Neue Vorwürfe gegen Bischof Mixa "Mit dem Stock geschlagen"

Die Zahl der Personen, die von Misshandlungen durch den heutigen Bischof Mixa berichten, steigt. Eine 41-Jährige nennt weitere Details - sie habe vor Schmerzen nicht sitzen können.

Von Stefan Mayr, Augsburg

Die Zahl der Personen, die über Schläge des heutigen Augsburger Bischofs Walter Mixa in den siebziger und achtziger Jahren berichten, nimmt weiter zu. "Ich wurde zweimal von Herrn Mixa mit dem Stock geschlagen", berichtet eine 41-jährige Frau, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen will.

Sie lebte von 1975 bis 1985 im Schrobenhausener Kinderheim und bestätigt, dass Mixa damals als Stadtpfarrer "regelmäßig" ins Heim gekommen sei - und dabei oft die Kinder geschlagen habe. "Ich musste die Hose runter ziehen, mich über die Badewanne beugen und bekam dann fünf bis sieben Schläge auf das Gesäß", berichtet sie. "Die ersten zwei Tage danach war es unmöglich, vernünftig zu sitzen vor Schmerzen."

Die 41-Jährige ist damit das siebte ehemalige Heimkind, das sich bereit erklärt, Mixas Schläge vor Gericht unter Eid zu bezeugen. Der Donaukurier berichtet von drei weiteren Personen, die Übergriffe erlebt haben wollen. Und die Neuburger Rundschau, die sich in Schrobenhausen unter Bürgern umgehört hat, berichtet aus einem Gespräch:

"Das hat doch jeder gewusst, dass der Mixa sehr streng sein konnte', sagt ein Rentner, und alle um ihn herum nicken."

Der Orden der Mallersdorfer Schwestern, die bis 1990 in dem Heim pädagogisch verantwortlich waren, räumt inzwischen Fehler ein und "harte, menschenunwürdige Strafmaßnahmen, die man sich kaum vorstellen kann". Zwei Schwestern wurden bereits beurlaubt. "Bitte verzeihen Sie uns", schreibt die Generalrätin Schwester Godehard in einer E-Mail an eine Betroffene.

Bereits im Jahr 2003 berichtete Karl Graml von der Laienbewegung "Wir sind Kirche" öffentlich darüber, dass ihn Mixa, damals noch Bischof von Eichstätt, angegangen habe. Mixa habe "wie ein Wahnsinniger auf mich eingebrüllt, mit den Fäusten auf einen Tisch geschlagen und mich tätlich angegriffen", sagte Graml damals.

Das Bistum dementierte und schrieb, Mixa habe gegenüber Graml lediglich von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht. Rechtliche Schritte gegen Gramls Behauptung unternahm der Bischof aber nicht. Auch gegen die aktuellen Gewaltvorwürfe geht Mixa bislang nicht juristisch vor.

Weil das Bistum wiederholt die Glaubwürdigkeit der ehemaligen Heimkinder angezweifelt hat, sprechen sich diese inzwischen für ein Gerichtsverfahren aus: "Wenn Herr Mixa Recht hat, dann soll er eine eidesstattliche Versicherung abgeben und uns anzeigen", sagt Hildegard Sedlmair.

Große Vorbehalte haben die Betroffenen gegen den von der Schrobenhausener Waisenhausstiftung beauftragten "Sonderermittler". Der Ingolstädter Rechtsanwalt Sebastian Knott soll im Auftrag der Stiftung prüfen, ob Heimkinder von Mixa und den Schwestern geschlagen wurden.

Die Betroffene Jutta Stadler bezweifelt Knotts Unabhängigkeit: "Er wird von der Stiftung bezahlt, da steht das Ergebnis doch schon vorher fest." Knott, 33, ist Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Ingolstadt-Südost. Als Kandidat für den Stadtrat warb er im Wahlkampf 2008 mit seiner Mitgliedschaft beim katholischen Sozialverband KKV-Hansa. Als sein Spezialgebiet nennt er "zivilrechtliche Angelegenheiten im Verlags- und Medienrecht".

Er sieht sich als geeignet, den sensiblen und strafrechtlich relevanten Fall aufzuarbeiten: "Ich bin hundertprozentig unabhängig und bilde mir ein, einfühlsam zu sein." Jutta Stadler bleibt dennoch skeptisch: "Nur ein ordentliches Gericht ist wirklich unabhängig."