Bologna-Prozess Baustelle Bachelor

Weniger Semester, problemlos studieren im Ausland - eigentlich sollte die Bologna-Reform das Studentenleben in Europa erleichtern. Doch nicht alle Erwartungen wurden in der Praxis erfüllt.

Fragen und Antworten zum Bologna-Prozess von Johann Osel

Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik werden die Zukunft Europas entscheiden. Was treibt Spaniens protestierende Jugend an? Wie können Bildungssysteme voneinander lernen? Was wird aus dem Bologna-Prozess? Die Süddeutsche Zeitung widmet diesen Fragen ein Dossier, das in Zusammenarbeit mit El País, The Guardian, Gazeta Wyborcza, La Stampa und Le Monde entstanden ist. Das Dossier finden Sie auf dieser Seite.

Eigentlich sollte die Bologna-Reform das Studentenleben erleichtern: Wegen der neuen Abschlüsse Bachelor und Master könnten Studenten problemlos zwischen den Universitäten Europas wechseln, versprachen die Reformer. Zudem würden sie schneller einen Abschluss in Händen halten. Doch diese Erwartungen wurden in der Praxis nicht immer erfüllt.

Was ist der Bologna-Prozess?

Die Reform verfolgt zwei Hauptziele: einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum durch vergleichbare Abschlüsse sowie die Orientierung des Studiums an der Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen und damit den früheren Berufseinstieg. Der Bologna-Prozess - 1999 von knapp 30 europäischen Bildungsministern in der italienischen Stadt initiiert und inzwischen von 47 Staaten getragen - sollte bis 2010 den einheitlichen Hochschulraum schaffen. In Deutschland ist die Reform offiziell umgesetzt: Derzeit enden 85 Prozent der gut 15 000 Studiengänge mit den neuen Abschlüssen. Systematisch wurden in den vergangenen Jahren die alten Abschlüsse Magister und Diplom durch den in der Regel sechs Semester dauernden Bachelor ersetzt. An diesen ersten Abschluss, der bereits berufsqualifizierend sein soll, kann ein Masterstudium (meist vier Semester) angehängt werden.

Wie verläuft ein Bachelor-Studium?

Die Bologna-Staaten haben das "European Credit Transfer and Accumulation System" (ECTS) eingeführt, um Leistungen effektiver zu messen und international vergleichbar zu machen. Wurde früher nur die Zeit eines Seminars (Semesterwochenstunden) erfasst, wird mit der neuen Punkte-Währung auch der Aufwand für die Vor- und Nachbereitung gemessen (Workload). Ein Student belegt Module und sammelt zum Beispiel in sechs Semestern so viele ECTS-Punkte wie für den Bachelor nötig. Die einzelnen Module werden benotet und fließen in die Abschlussnote ein. Inhaltlich ist der Bachelor eine bewusste Verknappung eines Fachs - ein Master soll der Spezialisierung dienen.