Mitten in Bayern Sehnsucht nach Franken

Ein Gruppe aufständischer Menschen aus Südthüringen droht, ihr Bundesland zu verlassen und über die Grenze nach Bayern zu wechseln. Bei allen möglichen Vorteilen würden aber auch Enttäuschungen nicht ausbleiben

Von Olaf Przybilla

Martin Truckenbrodt wohnt in einem Ort in Südthüringen mit dem hübschen Namen Frankenblick. Das muss man womöglich wissen, um ihn vollständig zu verstehen, respektive den Brief, den Truckenbrodt gerade an seinen Ministerpräsidenten geschrieben hat. Das Schreiben führt 13 Punkte auf, was sich alles ändern muss in Thüringen. Sollte die Landesregierung nicht darauf eingehen, so würden er und seine Mitstreiter vom Verein "Henneberg-Itzgrund-Franken" spätestens 2016 damit beginnen, Unterschriften zu sammeln für den Übertritt von Südthüringen zum Freistaat Bayern. Dies aber eher unfreiwillig, schreibt er in seiner Conclusio.

An der Stelle muss der Altbayer jetzt ganz stark sein: "Wir sind nicht wirklich Feuer und Flamme für einen Wechsel in den Freistaat Bayern," erläutert Truckenbrodt, "ein Wechsel in ein Bundesland Franken wäre uns definitiv lieber." Zugunsten höherer Werte aber, der Vereinigung der Südthüringer mit den Franken, würde man "zur Not" sogar das auf sich nehmen. Ultimativ fordere sein Verein, nicht weiter fränkische Wurzeln in Südthüringen zu ignorieren. Dort werde fränkische Geschichte in Lehrplänen ignoriert, fränkisches Brauchtum grundsätzlich als thüringisch bezeichnet.

"Unsere Bratwurst ist fränkisch, unser Dialekt ist fränkisch, unsere Kerwa ist fränkisch", glaubt Truckenbrodt in Südthüringen beobachtet zu haben. Sollte seine Landesregierung künftig keine Rücksicht darauf nehmen, drohe man "alle verfügbaren Register" zu ziehen.

Nun ist Sehnsucht nach Franken nur allzu verständlich. Warnen aber sollte man Truckenbrodt: Vor Enttäuschungen wäre seine fränkischen Seele wohl auch bei einer Vereinigung von Südthüringen mit seinem Sehnsuchtsland nicht gefeit. Enttäuschungen gehören da nämlich dazu. Dieser Tage erst hat der fränkische Weinbauverband mit einem Boykott gedroht: Sollte Frankens Weinkönigin bei der Wahl zur deutschen Weinkönigin weiterhin verschaukelt werden, so würden eben keine Kandidatinnen aus Franken mehr entsandt. Und in der BR-Sendung "Heute im Stadion" wurde am Samstag der neue Sportchef des Club, ein Mann aus Baden, gefragt, ob er Schäufele oder Drei im Weggla bevorzuge. Letzteres hatte er noch nie gehört.