Wie im Allgäu ein Konflikt zwischen Bauern und Molkereien um ein Produkt entbrannte, das vor kurzem noch verramscht wurde.
So eine Kundgebung haben sie im Sonthofener Milchwerk noch nicht erlebt. Als sich dort unlängst Vorstand und Aufsichtsrat der Allgäuer Bergbauernmilch-Genossenschaft trafen, zogen 200 wütende Bauern auf den Molkereihof und forderten, unverzüglich eine Generalversammlung einzuberufen. Die aufständischen Bauern wollen ihren Vorstand stürzen. "Der blockiert uns nur", sagt einer von ihnen. "Wir sind es leid, dass wir unsere Milch verramschen müssen."
Im Allgäu tobt ein Streit um die Milch. (© Foto: dpa)
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Sonthofen liegt im Milchland, tief im idyllischen Allgäu. Bald, wenn es Frühjahr wird, treiben die Bauern im Tal zwischen Iller und Ostrach wieder überall das Vieh auf die Weiden. Doch daran mag im Moment niemand denken. Unter den 850 Milchbauern der Bergbauern-Genossenschaft geht die schiere Existenzangst um.
Und dieses Mal greifen sie zu Mitteln, die bisher selbst unter Landwirten tabu waren. Für den Milchbauern gebe es drei Konstanten im Leben, erzählen sie sich gerne. Die Frau, die Automarke, die Molkerei. Jetzt werden die Bergbauern ihrer Molkerei Allgäuland untreu. Sie wollen zu Zott wechseln, ausgerechnet zur privatwirtschaftlichen Konkurrenz. Zott zahlt drei Cent mehr je Liter Milch. Da hört die Solidarität auf dem Land schnell auf.
Die Milchkrise dauert nun schon das zweite Jahr an. Die Höfe landauf landab führen einen verzweifelten Überlebenskampf. Bisher hatten die Allgäuer Bergbauern gehofft, mit ihrer Genossenschafts-Molkerei Allgäuland am besten durch die Krise zu kommen. Sie gehört den Bauern selbst, und die erwarten von ihren Milchmanagern einen überdurchschnittlich hohen Milchpreis. Aber dieses Prinzip funktioniert nicht mehr.
Allgäuland steht mit dem Rücken zur Wand. Seit Monaten zahlt die Molkerei ihren Bauern nur um die 24 Cent für den Liter Milch. Das sind nicht nur ungefähr drei Cent weniger als alle anderen Molkereien in der Umgebung bezahlen. Das ist einer der niedrigsten Milchpreise in Deutschland überhaupt. Und das ist ein Milchpreis, mit dem kein Milchbauer wirtschaften kann - egal ob er nur eine Handvoll Kühe im Nebenerwerb hält oder einen hochmodernen Stall für 100Tiere gebaut hat.
6000 Euro mehr oder weniger
"So ein mittlerer Bauer bei uns liefert um die 200.000 Liter Milch im Jahr an Allgäuland", sagt Balthasar Meier. Seinen richtigen Namen will er zur Zeit nicht in der Zeitung lesen, zu aufgeheizt sei die Stimmung unter den Bergbauern. "Der Durchschnittsbauer ist natürlich stinksauer, dass er 6000 Euro weniger bekommt als sein Nachbar, der auch keine bessere Milch hat, sie aber an eine andere Molkerei liefert."
Die Allgäuland-Käsereien stecken seit langem tief in der Krise. "Die haben einfach eine ganze Reihe schwerer Managementfehler gemacht", sagt Peter Schmidt, der Landesvize der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Nicht nur, dass die Geschäftsleitung kaum Wert auf hochwertige Marken legte, für die die Kunden im Supermarkt gerne ein paar Cent mehr hinlegen. Sie tat auch zu wenig fürs Marketing.
Dafür ist die Allgäuland-Produktpalette so breit, dass sie allein deshalb schon unrentabel ist. Und als die Milchpreise abstürzten, stellte das Management Investitionen zurück. So macht allein die Allgäuland-Molkerei in Augsburg, die demnächst geschlossen wird, 400.000 Euro Verlust pro Monat. Das Gesamtunternehmen häufte Schulden zwischen 60 und 65 Millionen Euro an.
Es ist wenig verwunderlich, dass den Sonthofener Bergbauern angst und bange ist. Zumal sie gleichsam doppelt abhängig sind von Allgäuland. Denn sie liefern nicht nur ungefähr 100 Millionen Liter Milch im Jahr an die Molkerei. Sie halten auch knapp ein Viertel ihrer Anteile. Sollte Allgäuland bankrott gehen, haben sie nicht nur den Abnehmer ihrer Milch verloren, sondern auch Vermögen. "Wir konnten einfach nicht länger zusehen, wie Allgäuland in den Abgrund steuert und uns mitreißt", sagt Balthasar Meier.
Also setzte sich im Januar eine Handvoll Bergbauern zusammen und suchte nach einem Ausweg. Schnell war man sich einig, dass der nur ein neuer Partner sein kann. Und der war bald gefunden. Es ist die Privatmolkerei Zott. "Das klingt zwar wie im Märchen", sagt Balthasar Meier. "Aber wir sind tatsächlich mit offenen Armen empfangen worden, als wir dort vorgesprochen haben."
Die Privatmolkerei Zott hat ihre Joghurt- und Käsefabrik in Mertingen nördlich von Augsburg. Wie ein großer Bauklotz liegt sie in der Landschaft. Rund um die Uhr steuern Tanklaster das Werk an und pumpen täglich 800.000 Liter Milch in große Metalltanks. Das Familienunternehmen hat einen hervorragenden Ruf in der Branche. Und es gilt als eines, das seine Milchbauern sorgsam hegt und pflegt.
Nachfrage nach regionalen Produkten
Bei Zott haben sie auch längst erkannt, dass die Verbraucher gerne ein paar Cent mehr für Milch ausgeben, wenn sie damit ihre heimischen Bauern unterstützen können und ein regionales Produkt bekommen. "Konventionelle Milch kriegt man in Hülle und Fülle", sagt Zott-Milcheinkäufer Christian Schramm. "Aber die Verbraucher fragen verstärkt nach regionalen Produkten. Es hilft das beste Alpenmilchkonzept nichts, wenn keine Alpenmilch drin ist."
So war man sich schnell einig. Anfang März schrieb Zott die 850 Sonthofener Bergbauern an und lud sie zu Infoabenden ein. Dort wollten ihnen Schramm und die anderen Zott-Manager ihr Angebot unterbreiten. "Es sind ja nicht nur die drei Cent mehr, die sie uns sofort bezahlen wollen", sagt Balthasar Meier. "Zott hat uns einen Zehn-Jahres-Vertrag angeboten, in dem der Auszahlungspreis nach drei Jahren auf ungefähr 30 Cent steigt."
Und auch am Molkereistandort Sonthofen ist Zott interessiert. Doch seit das Angebot auf dem Tisch ist, herrscht Streit zwischen den Bergbauern und Allgäuland. Denn was für die Bauern die Rettung wäre, könnte das Aus für die Molkerei bedeuten. Deshalb will Allgäuland die Bergbauern nicht ziehen lassen, koste es was es wolle. So ließ Allgäuland die Infoabende per einstweiliger Verfügung verbieten - unlauterer Wettbewerb lautete der Vorwurf. "Es ist ein Kampf um den Rohstoff Milch", sagt Gewerkschafter Schmidt.
Die Bergbauern wiederum sind sauer auf den Vorsitzenden ihrer Genossenschaft. Der Mann ist zugleich Aufsichtsratschef von Allgäuland und viele bezichtigen ihn, dass er der wahre Schuldige an ihrer Not sei. Derweil gibt Allgäuland-Geschäftsführer Marcel Mohsmann Durchhalteparolen aus. "Allgäuland hat die Probleme erkannt und ist dabei, sie zu beheben", lässt er verlauten. Schon bald werde man den Bauern mehr Geld ausbezahlen können.
Die stimmen längst mit den Füßen ab. Um die 230 der 850Milchlieferanten haben der Genossenschaft bereits die Mitgliedschaft aufgekündigt. Bevor es noch mehr werden, haben Balthasar Meier und andere jetzt eine außerordentliche Generalversammlung erzwungen. Auf ihr wollen sie den Weg frei machen für die neue Partnerschaft mit Zott.
(SZ vom 22.3.2010/mati)
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Die Richtlinien was in Lebensmitteln zugegeben werden darf sind alles andere als verbraucherfreundlich, und auch manche Hersteller haben eigentlich das Vertrauen des Verbrauchers schlicht und einfach nicht mehr verdient.
Es geht nicht mehr um gesunde Ernährung, es geht nur noch um Profit, aber wie gesagt das sind Dinge die der Verbraucher selbst in der Hand hat und hier einfach mal kritischer werden muss.
Abschliessend muss ich sagen das es hier viel mehr staatliche Regulierung geben muss.
Auch wenn freie und liberale Märkte die aktuelle Maxime sind gibt es Bereich wo ich einen mündigen Staat brauche.
Diese ganzen Quotenregelungen, Subventionen und sonstigen Eingriffe, vor allem in der Landwirschaft sind suboptimal und werden der Sache schon lange nicht mehr gerecht.
Für landwirtschaftliche Erzeugnisse, an denen ja eine ganze Verwertungskette vom Erzeuger, produzierendes Gewerbe über den Handel bis zum Verbraucher hängt müssen die Mengen und Preise reguliert werden.
Das heißt es müssen Mindestpreise eingeführt werden, übrigens in der Schweiz unter dem Begriff Milchpreiskontingent schon seit Ewigkeiten gang und gäbe.
Unser kleiner Nachbar legt bei essentiellen Dingen halt doch oft mehr Wert auf den Endverbraucher.
Dies bedeutet das der Erzeuger einen festgelegten Mindestpreis für seine Produkte bekommt, und gleichzeitig werden Mindestpreise von eben diesen landwirtschaftlichen Produkten im Handel festgelegt.
Als Beispiel darf dann ein halbes Pfund Butter nicht unter einem Euro angeboten werden.
Wenn man sich bei uns anguckt was tw. Butter oder Milch kosten, muss man sich fragen wie das alles funktionieren soll.
Schlussendlich bleibt mir nur die Hoffnung das jeder Einzelne seine Prioritäten überdenkt.
Was ist wichtiger, das was ich an und in meinen Körper lasse oder diese Dinge wo ich ihn nur repräsentiere.
Natürlich kann man den Erzeugern immer wieder vorwerfen das sie sich in ihrem unternehmerischen Geschäftsgebaren nicht optimal verhalten.
Es wurde sich jahrzehntelang zu oft auf Subventionen und Zuwendungen verlassen, und man ist dem momentanen Marktdruck ausgeliefert.
Man kann auch mit seinem Mitleid gegenüber diesem Berufstand sehr zurückhaltend bleiben, es sind immer noch Großgrundbesitzer, da gibt es tatsächlich Millionen in diesem Land über die man sich mehr Sorgen machen muss.
Aber das alles ändert nichts an der Tatsache das der Milchpreis aktuell für den Erzeuger eine Katastrophe wenn nicht gar eine Frechheit ist.
Das hat viele Gründe und einer der wichtigsten ist sicherlich die ungenügende Quotenregelung der Milchmenge.
Dieses Naturprodukt muss viel strenger reguliert werden da es bei der momentanen Schwemme zum Rammschprodukt verkommt.
Auch da dürfen sich dann viele gierige Landwirte an die eigene Nase fassen wenn sie im Frühjahr ihre Überlieferungen zum Spottpreis auf den Markt werfen. Stichwort "Die faire Milch".
Auch das verarbeitende Gewerbe hat da in den letzten Jahren enorme Fehler gemacht. Die Geschäftsstrategien richten sich nur noch nach dem Preisdruck des Handels aus.
Die benötigten Einsparungen wurden größtenteils mit den immer gleichen Maßnahmen und Strategien vorgenommen.
Personalabbau, Rohstoffpreise senken und vor allem und dabei wohl der wichtigste Punkt ging es immer auf Kosten der Qualität des Lebensmittels.
Frische, Geschmack und Natürlichkeit wurden durch Luft, Chemie und schlimmes Gepansche ersetzt.
Dies trifft sicherlich nicht auf alle Hersteller zu, aber man darf davon ausgehen das jene welche das schickeste Marketing haben sich hier besonders hervor heben.
Und dann sind wir beim letztendlich entscheidenem Faktor, dem Endverbraucher.
Geiz ist nicht geil und man ist nun mal was man isst.
Mündig sind da schon viele nicht mehr und noch weniger verantwortungsvoll. Wenn man sieht was manche Leute ihren Kinder zum Essen vorsetzen muss man sich doch schwer wundern.
Ich dachte immer die Kinder sind das höchste Gut.
Der Verbraucher muss sich einfach mal angewöhnen die Deklarationen von Lebensmitteln zu lesen, und vor allem zu verstehen. Dann wird einem auch bewusst was einem vorgesetzt wird und das dies zum Teil wirklich ekelerregende Zutaten sind.
Und es darf sich niemand mehr was vormachen und der Meinung sein das hier immer mit richtigen und vor allem ethisch vertretbaren Maßstäben gehandelt wird.
Die R
dass die milchpreise wirklich sehr niedrig sind, damit die meisten bauern schwierigkeiten haben, ihren hof rentabel zu halten,
...so möchte ich aber auch erinnern, dass die bauern schon seit eh und jeh herumjammern, egal obs denen gut oder auch schlecht ging!
Wenn es einem Unternehmen schlecht geht, dann denkt man an "Verschlankung", an Kostenoptimierung, an Prozessverbesserung und ans Sparen.
Wenns aber dem Milchbauer, der meist keine Ahnung von Betriebswirtschaft hat, schlecht geht, dann denkt er nicht daran was zu ändern oder zu optimieren. Nein, da sind alle anderen Schuld und die Preise sind grundsätzlich zu niedrig!
So denkt der Bauer seit Jahrzehnten, und deshalb wird sich auch nix ändern und einer nach dem anderen werden wohl dicht machen müssen. Das goldene Milchzeitalter ist halt seit Mitte der 90ér längst vorbei!