Digitalisierung in der Schule "Plan B, analog"

Am Tablet lernten Schüler mehr als im Frontalunterricht, sagt Steppich - zum Beispiel, weil sie schnell eine Vokabel nachschlagen könnten.

(Foto: dpa)

Tablets und Whiteboards im Unterricht - das klingt innovativ. Doch wie sieht es im Alltag wirklich aus? Ein Pädagoge klagt über fehlende Techniker, leere Akkus und ahnungslose Nutzer.

Interview von Susanne Klein

Herr Steppich, stimmt es, dass Deutschland bei der Digitalisierung der Schulen ein Entwicklungsland ist?

Absolut. 1999 und 2001 habe ich meine Schüler zum Austausch nach England und in die USA begleitet. Die IT-Situation an den Schulen dort war besser als sie es heute an meiner eigenen Schule ist.

Was hatten die, was Sie nicht haben?

Einen hauptamtlichen Systemadministrator und einen hauptamtlichen Techniker. Die Lehrer mussten das nicht noch nebenher machen. Sie haben mit den digitalen Mitteln ausschließlich pädagogisch gearbeitet.

Hat Wanka den Schulen zu viel Geld versprochen?

Erst stellt die Ministerin fünf Milliarden für die Digitalisierung der Schulen in Aussicht, dann schweigt sie. Jetzt gibt es Zweifel, was vom Digitalpakt übrig bleibt. Von Paul Munzinger mehr ...

An Technik mangelt es nicht?

Von der Ausstattung her steht meine Schule ganz gut da. Aber wir brauchen denselben professionellen Support, der auch in Firmen und Behörden Standard ist: Ideal wäre eine Vollzeitkraft auf 100 Geräte.

Und an Ihrer Schule bügelt ein Lehrer die Personallücke aus?

Ja, aber der Kollege, der bei uns die IT für 130 Geräte macht, geht bald in Pension. Ich bin gespannt, wer ihn ablöst.

Sie nicht?

Auf keinen Fall. Lehrer sind Lehrer und keine Techniker. In Ihrer Zeitung macht hoffentlich auch kein Redakteur nebenher den Admin.

Setzen Sie Hoffnung auf den Digitalpakt der Bundesbildungsministerin?

Die fünf Milliarden von Frau Wanka wären eine Chance. Wenn die aber nur in Hardware investiert werden statt in Support, dann haben wir ein Milliardengrab.

Der Bund will in schnelles WLAN und stationäre Hardware investieren. Für mobile Endgeräte, Support und didaktische Konzepte sollen die Schulträger sorgen, also die Städte und Gemeinden.

Und wenn die in Geldnot sind oder sagen, wir haben uns diese IT-Ausstattung nicht ausgesucht, warum sollen wir jetzt teuren Support dafür zahlen, dann wird es schwierig.

Das heißt, die Schere zwischen Reich und Arm könnte bewirken, dass Schüler unterschiedlich gut auf die digitale Welt vorbereitet werden?

Nicht jede Schule hat wie meine dank wohlhabender Eltern einen Förderverein, der aus Spenden 25 000 Euro für Tablets zuschießen kann, die weit weniger wartungsintensiv als Computerräume sind.