Nach Amok-Alarm in Memmingen Schütze knackte Waffentresor des Vaters

Der Haftrichter muss nun entscheiden, was mit dem Schützen passiert. Staatsanwalt Kreuzpointer hofft, dann auch mit dem Jungen reden zu können. Nach seiner Festnahme habe er so unter Stress gestanden, dass er nicht vernehmungsfähig war. Die Waffen hatte der 14-Jährige von seinem Vater, einem Sportschützen, genommen. "Nach bisherigen Ermittlungen sieht es so aus, als habe der Vater die Waffen ordnungsgemäß verwahrt", erklärte der Staatsanwalt.

Demnach befanden sich die Waffen sowie die zugehörige Munition in einem speziell für die Verwahrung von Schusswaffen ausgerichteten Tresorraum im Wohnhaus der Familie. Der Junge soll die elektronische Sicherung umgangen haben, um an die Waffen des 53-Jährigen zu kommen. Bei den Waffen handelt es sich um eine großkalibrige Pistole, eine kleinkalibrige Pistole, sowie eine Luftdruckpistole.

Dass er an die Pistolen herankam, ruft erneut die Kritiker des deutschen Waffenrechts auf den Plan. "Weil wir es in Deutschland erlauben, dass Menschen zu Hause ihre tödlichen Sportwaffen aufbewahren, wäre es gestern fast wieder zu einer Schultragödie gekommen", sagte die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth. "Die tödlichen Knarren müssen endlich raus aus den Privatwohnungen, weil sie ein echtes Sicherheitsrisiko sind."

Ähnlich äußerte sich das Aktionsbündnis Amoklauf: "Waffen und Munition müssen getrennt voneinander außerhalb von Privatwohnungen gelagert werden", sagte Gisela Mayer vom Vorstand. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele betonte, dass das Waffenrecht dringend verschärft werden müsse. Ströbele forderte: "Wenn Mitglieder von Schützenvereinen zur Ausübung ihres Sports schon Waffen benötigen, dann müssen die Waffen nebst Munition zentral in den Vereinsräumen sicher verschlossen und bewacht werden."

Dem widersprach der Deutsche Schützenbund (DSB) mit Verweis auf noch größere Gefahren: "Wenn wir, was immer wieder gefordert wird, Schusswaffen und Munition in Schützenhäusern aufbewahren wollten, dann würde dort ein Munitionsdepot entstehen", sagte DSB-Vizepräsident Jürgen Kohlheim. Auch die Gewerkschaft der Polizei halte diese Art der Aufbewahrung für sehr viel gefährlicher, zumal Schützenhäuser oft außerhalb von Wohngebieten seien. Eine Verschärfung des Waffenrechts lehnt Kohlheim ab.

"Ein Hilferuf, wenn auch mit falschen Mitteln"

Am Dienstag hatte es geheißen, der Schüler sei als aggressiv bekannt gewesen. Bei einer Pressekonferenz in Schule erklärte der Rektor am Mittwoch jedoch, er habe den Achtklässler als einen "sehr sympathischen jungen Mann" wahrgenommen und ihn sehr geschätzt.

"Es ist ein ganz normaler Junge unserer achten Klasse, ein Mittelschüler, wie wir sehr viele an der Schule haben." Er sei auch nicht gemobbt worden. Der Rektor sprach von einer Einzeltat. Ein Schüler habe, aus welchen persönlichen Gründen auch immer, überreagiert. "Es war ein Hilferuf, wenn auch mit falschen Mitteln", sagte er.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) lobte, die hochgefährliche Situation sei von Lehrern und Schülern professionell gemeistert worden. Das Sicherheitskonzept habe gegriffen. Der Minister sagte, der 14-Jährige sei mit seiner Tat massiv in den "geschützten Raum Schule" eingedrungen. Er sprach von einem "Anschlag auf die Seelen" der Kinder.

Das Motiv des Jungen ist weiter unklar, möglicherweise soll Liebeskummer der Auslöser für die Tat gewesen sein. "Er hatte mit seiner dreizehnjährigen Freundin Streit und die Beziehung wurde beendet", hatte ein Sprecher der Polizei am Dienstag über den Achtklässler gesagt. Das Paar habe sich einen Tag zuvor getrennt.