Mollath bei Buchvorstellung Draußen, aber nicht frei

Gustl Mollath hat Ausgang aus der Psychiatrie, aber nur für ein paar Stunden. Er darf dabei sein, als Wilhelm Schlötterer in Bayreuth sein Buch "Wahn und Willkür" vorstellt. Darin erklärt der umstrittene Autor, was das System Strauß mit dem Fall Mollath zu tun hat.

Von Katja Auer

Gustl Mollath kommt zu Fuß. Nicht einfach so, natürlich nicht. Er hat begleiteten Ausgang, ein Arzt ist dabei. Es ist nicht weit vom Bezirkskrankenhaus, in dem der Mann seit sieben Jahren wegen angeblicher Geisteskrankheit festgehalten wird, bis zu dem Bayreuther Hotel, in dem es an diesem Dienstag um "Wahn und Willkür" gehen soll.

Nicht um seinen Wahn, denn Wilhelm Schlötterer, der das Buch mit eben diesem Titel verfasste, ist überzeugt davon, dass Mollath "völlig normal" ist. Stattdessen sind es Franz Josef Strauß "und seine Erben", die Bayern nach Ansicht des pensionierten Ministerialrats in den Zustand versetzten, in dem der Fall Mollath möglich wurde.

Schlötterer, 73, einst hoher Finanzbeamter, streitet seit Jahren unermüdlich gegen das "System Strauß". Vor vier Jahren veröffentlichte er in seinem Buch "Macht und Missbrauch" massive Filzvorwürfe gegen prominente CSU-Größen, was einen Rechtsstreit mit den Strauß-Kindern zur Folge hatte.

Nun geht es auf vielen Seiten wieder um Strauß, um Korruption, Vetternwirtschaft, Prostituierte. Ein guter Satz über Strauß? Da muss CSU-Mitglied Schlötterer überlegen. "Er war intelligent", sagt er dann. Mehr nicht. Aber auch an Stoiber und Seehofer könne er nicht viel Positives finden.

Schwierige Suche nach der Wahrheit

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Gustl Mollath schrieb Schlötterer nach dem Erscheinen des ersten Buches an. Seitdem setzt sich Schlötterer für Mollath ein, er ist überzeugt davon, dass der Nürnberger zu Unrecht eingesperrt ist. So steht es auch im Buch. "Ins Verderben stürzte ihn, dass ihm der Facharzt Leipziger und die Richter eine Geisteskrankheit andichteten, die ihn gemeingefährlich machte", schreibt er. Sein Fall sei die Spitze, sagt Schlötterer, "ist der Exzess schlechthin". Das, was Mollath widerfahren sei, nur Schlamperei zu nennen, sei zu oberflächlich. Das habe System. "Es ist nicht nur ein Skandal, es ist ein Verbrechen."

Vor dem Hotel, in dem in ein paar Tagen die illustren Gäste der Wagner-Festspiele absteigen werden, warten schon Mollaths Unterstützer. Ein Kandidat der Piratenpartei versucht sich Einlass zur Pressekonferenz zu verschaffen. Es gelingt im nicht, er fühlt sich ungerecht behandelt. Immerhin, Mollath signiert ihm ein Buch. Der wirkt gelassen, allerdings transpiriere er etwas, das bitte er zu entschuldigen, sagt er.

Ob er sich freue über ein paar Stunden Freiheit? "Raus dürfen heißt nicht frei sein", sagt er. Ebenso zurückhaltend ist er mit seinem Kommentar zur bevorstehenden Entscheidung des Landgerichts Regensburg über den Wiederaufnahmeantrag. "Ich habe immer die Hoffnung, dass sich die Dinge positiv wenden", sagt er, "dass die Wahrheit Oberhand gewinnt." Er gebe die Hoffnung auf den Rechtsstaat nicht auf. Schlötterer ist da weniger optimistisch. Er habe nicht besonders viel Vertrauen in die Richter in Regensburg und Bayreuth.

Mollath beteuert wiederum, dass er nicht gemeingefährlich sei. "Ich habe ein Leben lang eine blütenweiße Weste gehabt", sagt er. Auch hege er keine Rachegedanken, das passe überhaupt nicht zu seinem Naturell. Er wolle nur ein rechtsstaatliches Wiederaufnahmeverfahren. Klappt das nicht, will er lieber in einem "ordentlichen Gefängnis" untergebracht sein als weiter in der Psychiatrie.

Bilder aus der Geschlossenen

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