Neue Vorwürfe im Fall Haderthauer Voll in der Abwärtsspirale

Christine Haderthauer gerät weiter unter Druck.

(Foto: Gebert/dpa)

Die Details sind haarsträubend. Was über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Christine Haderthauer durchsickert, stellt sie auf eine Stufe mit großen CSU-Selbstbereicherern. Wenn die Vorwürfe stimmen, dann ist es mit ihrem Rücktritt vom Ministeramt nicht getan.

Ein Kommentar von Frank Müller

Christine Haderthauer hat jetzt genau zwei Möglichkeiten: Entweder sie kann die neuen Vorwürfe der Justiz ganz schnell aufklären oder sie muss sich aus der Politik zurückziehen. Wenn es wirklich stimmt, dass die Ex-Ministerin aus ihrer merkwürdigen Modellbaufirma wertvolle Miniaturautos beiseitegeschafft hat, sie privat verhökerte und den Geldeinlauf durch Umweg-Überweisungen über das Konto ihrer Mutter verschleierte, dann ist es mit ihrem Rücktritt vom Ministeramt nicht getan. Dann kann sie auch nicht mehr einfache Abgeordnete des Landtags bleiben.

Noch sind die Vorwürfe nicht gerichtlich festgestellt, die Staatsanwaltschaft ermittelt noch. Aber die neuen Details sind so haarsträubend, dass ihr der Verweis auf die Unschuldsvermutung nichts mehr helfen wird.

Auf einer Stufe mit Georg Schmid und Jakob Kreidl

Besonders gravierend ist, dass die Vorgänge noch in ihre Ministerzeit ab 2008 hineinreichen. Bislang hatte sie stets betont, spätestens ab diesem Zeitpunkt für saubere Verhältnisse gesorgt zu haben. Nun wird deutlich, dass im Hintergrund ihr lukratives Modell-System weiterlief. Das stellt sie endgültig auf die Stufe großer CSU-Selbstbereicherer aus jüngerer Zeit wie den früheren Fraktionschef Georg Schmid und den ehemaligen Landkreis-Präsidenten Jakob Kreidl.

Ermittlungen gegen Haderthauer ausgeweitet

Es geht um 55 000 Euro: Der früheren Staatskanzleichefin Haderthauer wird nicht mehr nur Betrug vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass die CSU-Politikerin auch Steuern hinterzogen haben könnte. Von Mike Szymanski mehr ...

Auf eine neue Ebene rückt damit auch der Haderthauer-Untersuchungsausschuss, der an diesem Donnerstag im Landtag zum ersten Mal tagt. In einem im Nachhinein fast irrwitzig wirkenden Fernsehinterview hat die Ingolstädter Abgeordnete in der vergangenen Woche angekündigt, das Gremium werde sich als "Haderthauer-Entlastungsausschuss" erweisen. Es gehört zum Haderthauer-Stil, dass sie sich durch unfassbare Äußerungen erst richtig in die Abwärtsspirale hineinredet. Der überheblichste Satz aus dem Interview über ihren Verdienst im Ministeramt fällt ihr nun auf die Füße: "So ein Amt macht man nicht wegen der Bezahlung", meinte sie. "Also wirtschaftlich ist das nicht lohnend." Man braucht also noch etwas Geld nebenher.