Homosexualität als Thema im Unterricht Zehntausende unterstützen Petition gegen die Petition

Das Vorhaben der Landesregierung in Baden-Württemberg, Homosexualität stärker im Unterricht zu thematisieren, sorgt weiter für Wirbel. Mehr als 100.000 Menschen unterstützen bereits eine Petition gegen den neuen Bildungsplan. Aber auch die Befürworter finden im Internet nun Zulauf.

Die Pläne der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg, das Thema Homosexualität stärker im Unterricht zu verankern, sorgen weiter für heftige Diskussionen. Im Internet machen Gegner und Befürworter mobil. Die Petition mit dem Titel "Zukunft - Verantwortung - Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" hatte bis zum Sonntagnachmittag bereits 105.000 Unterschriften. Seit Ende November sammelt der baden-württembergische Realschullehrer Gabriel Stängle Stimmen gegen das Vorhaben von Grün-Rot.

Inzwischen gibt es aber auch eine Gegenpetition, die das Anliegen der Landesregierung befürwortet. Seit 7. Januar ist sie online und hat in den ersten Tagen schon fast 47.000 Unterstützer gesammelt. "Bei Schüler_innen ein Bewusstsein zu schaffen, wonach Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle (LSBTTI) nichts "abnormales" mehr sind, halte ich für wichtig und richtig", schreibt Initiator Bastian Burger in seinem Aufruf.

Auch in der Politik sorgt das Thema weiter für Streit. Die SPD stellte sich in einer am Samstag verabschiedeten Resolution hinter die geplante Reform der Bildungspläne. Landesparteichef Nils Schmid sagte, das Vermeiden von Diskriminierung jeder Art müsse Teil der Bildungspläne sein. Die Sozialdemokraten verurteilten die Petition von Stängle. Sie zeichne Zerrbilder und versuche, Ängste zu schüren.

Auch der Schülerbeirat des Landes unterstützte den Bildungsplan und warnte vor Panikmache. "Die sexuelle Vielfalt ist doch ein Teil unserer Gesellschaft, warum sollte sie nicht im Unterricht vorkommen", sagte der Vorsitzende Christian Stärk dem Spiegel.

In einem internen Papier des Kultusressorts sind als Leitlinien für den Bildungsplan 2015 unter anderem berufliche Orientierung, nachhaltige Entwicklung und Medienbildung vorgesehen - all das soll auch unter dem Aspekt sexueller Toleranz gesehen werden. Der Philologenverband, der vor allem Gymnasiallehrer vertritt, äußerte sich dazu kritisch. Toleranz könne auch anhand von Kriterien wie Religion, Herkunft oder Hautfarbe durchgespielt werden, sagte der Chef des Landes-Philologenverbandes, Bernd Saur. Man solle sich nicht nur auf Sexualität beschränken.