Studie Mädchen sind an reinen Mädchenschulen besser aufgehoben

  • An den meisten Schulen werden Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet.
  • Zahlen aus Großbritannien legen nun jedoch nahe, dass getrennte Schulen gerade für Mädchen Vorteile in Form besserer Zensuren bringen können.

Schulen nur für Mädchen oder Jungen, das klingt im 21. Jahrhundert entweder altmodisch oder sehr elitär. Gleichgeschlechtliche oder "monoedukative" Schulen könnten in punkto Lernerfolg jedoch ihren Gemeinschafts-Pendants voraus sein, zeigt eine aktuelle Analyse des britschen Bildungsblogs SchoolDash. Gerade Mädchen profitieren demnach davon, wenn sie nur mit anderen Mädchen lernen dürfen.

Timo Hannay, Gründer von SchoolDash, hat Daten des britischen Bildungsministeriums ausgewertet und sich speziell die Leistungen von Schülern an den verschiedenen Schultypen in den GCSE-Examen angesehen. Das britische General Certificate of Secondary Education ist vergleichbar mit dem deutschen Realschulabschluss. Alle Schüler, egal ob sie die Schule verlassen oder weiter auf eine Hochschulzugangsberechtigung hinarbeiten wollen, legen die Prüfungen in bis zu 15 Fächern ab. Die Zensuren reichen von der Bestnote A* bis G.

Bessere Noten an gleichgeschlechtlichen Schulen

An den gleichgeschlechtlichen Schulen schafften 75 Prozent der Schüler in fünf oder mehr GCSE-Examen (inklusive Englisch und Mathematik) eine Note zwischen A* und C. Bei den gemischten Schulen waren es nur 55 Prozent der Schüler. 61 Prozent der Schüler aus sozial benachteiligten Familien erzielten an monoedukativen Schulen gute Noten in mindestens fünf Abschlussprüfungen, bei gemischtgeschlechtlichen Bildungseinrichtungen waren es nur 38 Prozent. Bei Mädchen misst Hannay etwas größere Effekte als bei Jungen.

Je mächtiger das Rollenklischee, desto schlechter die Noten

Selbst der Vorsprung in Mathematik ist weg: Eine Studie zeigt, wie deutlich Mädchen Jungen in der Schule überlegen sind. Das hat nicht nur mit männlichem Desinteresse zu tun. Von Matthias Kohlmaier mehr ... Analyse

"Wenn man sich die Leistungen in den GCSE-Examen ansieht, scheinen gleichgeschlechtliche Schulen im Sekundarbereich speziell für Mädchen Vorteile zu bringen", schreibt Timo Hannay. Auch auf die Leistungen von ärmeren sowie leistungsschwachen Schülern wirkt sich das Lernen an einer gleichgeschlechtlichen Schule nach seinen Analysen positiv aus. "Ironischerweise sind gerade das zwei Gruppen, die gleichgeschlechtliche Schulen eher nicht besuchen."

Für Hannay werfen seine Analysen Fragen auf. Einerseits, warum Mädchen offenbar mehr vom Unterricht mit ihresgleichen profitieren, als das in reinen Jungenklassen der Fall zu sein scheint. Und andererseits, "welche Schlussfolgerungen gemischte Schulen daraus ziehen könnten".

Monoedukation in Deutschland

In Deutschland gibt es laut Verband Bildung und Erziehung (VBE) derzeit 168 monoedukative Schulen, davon sind 163 Mädchen- und fünf Jungenschulen. Die meisten dieser Bildungseinrichtungen befinden sich in katholischer Trägerschaft. Ob die Analysen von Timo Hannay hierzulande großen Anklang fänden, darf bezweifelt werden. Laut einer Allensbach-Umfrage lehnt die Mehrheit der Deutschen Geschlechtertrennung an den Schulen ab.

Und wie so häufig im schulischen Kontext, gibt es natürlich auch Studien, die den Vermutungen Hannays deutlich widersprechen. Gleichgeschlechtliche Schulen seien nur aufgrund diverser Störvariablen vermeintlich erfolgreicher als koedukative Schulen, heißt es dort. So würden etwa häufig ohnehin schon sehr leistungsfähige Schüler die monoedukativen Schulen besuchen.