Tod nach Polizeiaktion Vier Kugeln zu viel für Tennessee Eisenberg

Der Regensburger Student Tennessee Eisenberg starb Ende April im Kugelhagel. Ein neues Gutachten, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, belastet einen Schützen.

16 Mal feuerten die Polizeibeamten, und ihre Zielperson wurde ein Dutzend Mal im Treppenhaus eines Regensburger Wohnhauses getroffen. Am Ende war Tennessee Eisenberg tot, mit 24 Jahren gestorben im Kugelhagel bayerischer Ordnungshüter. Der Student hatte an jenem Morgen in seiner WG einen Mitbewohner bedroht.

Nach dem Todesfall Ende April zogen sich die Ermittlungen hin. Jetzt legen die Angehörigen des Getöteten ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten vor. Es werde wohl "einige interessante Abweichungen zu den bisher vorliegenden Ermittlungsergebnissen geben", hatte der Anwalt der Familie, Helmut von Kietzell, angekündigt. Und er behielt recht.

Fünf Monate nach den tödlichen Polizeischüssen werden die Polizisten durch ein neues Gutachten belastet. Danach wurde der Regensburger Student aus nächster Nähe und offenbar ohne Vorliegen einer akuten Notwehr- oder Nothilfesituation erschossen. Das geht aus dem rechtsmedizinischen Gutachten der Universität Münster hervor. Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, gehen die Münsteraner Gerichtsmediziner davon aus, dass Eisenberg die tödlichen Treffer erlitt, als die Polizeibeamten nicht mehr in akuter Gefahr waren.

Der Student hatte im April einen Mitbewohner mit einem Messer bedroht und war daraufhin von zwölf Kugeln der Polizei getroffen worden. Das Gutachten liegt nun der Staatsanwaltschaft Regensburg vor. Danach war der 24-jährige Eisenberg bereits von acht Kugeln getroffen worden - unter anderem im Knie, im Oberarm und in der Lunge - als ein Polizist vom Eingangsbereich des Hauses aus noch vier Mal schoss. Dabei erlitt Eisenberg unter anderem einen Herz-Treffer.

"Ich kann nicht erkennen, wo am Ende des Geschehens, als die tödlichen Schüsse fielen, eine Nothilfe- oder Notwehrsituation vorgelegen haben soll", sagte einer der Rechtsvertreter der Angehörigen, Andreas Tronicsek, der Süddeutschen Zeitung. Der Schütze hätte sich einfach zu seinen Kollegen zurückziehen können. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat Tronicsek eine Tatortrekonstruktion vor Ort beantragt, da die bisherigen Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamtes zu anderen Ergebnissen kamen und die Polizisten entlasteten.

An dem Regensburger Einsatz waren insgesamt acht Polizisten beteiligt. Auf Anweisung des bayerischen Innenministeriums wurden die beiden Schützen einstweilig in den Innendienst versetzt. Eisenbergs Familie bezweifelte früh, dass der exzessive Einsatz der Dienstwaffen angemessen war. Selbst Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte nach den tödlichen Schüssen erklärt, die Eskalation bei der Polizeiaktion sei schwer zu verstehen.

Die Staatsanwaltschaft war zunächst davon ausgegangen, dass Eisenberg einen Polizisten massiv bedroht habe; die Schüsse seien als "Nothilfe" angemessen gewesen. Nun bringt das Gutachten neuen Stoff in die Ermittlungen.