Tierpark Nürnberg Delfinlagune wird im laufenden Betrieb saniert

Wenig Tiefgang: Die Delfine, auch Nami, müssen in der Nürnberger Lagune mit dem derzeit niedrigeren Wasserstand zurechtkommen.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Die umstrittene Delfinlagune in Nürnberg muss erneuert werden.
  • Salzwasser war durch eine Fuge gesickert und hatte ein angrenzendes Wäldchen zerstört.
  • In einem Jahr sollen die Arbeit nun beginnen.
Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Man muss Christian Vogel nur zuhören, um zu ahnen, wie sehr die Sache mit der undichten Delfin-Lagune auf ihm lastet. Der Nürnberger Bürgermeister, zuständig für den Tiergarten, sagt Sätze wie diesen: "Mit einem ganz ruhigen Gewissen sitze ich vor Ihnen." Auch dass der Zoo von den "Massen geliebt" werde, von einigen wenigen aber verdammt. Und dass man sich immer wieder mit haltlosen Vorwürfen konfrontiert sehe, aber eisern gewillt sei, "nichts unter die Grasnarbe zu schieben". Solche Sachen.

Die Lagune leckt

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Seit Dienstag ist die einzige Freiluftanlage für Delfine in Deutschland exakt vier Jahre in Betrieb, aber schon zwei Wochen, nachdem man 2011 "bis in die Morgenstunden" gefeiert hatte, fing es mit den Problemen an, sagt Zoodirektor Dag Encke. Salzwasser trat aus und vernichtete alte Bäume. Vier Jahre brauchte es auch, um ein Konzept zu entwickeln, wie man das verhindern kann. Mindestens zwei Jahre wird die Sanierung von 2016 an in Anspruch nehmen.

Etwa 1000 Quadratmeter Wald hat das austretende Wasser vernichtet. Für eine Einrichtung, die sich den Schutz natürlicher Lebenswelten auf die Fahne schreibt, sei das "zutiefst schockierend" gewesen, sagt Encke. Sogar von einer "Katastrophe" spricht er. Immerhin hat die Lagune 31 Millionen Euro gekostet, da hatte man sich positive Schlagzeilen erhofft, nicht absterbende Bäume. Die Stimmung wurde nicht besser dadurch, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen einleitete wegen der vernichteten Natur. Der Zoo senkte den Wasserspiegel im Delfin-Becken, das Baumsterben konnte man dadurch stoppen. Aber es blieb eben für vier Jahre die Frage, wann man die Becken wieder vollständig befüllen kann, damit die Tiere wenigstens so viel Raum haben, wie der Tiergarten das ursprünglich geplant hatte.

Die Lagune muss nicht geschlossen werden

Die Sache sei enorm komplex, mehrere Gutachter hätten sich Gedanken gemacht, sagt Encke. Der Plan sieht nun vor, eine Fuge am oberen Beckenrand dicht zu machen, Beton zu erneuern, für mehr Korrosionsschutz zu sorgen. Was das alles kosten soll, kann die Leiterin des Hochbauamtes nicht abschätzen. "Jede Zahl wäre unseriös", sagt Petra Waldmann. Nur dass alleine die Ertüchtigung eines alten Ersatz-Delfinariums schon mehr als eine Million Euro kosten wird, davon gehe man aus. Bezahlen sollen das alles "die Verursacher", verspricht Bürgermeister Vogel. Also Planer und Baufirmen. Man werde zwar versuchen, sich gütlich mit deren Versicherungsunternehmen zu einigen. Gelinge dies aber nicht, werde man sich nicht scheuen, das Geld vor Gericht einzuklagen. Weil an Rohren Wasser ins Technikgebäude eindrang, prozessiert man bereits. Einigungen dürften also eher unwahrscheinlich sein.

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Die gute Nachricht, aus Sicht des Bürgermeisters: Was immer auch verbreitet werde an Horrormeldungen - die Lagune müsse nicht geschlossen werden, schon gar nicht während der Ferien. Die Becken sollen nacheinander abgedichtet werden, zur Sicherheit gebe es auch Ausweichquartiere für die Delfine. Dass diese über Gebühr belastet werden beim Bau an ihren Becken, glaubt der Direktor nicht. "Die Tiere sind relativ cool geworden, die reagieren auf Baumaßnahmen gelassen", sagt Encke. Und ein Delfin-Bulle soll den Zoo vorher noch verlassen. Weniger Tiere sind dann doch besser beim Bau.