Internationale Bildungsstudien Deutsche Grundschüler lassen nach

Trotz intensiver Förderung fallen Viertklässler im internationalen Vergleich zurück. Beim Lesen und Rechnen liegen sie über dem Durchschnitt, aber andere Nationen ziehen vorbei.

Von Roland Preuß

Deutschlands Grundschüler erzielen im internationalen Vergleich zwar überdurchschnittliche Leitungen, sind aber beim Lesen zurückgefallen. Dies ist das Ergebnis der internationalen Schulstudien Timss und Iglu, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden.

Demnach zählen die deutschen Viertklässler in den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nach wie vor zum obersten Drittel. Allerdings stiegen sie im Vergleich zu den vorhergehenden Untersuchungen von 2006 und 2007 beim Lesen von Platz 9 auf Platz 17 ab. In Mathematik und den naturwissenschaftlichen Aufgaben fielen die Grundschüler vom jeweils 12. Platz auf Rang 16 (Mathematik) und Rang 17 (Naturwissenschaften).

In den beiden Fachgebieten, die von der Timss-Studie untersucht wurden, hatte sich gut ein Drittel mehr Staaten beteiligt, insgesamt 50, unter ihnen erstmals das für gute Schulleistungen bekannte Finnland. An der Lesestudie Iglu nahmen unverändert 45 Länder teil. Der wissenschaftliche Leiter der Studien in Deutschland, der Dortmunder Professor Wilfried Bos, sagte: "Wir haben unsere hohe Position halten können."

Beim Lesen sind deutsche Grundschüler jedoch spürbar schwächer geworden. Jeder siebte Schüler verstand die Texte so schlecht, dass ihnen Bos ein "nicht ausreichendes Leistungsniveau" bescheinigt. Diese müssten in der weiterführenden Schule mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen. Dies ist angesichts der vielen Förderprogramme, die in den vergangenen zehn Jahren aufgelegt wurden, bemerkenswert.

Die Bundesländer hatten Sprachtests und Deutschkurse bereits vor der Einschulung eingeführt sowie weitere Fördermöglichkeiten für Kinder mit Sprachdefiziten, beispielsweise durch kleinere Klassen oder zusätzliche Stunden. Zudem gibt es mehr Ganztags-Grundschulen. Der Anteil der Kinder mit unzureichenden Leseleistungen ist jedoch nur leicht zurückgegangen, der Anteil der Schüler mit Spitzenleistungen nur leicht gestiegen. "Das veranlasst einen zur Sorge. Wir vergeuden unsere Talente", sagte Bos.

In Mathematik und den Naturwissenschaften haben die deutschen Viertklässler ihr Niveau zwar insgesamt halten können. Eine Reihe von Staaten konnte sich aber deutlich verbessern. Die Tschechische Republik hat Deutschland in den Naturwissenschaften überholt, Dänemark in Mathematik. Die Spitzenplätze holten Hongkong (Lesen), Singapur (Mathematik) und Südkorea (Naturwissenschaften).

Deutliche Fortschritte diagnostizierten die Forscher bei den Leistungen von Migrantenkindern, allerdings schneiden diese nach wie vor deutlich schlechter ab als Sprösslinge aus heimischen Familien. Der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Chance, für das Gymnasium empfohlen zu werden, besteht in Deutschland fort, mehr als in fast allen anderen Ländern. "Ein Kind von einem Professor oder einem Chefarzt hat eine 4,7-fache Chance zur Gymnasialempfehlung im Vergleich zu einem Facharbeiter", sagte Bos.

Der KMK-Vorsitzende und Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD) wertete das deutsche Ergebnis dennoch als Erfolg. Man habe das Niveau unter schwierigeren Rahmenbedingungen gehalten, sagte er. Heute hätten 27 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund - fast ein Viertel mehr als noch 2001.