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Delfinarium in Nürnberg:Nami schwimmt sich frei

Vorstellung des zwei Monate alten Delfinkalbs 'Nami'

Mutter Sunny und ihr Kalb Nami, das sich gut entwickelt hat. Die Tiergartenleitung hat das mit Erleichterung aufgenommen.

(Foto: dpa)

Zwei Monate nach seiner Geburt versucht sich der Tümmler Nami im Nürnberger Delfinarium schon im Luftsprung. Von diesem Silvestertag an können Tiergarten-Besucher ihm dabei zuschauen.

- Es gab mehrere hektische Momente nach der Geburt des Nürnberger Jungdelfins. Einmal waren die Tierpfleger einigermaßen in Aufruhr, weil das Kalb, so die Warnung, plötzlich "taumelte". Bis sich herausstellte, dass Nami, so heißt das inzwischen zwei Monate alte Delfinweibchen, nur damit begonnen hat, Kurven zu schwimmen. Und dabei etwas unbeholfen Maß nahm. So ist das derzeit im Nürnberger Tiergarten: Der Puls ist relativ hoch, beginnt sich aber, sagt Zoodirektor Dag Encke, allmählich zu normalisieren.

24 Stunden am Tag wird das Tier von Pflegern beobachtet, anfangs waren es sogar zwei Aufpasser pro Schicht. Es steht viel auf dem Spiel, und es gibt niemanden, der das bestreiten würde in Nürnberg. 16 Jahre ist es im zweitgrößten Landschaftszoo der Republik nicht mehr gelungen, einen Tümmler aufzuziehen. Das war einer der entscheidenden Gründe, warum sich die Stadt entschieden hatte, eine Lagune für die Tiere zu bauen für alles in allem 31 Millionen Euro - in einer Zeit, in der sich andere Städte entschlossen hatten, die Haltung von Delfinen endgültig aufzugeben.

Die Geburt von Nami ist die erste seit Eröffnung dieser Lagune, und obwohl die Säuglingssterblichkeit bei Delfinen hoch und also ein natürlicher Tod nie ganz auszuschließen ist, lagen die Nerven vor allem in den ersten Tagen blank. Nicht nur im Tiergarten, auch in der Stadtpolitik. Ein weiterer toter Jungdelfin hätte für das Image der Lagune und wohl des gesamten Zoos sehr heikel werden können. "Sehr, sehr nervös" sei man gewesen, sagt Encke. Inzwischen aber trete eine gewisse Entspannung ein.

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Am Dienstag wurde das junge Tier im Delfinarium, in der alten Halle also, erstmals Journalisten präsentiert. Vom Silvestertag an werden auch Besucher des Zoos dem jungen Delfin Nami beim Schwimmen zuschauen dürfen. Wobei das Kalb eigentlich Namí heißt, mit Betonung auf dem zweiten Vokal. Man aber gemerkt habe, räumt Encke ein, dass "wir das im Alltag nicht durchhalten". Insofern habe man den Tümmler einfach mal " eingefränkelt".

Nami wird das Kalb jetzt also gerufen, mit Betonung auf der ersten Silbe. Aber das ist auch schon die einzig nette Randgeschichte, die sich die Tierpfleger erlauben bei der Vorstellung. Es geht einfach um zu viel.

Nami versucht sich schon im Luftsprung

Immerhin, das dürfte vorerst den Druck der Tierschutzorganisationen etwas drosseln: Antibiotika muss der Jungdelfin erst mal nicht mehr nehmen. Er musste es wenige Tage nach der Geburt, einer leichteren Bisswunde wegen. Es gibt mehrere Lesarten, warum Mutter Sunny ihr Kalb gebissen haben könnte, sagt Revierleiter Armin Fritz: Wollte sie eigentlich den Pfleger beißen, weil das Kalb untersucht werden sollte? Oder war es eine Art pädagogische Maßnahme, weil sie signalisieren wollte, dass das Kalb nicht zu weit wegschwimmen soll? Wie auch immer: Bei Tierschutzorganisationen verfestigte der Vorfall erneut den Eindruck, dass die Aufzucht von Delfinen offenbar kaum möglich ist, ohne dass Medikamente verabreicht werden.

30 Kilogramm wiegt Nami inzwischen, dreimal so viel wie vor zwei Monaten. Sie schwimmt nicht mehr ausschließlich in der Nähe ihrer Mutter, versucht sich schon im Luftsprung, wenn auch mit eher übersichtlichem Erfolg. Moby, wohl einer der ältesten Delfine der Welt und gewissermaßen Namis Opa, darf in ihre Nähe, er gilt als besonnenes Tier. Andere weibliche Delfine ebenfalls. Drei anderen Tümmlern, dem "männlichen Jungvolk", wie Pfleger Fritz das formuliert, ist das noch nicht vergönnt. Sie müssen vorerst draußen bleiben in der neuen Lagune.