Digitale Bildung Mein Lehrer, der Bildschirm

Die Digitalisierung soll das Lernen einfacher machen.

(Foto: Stefan Dimitrov / Süddeutsche Z; Illustration: Stefan Dimitrov)

Lernen am Laptop, Tablet-Computer oder Smartphone - zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das klingt gut, erfordert aber große Disziplin und Ausdauer. Auf einem Gebiet versagt der Online-Unterricht kläglich.

Von Christine Demmer

An einem trüben Herbstabend in Fulda kann man sich etwas Gutes tun. Das mögen die acht Menschen verschiedenen Alters gedacht haben, die sich im Vortragsraum E08 der Volkshochschule eingefunden haben. Vorne erklärt der Dozent mit Powerpoint-Folien, wie man dank der richtigen Körperhaltung Schmerzen in Füßen und Beinen bekämpfen kann. Hinten im Raum überträgt eine Kamera den Vortrag ins Internet. Irgendwo haben sich zehn weitere Interessierte eingeloggt und lernen mit. Eine junge Frau schaut sogar aus Amerika zu. Sie hat es ihrer Mutter, die unten im Saal sitzt, fest versprochen.

Auch die Volkshochschulen (VHS) gehen mit dem Trend, und der heißt: selbstbestimmtes Lernen am Laptop, Tablet-Computer oder Smartphone - wann, wo, wie oft und wie lange man will. "Erweiterte Lernwelten" heißt das Konzept, nach dem der Deutsche Volkshochschulverband das traditionelle Lernen im Klassenraum mit E-Learning-Elementen kombiniert.

Wer beispielsweise nach dem Gesundheitsvortrag mehr über den Bewegungsapparat lernen will, muss einen klassischen Vorne-Lehrer-hinten-Schüler-Kurs buchen. "Reines Online-Lernen ist ein Spartenbereich für ganz kleine Zielgruppen", erklärt Stefan Will, der sowohl für die Volkshochschule Fulda als auch für den Bundesverband tätig ist. "Dafür müssen die Lernenden hochgradig motiviert und selbst organisiert sein sowie anschlussfähiges Vorwissen haben."

"Non-formales Lernen" nimmt zu

Bei den meisten der knapp zehn Millionen Volkshochschülern dürfte das kaum der Fall sein, deshalb wird der Präsenzunterricht nicht abgeschafft. Trotzdem: "Digitale Werkzeuge können den Unterricht von Zeit und Raum abkoppeln", sagt Will. Praktisch sieht das so aus: Wer den Unterricht verpasst, kann auf der VHS-Lernplattform nachschauen, welcher Stoff durchgenommen wurde. Er kann am heimischen Computer Übungsaufgaben lösen. Und sich per Chat vom Dozenten oder Mitschülern nachträglich die Zusammenhänge erklären lassen.

Neben dem Büffeln für ein Zeugnis oder ein Zertifikat nimmt das "non-formale Lernen" immer mehr zu. Es richtet sich nicht auf einen Schul- oder Berufsabschluss, sondern umfasst betriebliche Weiterbildung ebenso wie jedes von privaten Interessen geleitete Studium. Ob Spanisch für den Urlaub, Bridge für Fortgeschrittene, die Handhabung eines Cellos oder das fachgerechte Zerlegen eines Automotors - alles kann man am PC lernen. Über eingebundene Videos werden alle möglichen Spiel- und Sportarten erklärt und vorgemacht. Vom Anfänger- bis zum Hochschulniveau findet sich für fast jedes Fachgebiet ein Lernangebot im Internet - oft sogar kostenlos.