Nürnberg Investor aus Portugal kauft Quelle-Zentrum

Nur der Berliner Tempelhof ist größer: Der Quelle-Komplex ist die zweitgrößte leerstehende Immobilie Deutschlands.

  • Sechs Jahre nach der Insolvenz wurde das ehemalige Versandzentrum des Handelsriesen Quelle versteigert.
  • Investor Sonae Sierra will Büros, Geschäfte und Wohnungen errichten.
  • Auch Künstler und Kreative sollen bleiben.

Das frühere Quelle Areal in Nürnberg hat einen neuen Besitzer: Die internationale Investorfirma Sonae Sierra aus Portugal ersteigerte das ehemalige Versandzentrum samt Quelle-Turm am Dienstag für 16,8 Millionen Euro. Mit rund 250 000 Quadratmetern handelt es sich bei dem Komplex um die zweitgrößte leerstehende Immobilie Deutschlands - nach dem Berliner Flughafen Tempelhof.

Die Investoren waren die einzigen Bieter. Sonae Sierra plant nach Angaben von Deutschland-Chef Thomas Binder in dem denkmalgeschützten Klinkerbau einen Mix aus Handel, Büro und Wohnungen.

Rauswurf, dann Ausverkauf

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Er rechnet mit einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren. Den bislang im Quelle-Komplex untergekommenen Künstlern und Kreativen versprach Binder eine Zukunft in einem "Kreativzentrum".

Auf den Tag genau sechs Jahre nach der Quelle-Insolvenz war das ehemalige Versandzentrum des untergegangenen Handelsriesen in Nürnberg unter den Hammer gekommen. Das Amtsgericht hatte für die Zwangsversteigerung am Dienstag um 10.30 Uhr Kaufinteressenten ins ehemalige Kasino eingeladen. Der Komplex steht seit der Insolvenz weitgehend leer.

Der Verkehrswert liegt bei 31,7 Millionen Euro

Die Versteigerung fand auf Antrag einer Grundschuldgläubigerin statt; eine Schweizer Großbank hatte die Grundstücke als Sicherheit für die Gewährung eines Kredits akzeptiert. Das aus mehreren Einzelgrundstücken bestehende Areal gehörte bisher dem insolventen niederländischen Unternehmen Valbonne Real Estate.

Der Verkehrswert des vom Bauhaus-Architekten Ernst Neufert entworfenen Komplexes liegt nach Angaben eines Gerichtssprechers eigentlich bei 31,7 Millionen Euro. Wer beim ersten Termin den Zuschlag erhalten wollte, musste mindestens die Hälfte der Summe bieten.

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Der portugiesische Investor Sonae Sierra hatte schon zuvor großes Interesse an dem Objekt bekundet. Nach Angaben von Sonae Sierra-Deutschland-Chef Thomas Binder hatte sich sein Unternehmen mit den Gläubigern auf eine sogenannte Ausbietungsgarantie geeinigt, die ihm die Übernahme garantiere. Ein Gerichtssprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Wer der Investor ist

1989 in Portugal gegründet, ist Sonae Sierra nach eigenen Firmenangaben auf Einkaufszentren spezialisiert. Der Konzern gehört zu gleichen Teilen zu Sonae, SGPS in Portugal und Grosvenor in Großbritannien.

In Deutschland besitzt und betreibt Sonae Sierra mittlerweile das "Alexa" am Berliner Alexanderplatz, das "Loop5" in Weiterstadt bei Frankfurt sowie den Hofgarten Solingen. Außerdem ist das Unternehmen für das Management der Münster Arkaden zuständig.