Bayern Sexismus im Biergarten? Man wird ja wohl noch Spaß machen dürfen!

Nicht alle Stammtischbrüder sind derb und doof, das wollen wir gar nicht behaupten. Manche aber schon.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Zumindest als bayerischer Saufbruder darf man offenbar derbe Witze reißen und sich daneben benehmen. Aber würden sich Flüchtlinge so aufführen, wäre die Empörung groß.

Kolumne von Sebastian Beck

Ein Abend in einem Biergarten nahe München. Am Stammtisch nebenan hocken die, die allerweil da hocken: acht ältere Herren, davon ein paar in Tracht samt Hut mit Gamsbart. Sie sitzen allem Anschein nach auch schon länger da, denn es geht laut und lustig zu, vor allem aber derb. "Ach, halt doch du dein Maul!", schreit der eine den anderen über den Biertisch an. Alles lacht und brüllt. So geht es halt zu, wenn Oberbayern im Biergarten besonders bajuwarisch und zünftig und urig sein wollen. Schwer zu sagen, ob sie den Komödienstadl nachspielen oder umgekehrt.

Dann kommt die Bedienung, um Nachschub zu bringen. Sie ist eine junge Frau, trägt ein Dirndl mit Ausschnitt, was die roten Bierschädel noch intensiver zum Glühen bringt. "Hoi! Hey!", schallt es ihr entgegen. Die Frau gibt sich routiniert und resolut, sie macht das schließlich schon länger mit. Sie lacht sogar über die alten Kasperl und deren Zoten.

Schließlich aber will ihr einer seine gebrauchte Serviette in den Ausschnitt stecken, das wird selbst ihr zu dumm. Was sie dem Saufkopf ins Ohr sagt, geht im Stimmengewirr unter. Ihrem Gesichtsausdruck nach sind es ein paar deutliche Worte, die sie ihm mitgibt, bevor sie wieder in der Gaststube verschwindet.

Der Gaudi am Tisch tut das keinen Abbruch, man darf ja wohl noch Spaß machen, oder? Ha, was dagegen? So eine Bedienung im Biergarten kann einem echt leid tun. Eine Bierdusche oder eine Watschn wären eine angemessene Geste der Notwehr gewesen. Ein Stammtisch schluckt an einem Sonntag schon mal ein paar Hunderter, schon deshalb würde eine Beschwerde beim Chef oder der Chefin kaum was bringen. Und es soll auch Leute geben, die Dahergerede für ein Kulturgut halten.

Man stelle sich nur mal vor, am Stammtisch wären zehn Flüchtlinge aus Senegal gesessen. Sie hätten in ihrer Landessprache die Kellnerin angemacht, einer von ihnen hätte versucht, ihr seine Serviette in den Ausschnitt zustecken. Wahrscheinlich wäre eine Hundertschaft der Polizei angerückt, es hätte bundesweit Empörung gegeben, die CSU hätte verpflichtende Biergartenkurse für alle Flüchtlinge gefordert. So aber sind die Saufbrüder unbehelligt heimgewackelt, als es dunkel wurde.

Die CSU erklärt die Welt - mit fataler Wirkung

Wenn es um den Aufbau von Feindbildern geht, ist Horst Seehofer und seiner Partei inzwischen anscheinend jedes Mittel recht. Kommentar von Sebastian Beck mehr...