Studie zum dualen Studium Mär vom sorgenfreien Studentenleben

Konzerne erhoffen sich durch das duale Studium passgenau akademisch gebildete Mitarbeiter. (Symbolbild)

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Ein duales Studium wird gerne als Königsweg der Ausbildung angepriesen. Doch jetzt zeigt eine Umfrage: Zwei Drittel der Studenten reicht ihr Gehalt nicht zum Leben.

Von Johann Osel

Ausbildung und Studium in einem Aufwasch: Duale Studiengänge werden immer beliebter. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn gab es zuletzt deutschlandweit etwa 60.000 Studenten in dieser Doppelrolle - 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Studiengänge, vor allem in den Wirtschafts- und Technikfächern, gibt es an speziellen Akademien, aber auch an Fachhochschulen oder teils so gar Universitäten. Sie kooperieren jeweils mit Firmen, die Studenten wechseln zwischen Praxisphasen im Unternehmen und Theorie an der Hochschule. Konzerne erhoffen sich dadurch passgenau akademisch gebildete Mitarbeiter - und binden diese früh an sich.

Oft wird als Vorteil des Modells die Vergütung genannt. Leute aus einkommensschwachen Familien könnten ein Studium ohne finanzielle Lasten absolvieren, heißt es. Eine Umfrage unter 600 Dual-Studierenden trübt nun allerdings die Erfolgsmeldungen. Die Untersuchung des Portals "Wegweiser-duales-Studium" ergibt, dass gut zwei Drittel der Befragten kaum oder gar nicht mit ihrem Salär auskommen.

Nur in manchen Firmen gilt der Tarifvertrag der Lehre

Ein sorgenfreies duales Studentenleben führen der Umfrage zufolge nur 22 Prozent. Oftmals müssten etwa zwei Wohnungen (eine am Studien- und eine am Ausbildungsort) bezahlt werden, führen die Macher des Portals auf. Außerdem zeigt die Praxis: Nur in manchen Firmen gibt es den Tarifvertrag der Lehre auch für die Studierenden, darüber hinaus wird das Gehalt mitunter "Stipendium" genannt und ist quasi frei verhandelbar.

Hilfe von den Eltern oder ein zusätzlicher Job neben der Vollzeitstelle werden von den Betroffenen als Ausweg häufig genannt. Kaum dagegen: Bafög. Da die Einkünfte bei einem Antrag auf Ausbildungsförderung einbezogen werden oder auch die Verhältnisse der Eltern, können sich viele Dual-Studierende kaum Hoffnung machen.

Ändern könnte das die geplante Bafög-Reform der neuen Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). "Das Bafög geht heute teilweise an der Lebenswirklichkeit vorbei", sagte sie kürzlich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Die Förderung müsse sich für neue Formen akademischer Bildung öffnen. Dazu gehören duale Modelle. Details will Wanka Mitte April mit den Ländern besprechen. Im Kern gab es auf den Vorstoß positive Resonanz, strittig dürfte aber sein, wer letztlich zusätzliche Kosten übernimmt. Viele Dual-Studierende dürften auf Reformen warten.

"Nur wegen des Gehalts dual zu studieren, ist der falsche Weg"

Die Umfrage soll keineswegs dazu dienen, Interessenten vom dualen Studium abzuhalten, sagt Milan Klesper, Gründer des Portals. Nach wie vor habe ein duales Studium Vorteile; Bewerber sollten sich vorher aber gut informieren: "Nur wegen des Gehalts dual zu studieren, ist der falsche Weg."

Kritik erhob kürzlich auch ein Aufsatz des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Anders als bei der klassischen Lehre sei der Einfluss von Gewerkschaften beim dualen Studium begrenzt. So seien mit Blick auf die Entlohnung der Studenten "je nach lokaler Praxis mehr oder weniger wünschenswerte Studienbedingungen möglich". Das Fehlen fester Vereinbarung könne sich zudem bei den Inhalten bemerkbar machen - und "die Ganzheitlichkeit des Studiums zugunsten betriebsspezifischer Inhalte gefährden".

Das bedeutet: Ein Bachelor-Ingenieur könnte Lücken bei den Grundlagen des Fachs aufweisen - weil er sich im Betrieb eher nur um die Anwendung in speziellen Projekten kümmert.