Bildungsstudie Einsatz und Fleiß statt Leistung belohnen

Auch die Wirkung des ersten Eindrucks sollten sich Lehrer und Schüler bewusst machen und eingefahrene Überzeugungen revidieren. In Übungen können Lehrer Rollen mit den Kindern tauschen und so negative Eindrücke oder den Halo-Effekt, also beispielsweise positive Erwartungen an ihre "Lieblingsschüler", überprüfen.

Statt wie bisher vor allem Leistung müssten Pädagogen Einsatz und Fleiß belohnen. Die britischen Forscher schlagen dafür eine Veränderung des Notensystems vor. Lehrer sollen mit "noch nicht", statt mit "durchgefallen" bewerten, um weniger absolut zu wirken und das Gefühl zu vermitteln, mit Willen und Einsatz sei die Versetzung noch zu schaffen.

Dass eine angenehme Atmosphäre sich auf das Wohlbefinden und damit auf die Lernqualität auswirkt, leuchtet ein. Die Studie erklärt dies nun mit der Verhaltensforschung: Pflanzen und begrünte Schulhöfe mildern demnach Müdigkeit und Aggression, hübsche Klassenzimmer verhindern allzu kurzfristiges Denken und impulsives Handeln.

Verhaltensforschung als Randaspekt im Lehramtsstudium

Außerdem haben Verhaltensforscher herausgefunden, dass Menschen energischer um den Erhalt ihres Besitzes kämpfen als für ein fernes Ziel. Diese Verlust-Aversion könnten sich Pädagogen der Studie zufolge zu Nutze machen, um Schüler zu motivieren. Statt die Kinder nach Leistung zu benoten, bekommen alle Schüler von vornherein eine gute Note oder eine gewissen Anzahl von Punkten, die sie dann verteidigen müssen.

Ob das im Unterrichtsalltag umsetzbar ist, muss sich zeigen. Doch das Anliegen der Studie ist nicht unbedingt ein Anspruch auf Alltagstauglichkeit, der Vodafone Stiftung gehe es stattdessen um einen "provokativen Impuls": Pädagogen sollen für kognitive Ansätze und Verhaltensforschung im Unterricht sensibilisiert werden. Im Lehramtsstudium ist das bisher eher ein Randaspekt.

Weitere Informationen und Praxistipps im Diskussionsforum zur Studie finden Lehrer unter www.lehrerdialog.net.