Prozess gegen Gustl Mollath "Dem schaut der Wahnsinn aus den Augen"

Gustl Mollath im Landgericht Regensburg.

(Foto: REUTERS)

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath berichtet ein Zeuge von einer brisanten Aussage des damaligen Richters Otto Brixner. Der Anwalt von Mollaths Exfrau erhebt seinerseits schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten.

  • Am sechsten Verhandlungstag gegen Gustl Mollath kritisiert ein früherer Schöffe das damalige Urteil scharf.
  • Der Anwalt der Exfrau berichtet von einem angeblichen Streit des Angeklagten mit einer Bekannten.
  • Der heutige Ehemann von Mollaths Exfrau bezeichnet den Angeklagten als aggressiv und verwirrt.

Zeuge erhebt Vorwürfe gegen Richter

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath wirft ein Schöffe aus einer früheren Verhandlung dem damaligen Gericht Fehler im Urteil vor. Zudem berichtet der Zeuge Karl-Heinz W. vor dem Landgericht Regensburg von einer brisanten Aussage des damaligen Vorsitzenden Richters des Landgerichts Nürnberg-Fürth über Mollath: "Dem schaut der Wahnsinn aus den Augen", habe Otto Brixner in dem Verfahren 2006 in einer Verhandlungspause den beiden Schöffen gesagt.

Er habe zwar nicht den Eindruck gehabt, dass der Richter vorab festgelegt gewesen sei, sagt der 69-jährige W., doch als er 2011 das Urteil gelesen habe, seien ihm im Vergleich zur Verhandlung einige Widersprüche aufgefallen, sagt der damalige Schöffe. Plötzlich seien Mollaths angebliche Schläge nicht mehr mit der flachen Hand ausgeführt worden, sondern mit der Faust. Auch über die in der Urteilsbegründung erwähnten Fußtritte, die Mollath seiner damals bewusstlosen Frau verabreicht haben soll, habe er sich wundern müssen. Wäre davon bereits im Prozess die Rede gewesen, hätte er das bestimmt bemerkt.

Zeuge erinnert Mollath als ruhig, aber auch verwirrt

Mollath habe in der Verhandlung 2006 einen ruhigen und besonnenen, mitunter aber auch verwirrten Eindruck gemacht, sagt der damalige Schöffe. So habe er seine Ex-Frau im Zeugenstand mit "Sie" angesprochen und mitgeteilt: "Ich trete jetzt aus dem Rechtsstaat aus." Diese Anmerkung lässt Richterin Elke Escher stutzen, denn angeblich soll Mollath diese Aussage in einer anderen Hauptverhandlung getroffen haben, aufklären lässt sich diese Frage aber nicht.

Zu den Prügelvorwürfen habe Mollath nichts gesagt, erzählt der Zeuge W. weiter, vielmehr habe er immer über angebliche Schwarzgeldgeschäfte der Bank seiner Ex-Frau reden wollen. "Der Vorsitzende hat dann gedroht: Wenn Sie noch einmal über die Schwarzgeldgeschäfte reden, werde ich sie aus dem Gerichtssaal verweisen."

Fall Mollath in Regensburg "Moralisch ist das nicht in Ordnung"

Nur zweieinhalb Stunden dauert der erste Prozesstag im Fall Mollath - weil seine Exfrau die Aussage verweigert. Es ist nicht die einzige Enttäuschung, die der Angeklagte vor dem Landgericht Regensburg erlebt.

Nebenklage berichtet von angeblichem Streit

Gustl Mollath soll am Silvestertag 2013, also nach seiner Entlassung aus der forensischen Psychiatrie, eine heftige verbale Auseinandersetzung mit einer Frau gehabt haben. Dies wurde durch einen Antrag bekannt, den Nebenklagevertreter Jochen Horn, der Anwalt von Mollaths Exfrau Petra M., vor dem Landgericht Regensburg am Montag stellte. Der Nürnberger soll demnach im niedersächsischen Bad Pyrmont mit seiner Begleiterin auf dem Weg zu einem Konzert von Nina Hagen aneinandergeraten sein.

Der angebliche Streit soll nach Angaben der Nebenklage im Wiederaufnahmeverfahren gegen Mollath derart heftig gewesen sein, dass Passanten und ein Tankstellenbetreiber eingegriffen haben. "Dies soll das hemmungslose Verhalten des Angeklagten verdeutlichen", sagte der Rechtsanwalt. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittle möglicherweise. Mollath selbst bestätigte den Vorfall. "Ja, es gab eine verbale Auseinandersetzung mit scharfen Worten", sagte der 57-Jährige in einer Verhandlungspause. Es sei aber nicht zu Handgreiflichkeiten gekommen. Sein Verteidiger Gerhard Strate verliest nach der Pause eine Erklärung. Demnach hat Mollath bis heute keine Vorladung von der Staatsanwaltschaft Hannover bekommen. Strate beklagt, der Nebenklagevertreter könne nicht einmal ein Aktenzeichen nennen.

Schöffin Erika H. hat wenig Erinnerung

Am Morgen war Erika H. als Zeugin geladen gewesen - und erinnerte sich an so gut wie nichts mehr. H. war Schöffin im Prozess am Landgericht Nürnberg-Fürth, bei dem Mollath im Jahr 2006 wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, aber in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wurde.

Der 57 Jahre alte Mollath muss sich nun erneut wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Unter anderem soll er 2001 seine damalige Ehefrau körperlich misshandelt und eingesperrt haben. Zudem soll er Dutzende Autoreifen zerstochen haben. Doch zur Aufklärung kann die Zeugin H. nichts beitragen, nach etwa 20 Minuten darf sie den Gerichtssaal wieder verlassen.

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Zeuge beschreibt bedrohliche Begegnung mit Mollath

Als nächster Zeuge wird der heutige Ehemann von Mollaths Exfrau vor dem Landgericht Regensburg befragt. Anders als seine Frau darf Martin M. die Aussage nicht verweigern. Seit Oktober 2012 seien er und Petra M. ein Paar. Vor Gericht erzählt der 60-Jährige von Begegnungen mit Mollath im Jahr 2003 und später. Dabei sei er ihm aggressiv und verwirrt vorgekommen, bei einigen Begegnungen sei die Situation beinahe eskaliert. So habe ihn Gustl Mollath zweimal in der Öffentlichkeit bedrängt und zudem mit Faxen und Briefen bei seinem Arbeitgeber diskreditiert.

Der Zeuge schildert auch die verzweifelte Lage, in der Petra M. damals gewesen sei. Unter Tränen habe sie ihm von den Schlägen ihres Exmanns erzählt, dass sie sich bedroht gefühlt und sehr gelitten habe. "Wir befürchteten Schlimmeres", sagte er.

Bei vielen Fragen muss Martin M. allerdings passen, etwa auch, als es um die Bisswunde geht, die Mollath seiner ehemaligen Frau zugefügt haben soll. Die sei "so gut wie verheilt". An welchem Arm? Das könne links sein, aber auch rechts. "Ich habe bis heute nicht gesagt, zeig mal her."

Fragen zur Bekanntschaft mit Richter Brixner

Neben den Aussagen über den Angeklagten dürfte für das Gericht auch eine andere Frage interessant sein: Wie eng war die Beziehung zwischen Martin M. und dem damaligem Richter Otto Brixner, als Mollath im Jahr 2006 verurteilt wurde? Brixner war in dem Prozess der Vorsitzende Richter - und kannte M. aus dem Handballverein.

Dass sich die beiden vor Gericht damals begegnet waren, hatte schon die Beisitzende Richterin Petra H. bei ihrer Befragung erzählt, der Situation aber weiter keine Bedeutung beigemessen. Auch Martin M. betont, dass er erst am Tag der Verhandlung erfahren habe, dass Brixner der Vorsitzende Richter sei. Das Gespräch auf den Fluren des Landgerichts sei sehr kurz gewesen, nicht mehr als drei Sätze seien gefallen, sagte M. laut der Mittelbayerischen Zeitung.