Entscheidung für den richtigen Studiengang Was soll ich studieren?

Medizin oder Medien? BWL oder Bio? Die Entscheidung für ein Studienfach ist für viele Abiturienten die schwierigste, die sie bisher in ihrem Leben treffen mussten. Dieser Leitfaden hilft bei der Studienwahl.

Von Sabrina Ebitsch

Die Studienwahl hat Auswirkungen nicht nur auf die nächsten Jahre, sondern auf das ganze Leben. Dass so viel von ihr abhängt, kann verunsichern und macht sie wahrscheinlich zur schwierigsten Entscheidung, die Abiturienten bisher in ihrem Leben treffen mussten. Soll ich Arzt werden, obwohl die Abinote nicht die beste ist? Soll ich Anglistik studieren, weil Englisch mein bestes Fach war? Oder doch lieber Ingenieurwissenschaft, weil die Jobchancen besser sind?

Bei der Studienwahl gibt es viel zu berücksichtigen. Folgende Schritte können bei der Entscheidungsfindung helfen:

1. Über die eigenen Interessen klar werden

Am Anfang - mindestens ein Jahr vor dem Schulabschluss, am besten noch vor Eintritt in die Kollegstufe - sollte die Überlegung stehen, wo die eigenen Interessen liegen. Gerade, weil man sich mehrere Jahre mit dem Studienfach und später im Beruf mit verwandten Inhalten beschäftigen wird, sollte es einem Spaß machen. Auch wenn Jobchancen und Verdienstmöglichkeiten wichtige Faktoren sind, sollte die Wahl des Studienfachs keine reine Vernunftentscheidung sein. Sonst besteht die Gefahr, dass man sich nicht nur jahrelang durch die Uni quält, sondern später auch am Arbeitsplatz. Und richtig gut sind die meisten Menschen ohnehin in den Bereichen, die sie wirklich interessieren.

Um herauszufinden, welche das sind, können Schüler sich an den Schulfächern orientieren. Einige finden sich an der Hochschule wieder oder sind mit Studienfächern verwandt. Wessen Lieblingsfach Bio war, dem macht vielleicht auch ein Biologiestudium Spaß - daneben gibt es spezialisiertere Studiengänge wie Molekularbiologie oder Life Sciences, die in eine ähnliche Richtung führen. Allerdings ist die Universität keine Fortsetzung der Schule: Anglistik ist nicht Englisch auf höherem Niveau, statt Vokabeln zu pauken, setzen sich die Studenten wissenschaftlich mit der Sprache und dem angloamerikanischen Kulturraum auseinander.

Um sich über ihre Interessen klar zu werden, sollten sich Abiturienten aber nicht nur auf die Schule konzentrieren, sondern auch ihre Hobbys und Freizeitgestaltung berücksichtigen. Wer bis spät in die Nacht vor dem DVD-Player mit den Klassikern der Filmgeschichte sitzt, für den ist vielleicht Medien- oder Filmwissenschaft eine Möglichkeit. Wer zu Hause vom Fahrrad bis zum Toaster alles selbst repariert, sollte sich vielleicht bei den ingenieurwissenschaftlichen Fächern umschauen.

2. Eignung und Fähigkeiten prüfen

Die zweite wichtige Frage, die sich Abiturienten bei der Entscheidung für ein Studienfach stellen sollten, ist die nach den eigenen Fähigkeiten und Talenten. Selbst wenn man in Deutsch und Geschichte immer gute Noten hatte und Lehrer ein vergleichsweise sicherer Job ist: Wer nichts mit Kindern anfangen kann oder ungern vor größeren Gruppen spricht, für den wird ein Lehramtsstudium nicht die richtige Wahl sein.

Neben der Neigung ist auch die Eignung für ein Studienfach entscheidend. "Nur ein tiefes Interesse bringt einen durch Studium und Berufsleben, aber im zweiten Schritt müssen sich Abiturienten auch fragen: Bringe ich die Begabung mit?", sagt die Autorin und Studienberaterin Angela Verse-Herrmann. Interesse gehe nicht automatisch mit Talent einher. "Wer gerne mit Tieren arbeitet, möchte vielleicht Tierarzt werden, braucht aber dafür auch eine naturwissenschaftliche Begabung."

Auch hier können die Schulfächer Anhaltspunkte liefern. Wer gute Noten in Mathe hat, ist vermutlich begabt im Umgang mit Zahlen und im logischem Denken und deswegen möglicherweise für ein mathematisches, technisches oder naturwissenschaftliches Studienfach geeignet. Die Noten sind aber nicht nur Indiz für die Eignung für ein Studienfach, sondern entscheiden oft genug auch darüber, ob man das jeweilige Fach überhaupt studieren darf. Wer sich für ein bestimmtes Fach interessiert, muss vorab prüfen, wie die Zugangsvoraussetzungen sind und wo beispielsweise der Numerus Clausus liegt.

Aber auch das, womit man außerhalb der Schule seine Zeit verbringt, gibt Aufschluss. Manchmal sind Talente offensichtlich: Wer schon seit der Kindheit gerne und gut zeichnet, denkt vielleicht über die Bewerbung an einer Kunsthochschule nach. Aber teilweise müssen Abiturienten auch etwas mehr in sich gehen, um sich über die eigenen Fähigkeiten klar zu werden. Wer sich mit seinen Eltern beim Abendessen regelmäßig Diskussionen über das Weltgeschehen liefert, ist vielleicht geschickt im Argumentieren und gut im analytischen Denken und deswegen in einem sozialwissenschaftlichen Studiengang gut aufgehoben.

Hilfreich kann es daher auch sein, anderen die Fragen nach den eigenen Interessen und Talenten zu stellen. Vielen ist selbst gar nicht bewusst, wo die eigenen Stärken liegen. Eltern oder gute Freunde erkennen eher, dass man beispielsweise eine gute Menschenkenntnis hat, einfühlsam ist und deswegen vielleicht für ein pädagogisches, psychologisches oder soziales Studienfach geeignet.