Neues Jahn-Stadion 53 Millionen für die dritte Liga

Von oben gibt es schon eine klare Perspektive fürs neue Stadion. Von unten besehen gilt das allerdings nicht so uneingeschränkt.

(Foto: Dimitri Tschurilow)

Die sportliche Zukunft sieht düster aus, trotzdem bekommt Jahn Regensburg für 53 Millionen Euro ein neues Stadion. Kritiker des städtischen Projekts sehen sich bestätigt, der Traditionsklub hofft dagegen auf den Augsburg-Effekt.

Von Wolfgang Wittl, Regensburg

Winfried Weiß hat die Ruhe weg. Er hat die Fußballstadien in Augsburg und Mainz gebaut, einige Hochhäuser und Brücken, nun steht er mit breiten Beinen und in den Hosentaschen verstauten Händen auf einer Baustelle im Süden von Regensburg. Wo vom kommenden Juli an der Ball rollen soll, wühlen Bagger im rötlichen Lehm, Lastwagen fahren Stahlteile umher, 60 bis 70 Arbeiter werkeln an allen Ecken und Enden. Knifflig? Nö, knifflig sei bisher eigentlich nichts gewesen, sagt Weiß. Man liege voll im Plan, bauen sei "schließlich kein Hexenwerk". Nur als er eine Einschätzung zur sportlichen Situation abgeben soll, wird er plötzlich einsilbig: "Kein Kommentar", sagt Weiß. Und grinst.

Gewiss, was soll ein Projektleiter für den Stadionbau schon zur fußballerischen Lage beitragen. Doch Fragen zum SSV Jahn sind derzeit generell eine heikle Sache in Regensburg. 53 Millionen Euro netto lässt die Stadt sich die Arena für den Verein kosten. 15 115 Zuschauer sollen hier Platz finden, bei Bedarf lässt sich die Kapazität um 3000 erhöhen. Doch danach sieht es erst einmal nicht aus.

Verbleib im alten Stadion ergab keinen Sinn

Als die Arbeiten begannen, kursierte in der Stadt folgender Witz: Wenn es einer schaffe, ein neues Stadion mit dem Abstieg einzuweihen, dann wohl nur der Jahn. Im Moment ist der Witz düstere Wirklichkeit: Der SSV Jahn Regensburg ist Letzter der dritten Liga.

Kritiker des Projekts fühlen sich jetzt erst recht bestätigt: Zu teuer sei der aus öffentlichen Mitteln finanzierte Bau, zu ungewiss die Leistungsfähigkeit des Vereins, der nicht immer durch Seriosität aufgefallen ist. Es gab Zeiten, da drehte der örtliche Energieversorger, ein städtisches Tochterunternehmen, den Strom ab, nachdem der klamme Klub 300 Mahnungen erhalten hatte. Doch ein Verbleib im alten Stadion ergab auf Dauer keinen Sinn mehr.

"Patient auf der Intensivstation"

Das Gemäuer mitten in der Stadt ist ein Symbol der Baufälligkeit, das Gelände ist für eine neue Grundschule, Wohnungen und die Erweiterung einer Brauerei vorgesehen. Eine Bedingung der Lokalpolitiker für das neue Stadion war, dass der Verein endlich ordentlich wirtschafte. Dies ist nun offenbar der Fall, doch sportlich geht es genau in die andere Richtung.

Wohl selten hatte der Jahn in der Stadtverwaltung mehr Fans als im Moment - nicht nur deshalb, weil er seine Miete anteilig an der Spielklassenzugehörigkeit zu entrichten hat. Wie groß die Verzweiflung ist, zeigte sich vergangene Woche bei einem Krisengipfel. Ein "Patient auf der Intensivstation" sei der Verein, sagte der Vorsitzende Hans Rothammer. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, zugleich Aufsichtsratschef des Klubs, machte vom Schicksal des Jahn gar "die Zukunftsfähigkeit einer ganzen Region" abhängig.