SPD-Landrat Adam rechnet mit Parteiführung ab "Nur Ja-Sager und Speichellecker erwünscht"

Eklat bei der Bayern-SPD: Über Facebook hat der Regener Landrat Michael Adam die Führung seiner Partei heftig kritisiert - und Spitzenkandidat Christian Ude sein Mitleid ausgesprochen. Doch der will Adams Mitleid nicht.

Von Anna Fischhaber und Frank Müller

Rechnet mit der Parteispitze in Bayern ab: Der Regener SPD-Landrat Michael Adam.

(Foto: dpa)

Es ist nicht lange her, da lief Michael Adam noch neben Landeschef Florian Pronold zu Terminen der SPD. Pronold zeigte ihn gerne her: Ein SPD-Politiker, sehr jung, evangelisch und schwul, mischte die CSU im tiefschwarzen Niederbayern auf. Die bayerische SPD hat nicht viele solcher Nachwuchshoffnungen. Auch Spitzenkandidat Christian Ude hat Adams politisches Talent längst erkannt. Er hätte ihn gerne in seinem Wahlkampf-Team für 2013. Aber Adam lehnte ab. Es sei zu früh für neue Aufgaben, erklärte er.

Nun hat ausgerechnet dieser Adam, inzwischen 27 Jahre alt, Landrat von Regen und Mitglied des Landesvorstands, für einen Eklat bei der Bayern-SPD gesorgt. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, dem der inzwischen gelöschte Wut-Kommentar auf Facebook vorliegt, hat Adam am Wochenende mit der Parteispitze regelrecht abgerechnet: "Christian Ude tut mir leid! Mit diesem Ballast gewinnt er die Wahl nie!" Mit Ballast meint er offensichtlich die eigene Parteiführung. Am Montag bestätigte er dem BR, dass die Kritik von ihm komme - und bedauerte die Form. Nicht aber den Inhalt. Und der ist heftig.

"Unser Führungsregime denkt nur in zweiter Linie an den politischen Erfolg, in erster Linie ist es darauf bedacht, fähige GenossInnen ... möglichst klein zu halten, um nicht offensichtlich werden zu lassen, dass man selbst bei den Menschen überhaupt nicht ankommt", schreibt Adam etwa.

Screenshot des Facebook-Eintrages.

(Foto: Bayerischer Rundfunk)

Oder über den Landesverband der Bayern-SPD am Oberanger in der Münchner Innenstadt, deren Chef Florian Pronold ist: "Grundsätzlich sind im Oberanger auch nur Ja-Sager und Speichellecker erwünscht, um die traurigen Realitäten möglichst nicht an sich heranlassen zu müssen." Nun, so Adam, habe er sich lange genug verstellt, habe lang genug alles schön geredet. Er mache nicht länger "den Trottel für gewisse Leute" in der Partei. Adam schreibt in seinem Eintrag weiter: "Noch heute habe ich Gänsehaut am ganzen Körper, wenn er (also: Pronold) mich anruft."

Die SPD ist in Aufruhr. Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher stellte sich am Montag vor Pronold. Die Zusammenarbeit mit ihm sei "ausgezeichnet", sagte Rinderspacher, die Vorwürfe von Michael Adam könne er nicht nachvollziehen. "Ich verzichte gern auf Mitleid", konterte Ude im Gespräch mit der SZ ironisch. Adams Angriffe wertete er als Ausrutscher und Zornesausbruch nach umstrittenen Personalentscheidungen der Niederbayern-SPD, welche Adam anführt. "Jeder von uns", so Ude weiter, habe "schon mehrmals Parteiveranstaltungen wütend und türenschlagend verlassen". Ude: "Nur darf man sowas nicht ins Internet stellen.

"Fleißig für Deine Gegenkandidatin telefoniert"

Einer der Auslöser für den Eklat ist wohl die Aufstellung der SPD-Bundestagsliste in Niederbayern - auch wenn Adam das bestreitet. Er hatte sich am Wochenende nicht durchsetzen können. Adam hatte sich für die erst 25 Jahre alte stellvertretende Juso-Bundeschefin Johanna Uekermann starkgemacht. Die Delegierten wählten bei dem Bezirksparteitag aber Rita Hagl-Kehl, 42, auf den ersten Platz der Frauenliste. Aus den Bezirkslisten in Niederbayern und den anderen Bezirken im Freistaat wird im Dezember eine Landesliste erstellt, auf der Männer und Frauen im Reißverschlussverfahren gereiht sind.

Adam hatte bei dem Bezirksparteitag wegen eines Krankenhausaufenthalts gefehlt. Nach der Niederlage seiner Wunschkandidatin schrieb er an Uekermann via Facebook: "Es war eine klare demokratische Entscheidung, die ich nicht zu kommentieren habe, auch wenn ich sie für einen großen Fehler halte. Hier haben diejenigen in der letzten Woche fleißig für Deine Gegenkandidatin telefoniert, die an anderer Stelle öffentlichkeitswirksam propagieren, wie wichtig junge Frauen auf der SPD-Landesliste sind."

Damit gemeint ist offenbar Pronold, der sich zuvor in einer Erklärung für junge Kandidatinnen ins Zeug gelegt hatte: "Die bayerische SPD wird weiblicher und jünger im nächsten Bundestag vertreten sein." Andere Parteien "müssen sich in puncto Gleichstellung an uns messen lassen", so Pronold.