Er hatte Bayerns Finanzministerium eine Daten-CD angeboten und dafür unter anderem Diamanten verlangt. Jetzt hat der Steuerdaten-Händler den Kontakt zu den Behörden abgebrochen.
Bayern kauft vorerst keine Daten angeblicher Steuerhinterzieher. Wie das bayerische Finanzministerium am Sonntag bestätigte, hat der anonyme Datenhändler, der den Finanzbehörden eine CD mit Daten von 1500 Bankkunden angeboten hatte, von sich aus den Kontakt abgebrochen.
Die CDs mit Daten von angeblichen Steuerhinterziehern haben zu zahlreichen Selbstanzeigen geführt. (© Foto: dpa)
Anzeige
"Wir haben keinen Zugriff mehr auf den Informanten", hieß es aus der Finanzverwaltung. Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sagte: "Ich bedaure dies." Der Abbruch des Kontaktes lasse aber Zweifel an der Seriosität des Angebots aufkommen.
In den vergangenen Monaten waren mehreren Bundesländern Daten angeblicher Steuersünder angeboten worden. Nordrhein-Westfalen hatte einem Informanten für 2,5 Millionen Euro eine CD abgekauft.
Im bayerischen Fall hatte der Unbekannte den Behörden nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Daten von angeblichen Steuersündern angeboten, die in Luxemburg Geld am Fiskus vorbeigeschleust haben sollen. Im Herbst hatte er sich das erste Mal gemeldet und vier Stichproben übermittelt. Alle stellten sich offenbar als Treffer heraus, zwei waren den Behörden aber bekannt.
Als die Fahnder weitere Daten zur Probe verlangten, stellte der Informant Forderungen: Er wollte die Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm und Straffreiheit in Deutschland und Luxemburg. Das Ministerium hatte offenbar schon theoretisch den Fall durchgespielt, ihm den Lohn in Form von Diamanten auszuhändigen. Im Gespräch waren 2,5 Millionen Euro.
Der Unbekannte verlangte, dass keine Spur zu ihm führe. Zuletzt habe er sich geweigert, weitere Unterlagen zu liefern. Fahrenschon betonte: "Ich habe von Anfang an klargemacht, dass auf jeden Fall die fiskalische Ergiebigkeit sichergestellt sein muss."
Der schwarz-gelben Regierung in Bayern bleibt vorerst Streit über die Frage erspart, wie mit derartigen Angeboten umzugehen sei. In der CSU hatte es Befürworter eines Datenkaufs gegeben, die FDP lehnte dies ab.
Auch ohne die CD können die Steuerbehörden im Freistaat mit Nachzahlungen rechnen. Schon die Diskussion über den Kauf der Daten hat zu zahlreichen Selbstanzeigen geführt: Allein in Bayern meldeten sich bis Freitag mehr als 2700 Steuersünder, die Finanzgewerkschaft rechnet mit zusätzlichen Einnahmen von weit mehr als 300 Millionen Euro.
- Brisante Steuer-CD Geheimnisvoller "Informant" wünscht sich Diamanten 08.04.2010
- Daten-CD aus NRW Erste Razzien bei Steuersündern 24.03.2010
- Kauf von Steuer-CDs "Im Interesse der ehrlichen Steuerzahler" 11.03.2010
- Koalitionskrach I München: FDP erwägt Veto gegen Aufklärung 08.02.2010
- CD mit Steuerdaten Fiskus hofft auf eine Milliarde 27.03.2010
- Steuerfahndung Wo sind die Steuer-CDs? 22.02.2010
- Steueraffäre Konten deutscher Politiker sollen offengelegt werden 13.02.2010
(SZ vom 19.04.2010/segi)
Wirbel um Obama-Biographie
Die neueste Antwort
Überhaupt kein Thema mehr, scheint das Kapitel Hehlerei zu sein. Ein Datendieb wird sogar noch rehabilitiert, indem man ihn einen Informanten nennt. Ist er aber ein Informant, dann müssen die Käufer die Auftragsgeber gewesen sein, vielleicht findet man bei denen den abgetauchten Datendieb.
...vermute ich vielmehr, dass der "Datenlieferant" ein gewöhnlicher Betrüger war, der das nicht halten konnte was er versprach.
Aber klar verkauft es sich am Kiosk besser, wenn die Weltverschwörung dahinter steckt.
Dem kann ich nur voll und ganz beipflichen!
Und das Schlimme: Viele Bürger interessieren sich für diese Themen überhaupt nicht....
.....die lassen sich alle einlullen....!
"...Nur wenn die Masse massenhaft gegen diese Politiker auf die Straße geht, ändert sich was..."
Ich fürchte, selbst dann wird sich nichts ändern, wie Herr Schalk-Golodkowski und seine KoKo-Mafiosi zusammen mit Strauss, März und dergleichen schon in den achtzigern eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben.
Die Protagonisten ändern sich, Strauss-Honnecker-März, Strauss-Eyadema-März, Koch-Kanther-Liechtenstein, Kohl-Flick, Clement-Adecco, Schröder-Gazprom, Müller-Ruhrgas, das System bleibt das gleiche, nachzulesen bei Naomi Klein und anderen: Managment by Crisis.
Immer werden ein paar unverschämte Gewinnler die Schaltstellen finden, von denen aus sie auf Kosten der Allgemeinheit glänzend bereichernde G'schäftl machen können.
Eine CD oder zwei ... ein Informant oder zwei ... lächerlich.
Der Coup ist doch ein anderer, ein ganz anderer:
Der wirkliche Coup heisst "systemrelevant" und "gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht", die damit im Zusammenhang stehenden organisiert kriminellen Veruntreuungen von Volksvermögen durch die von der Banksterszene erpressten Finanz- und Wirtschaftsministerien der ach so freien Kapitalistenwelt lassen die paar Millionen Steuerungenauigkeiten und Schweizanlegereien doch lächerlich erscheinen.
...ich vermute mal, dass die Behörden ihm nachspioniert haben, und versucht haben werden, ihn "dingfest" zu machen. Da wird er sich gedacht haben: "Lassen wir es halt."
Paging