Prozess um Familientragödie "Es wird niemand von euch leben"

Der Angeklagte wird zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.

Die Ehe von Shpresa R. ist die Hölle, ihr Mann schlägt sie, beschimpft sie, attackiert sie. Als sie ins Frauenhaus zieht, bedroht er ihre Familie, metzelt schließlich ihren Vater und ihren Bruder nieder. Vor Gericht spricht der Mann von Notwehr - und wird wegen Mordes verurteilt.

Von Hans Holzhaider, Nürnberg

Nürnberg - Es war ein Gemetzel - anders lässt sich das Geschehen nicht beschreiben. Vater und Sohn lagen tot in der kleinen Küche ihrer Etagenwohnung in Neumarkt in der Oberpfalz. Bejtush R., der Vater, 65 Jahre alt, und sein Sohn Ramush, 26, waren mit mehreren Messerstichen in die Brust und in den Nacken getötet worden. Überall in der Küche war Blut, am Boden, an den Küchenschränken, am Kühlschrank, an der Tür.

Als die Rettungskräfte und die Polizei kamen, fanden sie auf einem Treppenabsatz einige Stufen unterhalb der Wohnungstür der Familie R. den 44-jährigen Sejdi K., aus mehreren Kopfwunden blutend. Die beiden Männer, die tot in der Küche lagen, waren sein Schwiegervater und sein Schwager. Es sei Notwehr gewesen, sagte er.

Bejtush und Ramush R. hätten ihn mit einer Axt attackiert, er wäre jetzt tot, wenn er sich nicht gewehrt hätte. Die Richter und Schöffen der 5. Strafkammer am Landgericht Nürnberg haben ihm nicht geglaubt. Am Donnerstag verurteilten sie Sejdi K. wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft.

Schon vor der Ehe gab es Drohungen

Shpresa R., 39, die mittlerweile geschiedene Ehefrau des Angeklagten, hatte als Zeugin die lange, traurige Geschichte ihrer Ehe erzählt. Ihre Familie stammt aus dem Kosovo, ihr Vater kam schon vor fast 40 Jahren nach Deutschland. 1994 heiratete sie Sejdi K., auch er ein Kosovare. Schon vor der Ehe habe er ihr gedroht: "Wenn du mich nicht heiratest, bringe ich euch um."

"Ich war jung", sagt sie, "ich habe das nicht ernst genommen." 1999 wurde ein Sohn geboren. "Ich habe versucht, eine richtige Hausfrau und Mutter zu sein, aber es hat nichts genutzt." Ihr Mann habe sie geschlagen, sogar während der Schwangerschaft, immer habe er gedroht, er werde ihrer Familie etwas antun, wenn sie ihm nicht gehorche. Immer gab es Geldsorgen. Schon seit Jahren war der Mann spielsüchtig, das wenige Geld, das es in der Familie gab, trug er größtenteils in die Spielhallen. Immer wieder musste Shpresa ihre Familie um Geld bitten. Finanziell half die Familie aus, aber mit ihren Eheproblemen blieb Shpresa alleine. "Hab Geduld, vielleicht wird es besser", habe ihr Vater gesagt.

Aber es wurde nicht besser. Im September 2012 eskalierte die Situation. Sejdi K. durchwühlte die Wohnung nach Geld, weil er Spielschulden bezahlen musste, und er wollte seine Frau zwingen, ihm auch noch die 20 Euro zu geben, die der Sohn am nächsten Tag in der Schule brauchte. "Er nahm ein Messer und packte mich am Hals, ich hatte Todesangst", sagt sie. Dann habe Sejdi sie geschlagen, beschimpft und aus der Wohnung geworfen.

Sie flüchtete zu ihren Eltern. Auch jetzt noch wollte der Vater sie überreden, zu ihrem Ehemann zurückzukehren. "Aber sie traute sich nicht", berichtet die Mutter. "Sie hatte Angst, dass er sie umbringt." Am nächsten Tag brachte die Polizei sie und ihren Sohn in ein Frauenhaus in Regensburg.