Missbrauch in der katholischen Kirche Kardinal Müller fordert Entschuldigung von Missbrauchsbeauftragtem des Bundes

Fühlt sich vom Missbrauchsbeauftragten des Bundes schlecht behandelt: Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

(Foto: dpa)
  • Der ehemalige Regensburger Bischof Kardinal Müller hat in der Aufarbeitung des Missbrauchs bei den Regensburger Domspatzen eine Entschuldigung gefordert.
  • Seine Forderung richtete sich an Johannes-Wilhelm Rörig, den Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung.
  • Es würden "Falschaussagen und falsche Informationen" verbreitet, lautet Müllers Vorwurf.

Der ehemalige Regensburger Bischof Kardinal Gerhard Ludwig Müller fordert eine Entschuldigung von Johannes-Wilhelm Rörig, dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung. Es würden "Falschaussagen und falsche Informationen" verbreitet, sagte Müller der Passauer Neuen Presse und wies den Vorwurf zurück, er habe die Aufklärung des massenhaften Missbrauchs bei den Regensburger Domspatzen verschleppt. Er habe "erstmals diese Aufklärungsarbeit an die Institutionen des Bistums übertragen, sodass mit der Untersuchung begonnen werden konnte", sagte Müller, der von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg war.

Der Missbrauchsbeauftragte Rörig hatte den heutigen Kurienkardinal kritisiert: Müller habe stets von Einzelfällen gesprochen, aber die strukturellen Versäumnisse nicht untersucht. "Es wäre den Betroffenen zu wünschen, dass er sich wenigstens jetzt für die verschleppte Aufarbeitung entschuldigen würde", sagte Rörig.

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Müller selbst sieht keinen Anlass für eine Entschuldigung seinerseits. Er habe, nachdem 40 bis 50 Jahre nach den Untaten "nichts geschehen war", 2010 unmittelbar nach den ersten Meldungen über Übergriffe als damaliger Bischof von Regensburg den Aufarbeitungsprozess eingeleitet, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Müller kritisierte auch den Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber, der in den vergangenen zwei Jahren im Auftrag des heutigen Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer den Missbrauch untersucht hatte. Wenn Weber ihm nun aus der Rückperspektive und dem heutigen Kenntnisstand Vorhaltungen mache, könne er das nicht akzeptieren, sagte Müller: "Das entspricht nicht der Wahrheit." Auch Weber hatte kritisiert, Müller habe zu lange an einer Einzelfalluntersuchung festgehalten, statt das System der Gewalt insgesamt zu untersuchen.

Weber hatte am Dienstag berichtet, dass bei den Domspatzen jahrzehntelang Schüler geschlagen und sexuell missbraucht wurden. Rund 500 Sänger wurden Opfer von körperlicher Gewalt, 67 waren von sexueller Gewalt betroffen.

Müller betonte gegenüber der Passauer Neuen Presse, er sei zwar nicht mehr Regensburger Bischof, sei aber "zu jedem persönlichen Gespräch über diese schlimmen Erfahrungen von Menschen aus der damaligen Zeit bereit". Er selbst habe auch Ohrfeigen und Stockschläge in seiner Schulzeit bekommen, auch in einer nicht kirchlichen Schule. Müller sagte: "Freilich muss ich zugeben: Sexueller Missbrauch ist noch eine ganz andere Kategorie als pädagogische Übergriffe."

Der ehemalige Regensburger Bischof stand fünf Jahre der Glaubenskongregation im Vatikan vor, die auch für die Aufklärung von Missbrauchsfällen zuständig ist. Papst Franziskus hatte Müllers Amt Anfang Juli überraschend nicht verlängert. Müller wehrte sich gegen den Vorwurf, dass er bei der Glaubenskongregation die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen behindert habe.

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