: "Wenn wir so weitermachen und halbe Jahrgänge im Studium scheitern lassen, werden wir den Fachkräftemangel nie in den Griff bekommen."

In diesen Tagen beginnt an den Universitäten die Vorlesungszeit. Blickt ein Studienanfänger dort zum Sitznachbarn links und rechts, dann wird statistisch gesehen einer von den beiden oder er selbst sein Studium hinwerfen. Denn bei Bachelorstudenten an Universitäten bricht jeder dritte wieder ab. Für 2014 rechnen die Statistiker erneut mit annähernd einer halben Million Erstsemester wie schon in den vergangenen Jahren, die Gesamtzahl der Hochschüler liegt auf Rekordniveau, gut 2,5 Millionen. Das ist im Grunde eine Momentaufnahme.

Wann beginnt c.t.?

Der Campus ist ein Kosmos für sich - mit ganz eigenen Vokabeln. Bei Erstsemester und Außenstehenden sorgen die bisweilen für Verwirrung. Wie gut kennen Sie sich aus mit den Fachbegriffen in den Hochschulen? Machen Sie den Test! mehr ...

Umfassende Daten zum Thema Abbuch hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) erhoben. Demnach liegt die Abbrecherquote im Bachelor an Unis - ausgewertet wurde der Absolventenjahrgang 2010 - eben bei 35 Prozent, an den Fachhochschulen ist sie niedriger. In den universitären Ingenieurfächern gibt sogar fast jeder zweite auf, in Naturwissenschaften sind es 39 Prozent.

Die Gesamtquote wird nach unten gedrückt von Fächern mit Staatsexamen: Jura (26 Prozent), Medizin (neun Prozent) und Lehramt (sechs Prozent). Die DZHW-Autoren sehen die Ursachen für den Studienerfolg in diesen Fächern in der starken Identifikation mit dem Fach, im klaren späteren Berufsbild und der strengeren Struktur. Zudem gebe es oft Zulassungshürden, wie in Medizin ein Einser-Abitur und dadurch eine Leistungsselektion der Bewerber. Heißt das, dass die Abbrecher in anderen Fächern nicht leistungsstark genug sind und aus Überforderung abbrechen?