Sex-Prozess in Augsburg Fast fünf Jahre Haft für Linus Förster gefordert

Wegen Missbrauchs von zwei Frauen und heimlichen Sex-Aufnahmen hat die Staatsanwaltschaft für den früheren SPD-Landtagsabgeordneten Linus Förster eine Gefängnisstrafe von vier Jahren und neun Monaten gefordert. Sein Verteidiger Walter Rubach verlangte hingegen am Donnerstag in dem Prozess vor dem Augsburger Landgericht eine deutlich mildere Strafe von maximal zwei bis drei Jahren Haft. Die Strafkammer will das Urteil an diesem Freitag verkünden.

Die Staatsanwältin warf dem 52 Jahre alten Förster vor, zwei schlafende Frauen sexuell missbraucht zu haben, wobei sie zwei Fälle bei einem Opfer als schwer wertete. In weiteren Fällen habe Förster den Sex mit Freundinnen und einer Prostituierten illegal gefilmt und Kinderpornos auf seinen Computern abgespeichert.

Streit zwischen der Staatsanwältin und den beiden Opfer-Anwälten einerseits und Verteidiger Rubach andererseits gab es bei den Plädoyers wegen der Bewertung von Försters Geständnis. Die Anklägerin warf Förster vor, einige Vorwürfe schöngeredet zu haben. Zudem habe er die Folgen für ein Opfer beschönigt. "Geständnis ist nicht gleich Geständnis", meinte sie. Der Anwalt einer Nebenklägerin sagte, Försters Aussagen seien "relativ viel auf Taktik abgestellt" gewesen. Diese Darstellung wies Försters Anwalt als "Unsinn" zurück. "Alles, was zu gestehen war, hat er gestanden", sagte Rubach. Er habe sogar einen Missbrauchsfall bereits in seinem Tagebuch niedergeschrieben, lange "bevor der erste Polizist auf der Matte gestanden hat". Solch ein freiwilliges und frühzeitiges Geständnis habe er noch nie erlebt, sagte der erfahrene Strafverteidiger.

Die beiden in der Anklage als schwer gewerteten Missbrauchsfälle ordnete Rubach als minderschwer ein. Er verwies auch auf die hohen Zahlungen an die Frauen im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleiches. Der 52-Jährige hatte insgesamt mehr als 30 000 Euro bezahlt, eine Frau lehnte Schmerzensgeld ab. In seinem letzten Wort betonte Förster nochmals, dass es ihm leid tue, was er den Frauen angetan habe. "Ich war in Behandlung, aber es war wohl zu spät", sagte er im Hinblick auf seine psychischen Probleme. Förster sitzt wegen der Vorwürfe seit Dezember in Untersuchungshaft. Ende 2016 hatte er sein Landtagsmandat niedergelegt und war aus der SPD ausgetreten.