Nach Prügelvorwürfen in Wasserburg Polizist gibt Faustschlag zu

Als er die Inspektion verließ, hatte er eine Platzwunde im Gesicht, Prellungen am Kiefer sowie Schürfwunden: Die Ermittlungen wegen der Prügelvorwürfe des heute 54-Jährigen sind nun abgeschlossen. Foto: oh

Nach den Prügelvorwürfen eines 54-Jährigen gegen Polizisten aus Wasserburg hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen abgeschlossen. Ein Beamter muss wegen eines Faustschlags mit strafrechtlichen Folgen rechnen. Der Anwalt des Opfers hält ihn für ein "Bauernopfer".

Von Heiner Effern

Die Ermittlungen zu den Prügelvorwürfen gegen Wasserburger Polizisten sind abgeschlossen. Ein Beamter habe einen Faustschlag zugegeben und nun mit strafrechtlichen Folgen zu rechnen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein. Wie diese genau aussähen, dazu wollte er sich noch nicht äußern. Die Verfahren gegen das heute 54 Jahre alte Opfer und die weiteren beteiligten Polizisten seien eingestellt.

Mehrere Beamte hatten in der Silvesternacht den Programmierer in der Innenstadt von Wasserburg festgenommen. Als er die Inspektion verließ, hatte er eine Platzwunde im Gesicht, Prellungen am Kiefer sowie Schürfwunden. Bei der Behandlung im Krankenhaus erbrach sich der fast nüchterne Mann. Dazu zeigten ihn die Polizisten wegen seines aggressiven Verhaltens an.

"Klassischer Fall eines Bauernopfers"

Die Erleichterung, dass wenigstens das Verfahren gegen ihn eingestellt ist, hielt bei dem Programmierer allerdings nicht lange an. "Das wäre ja deprimierend, wenn alles andere fallen gelassen würde", sagte er. Sein Anwalt Oliver Drexler legte nach. "Wenn die Vorfälle tatsächlich auf einen Faustschlag reduziert werden, würde man dem Abend nicht gerecht", sagte er. Denn dann sei der Beamte, der einen Faustschlag eingeräumt habe, "der klassische Fall eines Bauernopfers".

Sein Mandant, der in der Silvesternacht 0,34 Promille hatte, berichtete von massiven Misshandlungen durch mehrere Polizisten. Er sei unter anderem mit dem Kopf gegen das Polizeiauto geschlagen und mit Gewalt niedergerungen worden. Und das nur, weil er gefragt habe, warum die Polizisten einen ihm unbekannten jungen Mann so rüde behandelt hätten. Des weiteren sei er im Auto misshandelt und sein Kopf im Schwitzkasten gegen eine Wand der Inspektion geschlagen worden. Der Programmierer zeigte die Polizisten an und schaltete in der Lokalzeitung eine Anzeige, um Zeugen zu suchen. Diese entlasteten ihn jedenfalls so weit, dass das Verfahren gegen ihn nicht mehr verfolgt wird.

Die beteiligten Beamten bezeichneten den Mann in einer ersten Stellungnahme, die das Polizeipräsidium Oberbayern veröffentlicht hatte, als aggressiv und ihr Vorgehen als gerechtfertigt. Ihre Gewalt sei nur eine Reaktion auf Angriffe des Mannes gegen die Beamten gewesen. Dass sie einem Zeugen, der wegen des gewaltsamen Auftritts der Polizisten das Geschehen filmen wollte, das Handy abgenommen hatten, blieb in der Mitteilung unerwähnt. Die Ermittlungen übernahm in der Folge eine interne Einheit der Polizei.

Aussage gegen Aussage

Über den eingeräumten Faustschlag hinaus gebe es keine eindeutigen Beweise, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es stünde oftmals Aussage gegen Aussage. Die Zeugen hätten "keinen ausreichenden Aufschluss" über das tatsächliche Geschehen geben können. Bei der Schilderung der Silvesternacht lägen nun zwei unterschiedliche Varianten vor, die beide durch die objektiven Spuren nicht auszuschließen seien.

Anwalt Drexler wundert sich über diese Interpretation der Staatsanwaltschaft. Es sei Aufgabe eines Gerichts, eine so weit gehende Würdigung von Beweisen vorzunehmen. Sollte die Staatsanwaltschaft dem Gericht nur einen Strafbefehl vorschlagen, was bei Annahme durch den Richter den Verzicht auf eine Hauptverhandlung bedeuten würde, "dann werde ich dagegen Beschwerde einlegen".