Misshandlungen im Kloster Ettal Kinderpornos, Prügel und sexueller Missbrauch

Mindestens hundert Opfer, mehr als zehn Patres, die systematisch geprügelt haben, Kinderpornos aus dem Netz: Die Missbrauchsfälle im Kloster Ettal nehmen immer gewaltigere Dimensionen an. Ein Pater räumt ein, selbst Kinder "brutal körperlich misshandelt" zu haben - lehnt aber Konsequenzen ab.

Das Ausmaß des Missbrauchsskandals am Klosterinternat Ettal wird immer erschreckender. Auf einer Pressekonferenz zeichnet der externe Ermittler Thomas Pfister das Bild eines Klosters, in dem systematische Gewalt und sexueller Missbrauch in einem rechtsfreien Raum gedeihen konnten.

Pfister sagt, er habe viele erschütternde E-Mails von früheren Klosterschülern erhalten. Kinder und Jugendliche berichten darin davon, wie sie in der Schule und im Internat des Klosters systematisch körperlicher und seelischer Misshandlung sowie sexuellem Missbrauch ausgesetzt waren. Der Ermittler sagt, ihm lägen Berichte von mindestens hundert Opfern vor.

Zudem berichtete Pfister von einem aktuellen Fall, in dem ein Klostermitglied gestand, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen und früher Fotos halbnackter Schüler ins Internet gestellt zu haben. Dies sei der Hintergrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Kloster Mitte der Woche gewesen. Offenbar wurde auch ein Pater sexuell missbraucht. Er sei dazu mit einem früheren Ettaler Ordensmitglied im Gespräch, der sich an ihn gewandt habe, berichtete Pfister.

Der Sonderermittler sagte, es habe früher deutlich mehr als zehn Patres gegeben, die systematisch geprügelt hätten. Die Mehrzahl der Geistlichen im Kloster habe zwar nicht selbst geprügelt, durch ihr systematisches Schweigen hätten sie den anderen aber erst einen rechtsfreien Raum für ihre Vergehen geschaffen. Pfister sprach von schweren Schlägen, Massenbestrafungen und anderen massiven Vergehen.

Opfer hätten von schweren, "voll durchgezogenen" Schlägen, Massenbestrafungen für Nichtigkeiten und anderen massiven Vergehen berichteten. Ein Opfer sei nach eigenen Angaben mit einem Bambusstock geschlagen worden, bis dieser abbrach. Der Junge habe danach auf die Krankenstation gemusst. Ein anderer Ehemaliger sagte, er habe manche Patres als Sadisten oder krankhaft impulsive Schläger in Erinnerung.

Eklat bei der Pressekonferenz

Den Berichten zufolge befand sich auch ein ehemaliger amerikanischer Soldat unter den Patres. Dieser sei als Marine im Koreakrieg gewesen und dort traumatisiert worden. Ein Schüler bezeichnete ihn als "den Schlimmsten von allen". Zur Frage der Glaubwürdigkeit der Vorwürfe sagte Pfister, er werde Tag und Nacht von Nachrichten überhäuft. Bisher sei noch keine Einzige dabei gewesen, bei der er hätte sagen müssen, dies sei offensichtlicher Unsinn.

Pater Johannes Bauer, der Cellerar des Klosters - eine Art Wirtschaftsverwalter -, räumte auf der Pressekonferenz ein, selbst in den 1980er Jahren Kinder "brutal körperlich misshandelt" zu haben. Er habe Kinder mit der Hand aber auch mit einem Bügel verprügelt. Bauer bat um Vergebung, einen Rücktritt lehnte er aber ab. Seine Aufgaben hätten nichts mehr mit Kindern zu tun.

Zu einem Eklat bei der Pressekonferenz kam es, als der kommissarische Schulleiter sich zu Wort meldete und sagte, die Kopfnüsse seien nur leicht und mehr zum Spaß gewesen. Pfister widersprach ihm entschieden und warf ihm Vertuschung vor. Der Sonderermittler betonte, er habe selbst mit den Kindern gesprochen und diese hätten ihm gesagt, dass die Schläge sehr weh getan hätten.

Die Ettaler Vorgänge in vergangenen Jahrzehnten sind nach den Worten des Sonderermittlers zwar verjährt. Wenn sie aber von weltlichen Gerichten verhandelt worden wären, hätten sie wahrscheinlich zu jahrelangen Haftstrafen geführt, sagte Pfister.

Derzeit ermittle die Staatsanwaltschaft in drei Fällen, sagte er. Dabei gehe es um einen Fall aus dem Jahr 2005, bei dem aber noch unklar sei, ob sich der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs erhärte. Daneben nannte Pfister die Kinderpornografie, und einen Fall von Körperverletzung aus dem Jahr 2009. Dabei soll ein früher für Prügel bekannter Lehrer zwei jungen Schülern Kopfnüsse gegeben haben und einem von ihnen auf den Zeh getreten sein.

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche zieht auch andernorts immer weitere Kreise. Bei den Regensburger Domspatzen sind offenbar zwei ehemalige leitende Geistliche verwickelt. Die beiden Männer, die bereits 1984 gestorben sind, sollen für ihre Taten seinerzeit zu Haftstrafen verurteilt worden sein, sagte der Sprecher des Regensburger Bistums, Clemens Neck.

Unter den fünf Fällen, die bereits an die Beauftragte für sexuellen Missbrauch des Bistums, Birgit Böhm, herangetragen wurden, stehen zwei in Verbindung mit dieser Einrichtung. Ein Geschädigter berichtet über Missbrauchsfälle Anfang der sechziger Jahre. Ein weiteres Opfer hat über eine Mittelsperson eine Aussage angekündigt.

Im Video: Laut Bistum Regensburg gibt es aber keine aktuellen Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen.

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