Masterplan fürs Medizinstudium Operation Zukunft

Darübergebeugt: Gesundheits- und Bildungsministerium beraten seit dem Frühjahr, wie die Universitäten die Allgemeinmedizin stärken können.

(Foto: Elleringmann/laif)
  • Betrachtet man die Zahl der Bewerber pro Studienplatz, ist Medizin eines der beliebtesten Studienfächer.
  • Seit Jahren jedoch regt sich bereits Kritik daran, wie Hochschulen die Ärzte von morgen auswählen und ausbilden.
  • Um dem Mangel an Hausärzten entgegen zu treten, erarbeitet die Bundesregierung derzeit den "Masterplan Medizinstudium 2020".
Von Kim Björn Becker

Kurz vor 13 Uhr ist es still geworden auf den Fluren, das Durcheinander der Stimmen ist nur noch gedämpft zu hören. Vor wenigen Wochen erst hat das Wintersemester begonnen, für die Erstsemester steht der Präparierkurs auf dem Stundenplan. Ihre Rucksäcke haben sie in den unzähligen Spinden verstaut, die weißen Kittel übergestreift. So machen sich die Medizinstudenten in der Anatomischen Anstalt der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ans Werk: Hinter den schweren Türen arbeiten sie sich mit Skalpell und Schere durch Hautoberfläche, Muskelfasern und Organe der konservierten Körper.

Medizin gilt nach wie vor als eines der beliebtesten Studienfächer, gemessen an der Zahl der Bewerber pro Studienplatz. Für das aktuelle Semester haben sich 43 000 Schulabgänger beworben, zusammen konnten die 35 Universitäten, an denen man in Deutschland das Fach Humanmedizin studieren kann, aber nur knapp 9100 Plätze vergeben - das macht ein Verhältnis von etwa fünf zu eins. Doch obwohl die medizinische Versorgung in Deutschland im internationalen Vergleich sehr gut abschneidet, regt sich Kritik daran, wie die Hochschulen die Ärzte von morgen auswählen und ausbilden. Viele in der Politik schreiben den gefürchteten Ärztemangel auf dem Land zum Teil auch den Universitäten zu - denn von den Studenten, die es bis zur Approbation schaffen, entscheiden sich im Mittel nur etwa zehn Prozent dafür, als Hausarzt zu arbeiten.

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Um das zu ändern, erarbeitet die Bundesregierung derzeit den "Masterplan Medizinstudium 2020". Vertreter des Gesundheits- und des Bildungsministeriums beraten seit dem Frühjahr zusammen mit Verbänden und Gewerkschaften, wie die Universitäten die Allgemeinmedizin stärken können. Erste Ergebnisse sollen im kommenden Jahr vorliegen.

"Studenten nicht schon früh in ihren Möglichkeiten einschränken"

An Reformvorschlägen mangelt es derzeit nicht. In der Unionsfraktion im Bundestag kann man sich zum Beispiel vorstellen, einen Teil der Studienplätze für Bewerber vorzuhalten, die sich für eine spätere Tätigkeit als Landarzt verpflichten - zumindest "für eine bestimmte Zeit", wie die Hochschulpolitikerin Katrin Albsteiger (CSU) sagt. Medizinstudenten halten davon jedoch herzlich wenig. "Das Auswahlverfahren bei der Zulassung soll den späteren Erfolg im Studium sicherstellen und die Studenten nicht schon früh in ihren Möglichkeiten einschränken", sagt Raffael Konietzko, der bei der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland für Ausbildungsfragen zuständig ist.

Ohnehin wird die Frage, mit welchem Verfahren die geeignetsten Bewerber für das Medizinstudium ausgewählt werden können, kontrovers diskutiert. Wer sich auf einen Studienplatz in Humanmedizin bewirbt, muss ein recht kompliziertes Verfahren bei der Stiftung für Hochschulzulassung, der Nachfolgerin der früheren Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS), durchlaufen: Derzeit werden 20 Prozent aller Studienplätze allein nach der Abiturnote vergeben, weitere 20 Prozent nach der Wartezeit und 60 Prozent der Plätze können die Hochschulen nach eigenen Kriterien vergeben - wobei auch dort die Abiturnote neben der Ortspräferenz von besonderer Bedeutung ist.

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Studienbewerber müssen daher nicht selten taktieren - wer sich zum Beispiel nur an besonders beliebten Universitäten um einen Platz bewirbt, "kann trotz eines Superabiturs Pech haben", gibt die Stiftung für Hochschulzulassung künftigen Bewerbern zu bedenken. Die hohe Bedeutung der Abiturnote wird schon lange kritisch gesehen. "Allein die Tatsache, dass jemand ein 1,0-Abitur hat, sagt an sich natürlich noch nichts darüber aus, ob er oder sie später ein guter Arzt wird", ist Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, überzeugt.

Offen ist, welche Kriterien statt der Abiturnote aussagekräftig sein könnten - an viele Universitäten gibt es sogenannte Studierfähigkeitstests, die jedoch meist unterschiedlich ausgestaltet sind. "Es ist schwer zu messen, was einen guten Arzt ausmacht", sagt Raffael Konietzko von der BVMD. Dies gelte vor allem vor Aufnahme des Studiums - schließlich entwickelten sich erfolgreiche Studenten vom ersten Semester bis zur Approbation stetig weiter. Der Verband ist daher dafür, die aktuellen Quoten für Abiturnote und Wartezeit abzuschaffen und stattdessen ein einheitliches Verfahren bei der Zulassung zu erarbeiten. Das sei "fairer und transparenter" als das gegenwärtige, so Konietzko.