Unstimmigkeiten bei Leber-Transplantationen Weitere Verdachtsfälle am Uniklinikum Regensburg

Interne Untersuchungen bestätigen: Am Universitätsklinikum hat es offenbar mehr Unstimmigkeiten bei Leber-Transplantationen gegeben als bislang bekannt. Unterdessen will Bayerns Wissenschaftsminister Heubisch vorsätzliche Manipulationen bei Transplantationen künftig härter bestrafen.

Von Christina Berndt

Am Universitätsklinikum Regensburg sind weitere Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen entdeckt worden. Eine interne Untersuchung habe nun bei insgesamt 43 Patienten der Jahre 2003 bis 2006 Unstimmigkeiten festgestellt, sagte eine Sprecherin der Süddeutschen Zeitung. Bislang war von 23 Fällen die Rede gewesen.

Es handele sich aber um ein Zwischenergebnis, betonte die Sprecherin. Die Zahl der Fälle könne bei weiterer Prüfung noch wachsen, aber durchaus auch schrumpfen, falls sich manche Unstimmigkeiten etwa als Versehen erwiesen: "Ein endgültiger Sachstand kann erst nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kommuniziert werden."

Der vorläufige Prüfbericht mit den 43 Fällen sei inzwischen dem Wissenschaftsministerium als zuständiger Aufsichtsbehörde und der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Bis zum 15. Oktober werde das Uniklinikum Regensburg ebenso wie alle anderen bayrischen Transplantationszentren den Abschlussbericht der internen Überprüfung dem bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) vorlegen.

Auch die Jahre 2007 bis 2012 müssten in Regensburg nun intensiver beleuchtet werden, hieß es aus dem Ministerium. An der Donau wurde zunächst die Periode von 2003 bis 2006 geprüft, weil zu dieser Zeit jener Oberarzt in Regensburg tätig war, der sich später am Uniklinikum Göttingen der Organschieberei verdächtig machte.

Vorsätzliche Manipulationen bei Transplantationen sollen nach Heubischs Willen härter bestraft werden. Bislang könnten sie nur als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. "Mir erscheint das unzureichend", sagte Heubisch. Manipulationen bei der Listung von Patienten für die Transplantation seien "kriminelles Unrecht", wenn sie mit Vorsatz geschehen. Daher müsse über eine Gesetzesänderung nachgedacht werden.

Dem Transplantationsgesetz zufolge werden Verstöße gegen die Richtlinien bei der Organvergabe derzeit als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 30.000 Euro bestraft. Nur wenn Organhandel nachgewiesen wird, droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Nicht nur an den Uniklinika in Regensburg und Göttingen, auch am Münchner Klinikum rechts der Isar sollen Ärzte Diagnosedaten gefälscht haben, um Patienten zu einer Spenderleber zu verhelfen. Andere Patienten haben dadurch womöglich nicht mehr rechtzeitig ein Organ erhalten.

Die Überwachungskommissionen bei der Bundesärztekammer haben daher im September begonnen, alle Lebertransplantationsprogramme zu überprüfen. Heubisch hat darüber hinaus eine externe Kommission bestellt, die die bayerischen Zentren durchleuchtet.