Schule Unterricht, wie er am besten funktioniert

Frontalunterricht ist laut Pisa nicht so schlecht wie sein Ruf.

(Foto: dpa)

Ein miserabler Pädagoge kann Schülern jedes Fach vermiesen. Aber gibt es ein einfaches Rezept für gelingendes Lernen?

Von Roland Preuß

Was sagen die bisherigen Pisa-Studien zu der Frage, wie man den Unterricht verbessern kann? Der Berliner Erziehungswissenschaftler Hans Anand Pant hat da eine erfreulich klare Antwort parat: "Herzlich wenig." Was nicht daran liegt, dass der Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin nichts von Studien nach Machart von Pisa hielte. Es ist nur so, dass Pisa bisher vor allem die Leistungen von Schülern gemessen hat: Welches Land ist wie gut in Naturwissenschaften, Mathematik oder im Lesen? Wer hat sich verbessert? Und wie sieht es mit Untergruppen, etwa Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen oder Migranten-Kindern aus?

Eine entscheidende Frage für Politiker, Lehrer, Eltern und Experten aber blieb unbeantwortet: Wie muss der Unterricht denn sein, damit die Schüler besser werden? Die neueste Pisa-Studie, die am vergangenen Dienstag vorgestellt wurde, ist angetreten auch darauf ein paar Antworten zu geben.

"Es muss auch mal hart zugehen"

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Aber der Reihe nach: Laut der internationalen Untersuchung der OECD konnte sich Deutschland in allen drei getesteten Disziplinen im oberen Mittelfeld der 72 teilnehmenden Staaten und Regionen halten, beim Lesen haben sich Deutschlands Schüler noch etwas gesteigert, in den naturwissenschaftlichen Fächern und in Mathematik aber stagnieren ihre Leistungen. Warum? Das kann viele Ursachen haben. Aber die Bildungsforscher des Pisa-Konsortiums liefern einige Hinweise: "Was im Klassenzimmer passiert, ist für das Lernen der Schüler von entscheidender Bedeutung", heißt es da. Und es sei zentral, "wie die Lehrkräfte" unterrichten.

Das deckt sich mit den Erkenntnissen der sogenannten Hattie-Studie, die immer noch die Debatte zum Thema prägt. Der Bildungsforscher John Hattie aus Neuseeland hatte 800 Metaanalysen von 50 000 Studien ausgewertet, um der Frage nach dem Lernerfolg nachzugehen. Seine Antwort lautet, grob zusammengefasst: Auf den Lehrer kommt es an. Oder genauer: auf den Unterricht. Das werden viele Schüler bestätigen, schließlich kann einem ein miserabler Pädagoge auch das schönste Fach vermiesen.

"Das ist schon richtig, aber auch furchtbar trivial", sagt der Bildungsforscher Klaus Klemm von der Universität Duisburg-Essen. Natürlich hat Hattie mehr dazu gesagt: Segensreich fürs Lernen sind demnach Respekt für den Schüler, ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis, ein echtes Verstehen statt Pauken von Wissen und eine Einschätzung der Lehrer durch Schüler. Wie groß eine Klasse ist, hat laut Hattie dagegen keinen Einfluss.