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Nürnberger Tierpark:Die Lagune leckt

Nürnberger Delfinarium

Im Nürnberger Tiergarten leckt die Delfin-Lagune - die Bäume im Zoo leiden unter dem austretenden Salzwasser.

(Foto: dpa)

Die Delfinanlage im Nürnberger Zoo verliert Salzwasser. Das ruiniert die umstehenden Bäume und die Laune der Tierpark-Verantwortlichen. Richtig lustig wird es bei der Frage, wer schuld an dem Schlamassel ist - denn natürlich fühlt sich niemand zuständig.

Von Olaf Przybilla

Kleines Loblied vorab auf die Delfinlagune in Nürnberg. Das Ding war teuer, keine Frage, aber wer mal am Feierabend für sich sein möchte, der lege sich mit einem Buch im Sonnenuntergang auf die großzügig dimensionierte Freilufttribüne in Nürnbergs Zoo. Die Welt schreit ja nach Alleinstellungsmerkmalen und bitte: Hier hat man eins. Kein Mensch ist da, dafür sorgt eine schnaubende Truppe, die sich gegenseitig Bälle zuschaufelt, für ein wunderbar meditatives Begleitprogramm. Nur ab und zu schraubt sich ein Tier aus dem Wasser und schaut, ob der Langweiler da draußen womöglich auch am Spielgerät interessiert ist. Nicht? Auch gut.

Salzwasser zerstört die Bäume im Zoo

Nun dürfte es nicht das primäre Ziel dieser Lagune für Delfine gewesen sein, eine kontemplative Umgebung für Leser zu schaffen. Dass aber viel weniger Besucher kommen als ursprünglich erwartet, ist nicht mal das vordringliche Problem der Anlage. Viel schlechtlauniger macht die Verantwortlichen eine undichte Stelle, aus der Salzwasser ausgetreten ist und dafür sorgte, dass in einem der größten Landschaftszoos Europas viel Landschaft vor die Hunde ging. Dutzende Bäume überlebten das Wasser nicht. Nun könnte man austretendes Salzwasser für ein Randproblem halten, das ist es aber nicht. Zwar kann momentan niemand den Beweis führen, dass die Lagune noch immer undicht ist. Das Gegenteil aber ist ebenso wenig nachweisbar. Und wer für das Schlamassel mit den Bäumen verantwortlich ist, weiß schon gleich gar keiner. Muss man sich nur mal aus der Sicht des Baumes vorstellen: Da ist man seit Jahrhunderten verwurzelt in Franken. Und dann geht man drauf durch das Wasser aus einem Becken für Meeressäuger. Schon befremdlich.

Lustiger verspricht der Streit um die Haftung zu werden. Wer ist schuld daran, wenn der Delfin sich überraschenderweise nicht wie ein Erpel verhält, ständig rumflippert und offenbar für so viel Wallung im Wasser sorgt, dass unten der Baum verreckt? Muss ein Planer wissen, dass eine Lagune für Meeresbewohner gefälligst dicht zu sein hat? Steht das irgendwo verbindlich in der Werkplanung? Im schlimmsten Fall müsste die Anlage für Monate schließen, um das Becken dicht zu bekommen. In der Lagune wäre es dann nur unwesentlich ruhiger.

© SZ vom 19.05.2015/vewo
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