Rosenheim AfD-Sympathisanten pöbeln gegen Merkel

Auch manche politischen Gegner zeigen sich nach dem Wahlkampf-Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Dienstagabend in Rosenheim peinlich berührt: Die Pöbeleien gegen Merkel am Rande der Kundgebung seien der Stadt unwürdig und würfen ein schlechtes Bild auf Rosenheim, hieß von Lokalpolitikern der SPD und der Grünen. Die CSU-Kundgebung mit der Kanzlerin war von mehren Dutzend Teilnehmern einer Gegenkundgebung der AfD gestört worden, die Merkel teils wüst beschimpften. "Ich hatte gedacht, so etwas gibt es nur in Ostdeutschland", sagte der örtliche SPD-Direktkandidat Abuzar Erdogan danach dem Oberbayerischen Volksblatt.

Die AfD hatte für den späten Nachmittag ebenfalls eine Wahlkampfveranstaltung in der Innenstadt angemeldet und angekündigt, nur mit Argumenten und ohne Krawall auftreten zu wollen. Jedoch setzte sich ein großer Teil des AfD-Publikums plötzlich zum nahen Max-Josefs-Platz in Bewegung, wo Merkel sprach. Viele von ihnen seien aber Menschen von auswärts gewesen, die Merkel von Auftritt zu Auftritt folgten, um die Veranstaltungen zu stören, hieß es aus der Rosenheimer CSU, was tags darauf aus Polizeikreisen ebenfalls zu hören war. Die Kanzlerin zeigte sich von den lauten Pfiffen und Buhrufen unbeeindruckt. Von ihrem nächsten Wahlkampfauftritt unmittelbar darauf in Augsburg wurden keine Störaktionen in diesem Ausmaß berichtet.

Während Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die Mitglied des CSU-Landesvorstands ist, mit Merkel auf dem Podium stand, hatte sich die Stadtverwaltung um Neutralität bemüht und auch die AfD-Kundgebung genehmigt. Um das Rathaus nicht für den Wahlkampf zu öffnen, brachte die Bürgermeisterin das Goldene Buch der Stadt zum Max-Josefs-Platz. Kritik an der Stadtverwaltung kam am Mittwoch allerdings von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, die nach eigenen Angaben für den gleichen Tag einen Wahlkampfstand am Max-Josefs-Platz angemeldet hatte, von der Stadt wegen des Merkel-Auftritts aber einen anderen Platz zugewiesen bekam. Dies sei nachvollziehbar, nicht aber, dass man auch dort kurzfristig gar nicht habe aufbauen dürfen, obwohl der Platz am Ende offenbar doch nicht für Polizei und Übertragungswagen gebraucht worden sei.