Missbrauch in Lebenhan Papst bestraft beschuldigten Pater

Bestrafung nach dreißig Jahren: Ein heute 71-jähriger Priester hat in den Siebziger Jahren mehrere Kinder missbraucht. Er verliert seine kirchlichen Rechte, bleibt aber Ordensmitglied.

Wegen des sexuellen Missbrauchs von Internatsschülern hat Papst Benedikt XVI. einem 71 Jahre alten Ordenspater alle Rechte und Pflichten entzogen, die mit dem Klerikerstand verbunden sind. Das bedeutet: Der Mann ist von nun an kein Priester mehr. Er bleibt aber vorerst Miglied seines Ordens, der "Missionare von der Heiligen Familie".

Papst Benedikt entzog dem Mann alle Rechte und Pflichten. Er darf allerdings in seinem Kloster bleiben.

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Allerdings muss sich der Mann strengen Auflagen unterziehen, teilte der Orden mit. "Es ist so etwas wie Hausarrest", sagte der stellvertretende Leiter der deutschen Ordensprovinz, Michael Baumbach.

Der ehemalige Pater soll in den Siebziger Jahren in einem katholischen Internat in Lebenhan im Landkreis Röhn-Grabfeld mindestens 16 Schüler sexuell missbraucht haben. Die Vorwürfe gegen den Priester sind im Herbst 2008 öffentlich geworden. Wenig später hat der Mann gestanden. Die Staatsanwaltschaft Koblenz stellte fest, dass die Taten verjährt sind.

Zwischen dem 71-Jährigen und der Ordensgemeinschaft wurde nun - nach Abschluss der Untersuchung - eine kirchenrechtliche Vereinbarung getroffen, die ihm zum Beispiel Kontakt zu Kindern und Jugendlichen verbietet. Er darf sich nicht als Priester ausgeben und das Kloster nur mit Genehmigung verlassen.

Außerdem darf er in seinem Zimmer keinen Besuch empfangen und wird ausschließlich mit internen Aufgaben im Kloster betraut. Eine externe Person überwacht die Einhaltung der strengen Auflagen. Sollte sich der Ordensmann nicht daran hält, droht ihm der Ausschluss aus der Gemeinschaft.

Das kirchliche Internat in Lebenhan und eine weitere Schule des Ordens in dem Ortsteil von Bad Neustadt an der Saale sind wegen Schülermangels bereits 1978 geschlossen worden. Der Beschuldigte hat danach als Seelsorger in den Bistümern Aachen und Mainz gearbeitet. Ähnliche Vorfälle sind aber nicht mehr bekannt geworden.