Hunde als Lernhilfe "Wer regelmäßig zum Lesehund geht, liest besser"

"In Deutschland sind Lesehunde noch unbekannt", sagt Initiatorin Kimberly Grobholz, "aber den Kindern hilft's." Sie gründete ihr Projekt 2008 in München, mittlerweile gibt es Ableger unter anderem in Mainz, Augsburg, Weiden in der Oberpfalz und Bremen. Grobholz sitzt neben den Schülern, manchmal hilft sie auch beim Lesen. "Aber nicht zu viel, das ist die Abmachung", sagt sie.

Die Kinder kommen zu Tammy, weil ihr Lehrer sie schickt. "Wer regelmäßig zum Lesehund geht, liest auch im Unterricht besser", sagt etwa die Deutschlehrerin Margreth Außerlechner. Schüler mit Leseschwäche tauchten im Unterricht häufig ab. Wenn einer beim Lesen ins Stocken gerate, lachten die anderen, dies dürfte die Unsicherheit in der Regel noch verstärken. Bei Tammy in der Bibliothek dagegen fühlten sich die Kinder sicherer. "Auch die Unterrichtsbeteiligung der Schüler steigt", sagt die Lehrerin und tätschelt dem Golden Retriever den Rücken.

Grobholz würde Lesestunden mit Hunden gerne in ganz Deutschland etablieren. Bevor sie mit Tammy in Schulen ging, besuchte sie Altersheime - ehrenamtlich; auch die Schüler müssen nichts zahlen. Überall habe sie beobachtet, wie positiv Menschen auf ihn reagierten. Dafür brauche das Tier keine Ausbildung. "Nur stressresistent muss der Hund sein, kinderlieb und friedlich."

Beim Lesen ist Tammy angeleint. Vor und nach jedem Kind gibt es für ihn einen Hunde-Keks. Doch bis der Gong zum Ende der Schulstunde ertönt, wird der Golden Retriever liegen bleiben, kein einziges Mal bellen - so wie immer. Nur zuhören. Oder zumindest so tun, als ob er lauscht.