Eine Krise der Institution, aber keine Krise des Glaubens: Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, spricht sich gegen das Pflichtzölibat und für Reformen aus.
Angesichts der Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen mahnt Alois Glück die katholische Kirche dringend, das Leid der Opfer in den Mittelpunkt zu stellen. Sonst drohe sie ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren, sagt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Glück war jahrelang Fraktionschef der CSU und später Landtagspräsident in Bayern.
Seit immer mehr sexuelle Übergriffe katholischer Geistlicher auf Schutzbefohlene öffentlich werden, wird diskutiert, welche Mitschuld das Zölibat möglicherweise am systemtischen Missbrauch in der katholischen Kirche trägt. (© Foto: ddp)
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SZ: Warum hat die Kirche so lange weggeschaut, wenn Kinder missbraucht wurden?
Glück: Das Ganze ist ein Albtraum. Es ist die schwerste Belastung unserer Kirche, seit ich denken kann. Für viele war wohl das erste Gebot, das Ansehen der Kirche und ihre Glaubwürdigkeit zu schützen. Damit wurden die Opfer in ihrem Leid nachrangig. Eine der positiven Konsequenzen aus dem jetzigen Schock heraus ist, dass wir nun endlich wieder den Menschen im Mittelpunkt sehen.
SZ: Wie lässt sich das Kartell des Schweigens dauerhaft durchbrechen? Die Furcht ist groß, dass weitere Fälle wieder unter den Tisch gekehrt werden.
Glück: Ich bin der Überzeugung, dass sich jetzt ein grundlegender Wandel vollzieht. Den mag der ein oder andere in der Kirche vielleicht ungern mitmachen. Aber oberste Priorität hat nun nicht mehr der Schutz der Kirche, sondern haben die Opfer. Das wird den weiteren Kurs bestimmen. Wer hier nicht mitgeht, gefährdet die Glaubwürdigkeit der Kirche, oder anders ausgedrückt: Er versündigt sich an den Opfern und der Kirche.
SZ: Ist das jahrelange Schweigen der Kirche nicht auch Folge ihrer prüden Sexualmoral?
Glück: Die Ursachen für den Missbrauch sind sicherlich sehr komplex. Er ist auch in nichtkirchlichen Schulen und Einrichtungen vorgekommen. Von daher gibt es keine monokausale Erklärung. Priorität hat jetzt die Aufklärung. Sicherlich müssen wir dann auch Konsequenzen struktureller Art ziehen und dabei reflektieren, ob es kirchenspezifische Bedingungen gibt, die den Missbrauch begünstigten. Dazu gehört zweifellos eine Auseinandersetzung mit dem ganzen Thema Sexualität, angefangen vom Umgang damit bis hin zur Auswahl des kirchlichen Personals.
SZ: Priester müssen im Zölibat leben. Kommt es nicht durch die auferlegte Ehelosigkeit zwangsläufig zur negativen Auslese beim Kirchenpersonal?
Glück: Ich widerspreche entschieden. Dies wäre eine pauschale Diffamierung. So einfach lässt sich das nicht schlussfolgern. Bemerkenswert ist auch, dass weltoffene Jesuiten von den Missbrauchsvorfällen genauso betroffen sind wie andere Ordensgemeinschaften. Wir brauchen aber eine vertiefte Reflexion über Personalauswahl und Inhalte der Ausbildung.
SZ: Sie selbst haben bereits eine Lockerung des Zölibats gefordert.
Glück: Nicht nur ich. Zur selben Zeit hat beispielsweise auch der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz erklärt, dass die Bischöfe für die Abschaffung des Pflichtzölibats sind und das in Rom zur Sprache bringen wollen. Die Thematik wird auf der Tagesordnung bleiben, wenngleich sie nicht alle Probleme lösen wird. Deshalb darf die Debatte jetzt nicht allein auf den Zölibat und geistliche Berufe reduziert werden. Die gesamte Entwicklung führt doch derzeit zu einer großen Verunsicherung bei Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Jugendlichen arbeiten. Wir müssen deshalb Hilfe und Orientierung geben.
SZ: Sollte also die Entscheidung, im Zölibat zu leben, für die Priester freiwillig sein?
Glück: Ich denke, das wäre ein Weg. Nur, wie gesagt, mit der Frage des Zölibats allein ist das Thema nicht gelöst, und es wird einer längeren Wegstrecke bedürfen, um Vertrauen zurückzugewinnen. Das gelingt nur, wenn der Wille zur vorbehaltlosen Aufklärung da ist. Zu klären ist auch, wie die Zusammenarbeit mit dem Staat künftig gehandhabt wird. Bei einem begründeten Verdacht muss sofort der Staat eingeschaltet werden. Wichtig ist, dass die Kirche hier nach einheitlichen Kriterien vorgeht. Auch sollten Anlaufstellen für Missbrauchsopfer außerhalb jeder kirchlichen Abhängigkeit stehen.
SZ: Hat die Kirche als oberste moralische Instanz verspielt?
Glück: Natürlich reagieren jetzt viele Menschen mit Häme, weil sie oftmals die katholische Kirche als eine moralische Instanz erlebten, die mit harten Urteilen daherkam und das Scheitern von Menschen in bestimmten Situationen nicht wahrhaben wollte. Das kommt jetzt wie ein Bumerang auf sie zurück. Die Kirche sollte deshalb lernen, mehr Verständnis für Brüche im Leben zu haben. Sie braucht eine Barmherzigkeit nicht nur gegenüber eigenen Fehlern, sondern gegenüber den Fehlern aller Menschen.
SZ: Erleben wir jetzt den Niedergang des Glaubens?
Glück: Es ist nicht eine Krise des Glaubens, aber eine Krise der Institution Kirche. Sie muss um ihrer selbst willen dringend handeln. Nur dann kann sie ihre Botschaft glaubwürdig weiter verkünden.
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(SZ vom 13.3.2010/wolf/jobr)
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Die neueste Antwort
Papst Benedikt, ein Mann wie Gott?
Wenn die Stellvertreter Gottes hier
auf Erden Kinder missbrauchen,
dann kann an deren Religion nicht
viel Wahres dran sein.
Menschen, die von Menschen
vergöttert werden, sind eine Gefahr
für andere Menschen.
Als ich 1936 auf die Welt kam,
gab es in Deutschland einen Mann,
der war wie Gott! Wer morgens
wach wurde, und nicht Heil -----
sagte, wurde abgeholt und kam nicht
wieder! Auch meine Eltern waren von
diesem Zeitgeist besessen, weil in der
Bibel steht: Wer Vater oder Mutter mehr
liebt als mich, ist meiner nicht wert!
Meine Eltern glaubten, das bezieht
sich nicht nur auf den Lieben Gott,
sondern auch auf Menschen wie Gott!
Diese falsche Vorstellung von Gott haben
schon viele Menschen mit dem Leben
bezahlt. Befehl war Befehl und wer den
verweigerte, riskierte sein Leben.
Menschen lieben und hassen, vergöttern
und verteufeln und haben Freunde und
Feinde zur gleichen Zeit. Darum kommt
Stimmungsmache wieder zurück.
Gott ist das Leben und das hat unter den
Menschen weder Freunde und noch Feinde.
Für den Lieben Gott gibt es keine
Menschen wie Götter!
Nun, wenn man immer weggeschaut hätte, würde man jetzt nicht feststellen, dass die entsprechenden Priester-Täter zur Zeit ihrer Vergehen auch bestraft wurden. Die Fälle liegen Jahrzehnte zurück, aber man kann nach Aufarbeitung feststellen, dass eben doch juristisch gegen sie vorgegangen wurde. Nicht bei allen Fällen, aber bei sehr vielen.
Dann muss man erstmal die Fälle herausrechnen, bei denen es um Prügelstrafen, Ohrfeigen ect. geht. Diese Erziehungsmethoden waren ja damals nicht starfbar, sondern gehörten zum regulären Maßnahmenkatalog. Heute wäre es strafbar, zur Zeit der 'Tat' aber nicht.
So viel bleibt dann garnicht mehr übrig.....
Herr Küng leidet sicher unter Krämpfen, wenn er an den Papst denkt. ;-))) Tja, zwei Professoren im Alter - Joseph Ratzinger hört man zu. Herr Küng kann es nicht verwinden und macht sich durch seine ewigen Angriffe unnötig klein. Wie über URH, so ist auch über ihn die Zeit hinweg gegangen. Die jungen Priester und Seminaristen sind viel konservativer als die vorhergehende Generation. Man lernt auch wieder die lateinische Liturgie... Ach ja, es ist wieder eine Freude katholisch zu sein :-)))))))
Ausgerechnet Glück, der schon wieder eingeknickt ist, als der Papst am Sonntag schwieg.
Interessant ist dass die Laiengremien wie ZDK hervorragende Austragsposten für ausgediente Politiker abgeben. Glücks CSU-Propaganda mussten wir doch schon lange genug ertragen.
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das sind schwerste Vergehen, die unmittelbar nach Kenntnisserlangung von den Staatsanwaltschaften, als Offizialdelikte verfolgt werden müssen. Doch was geschieht, der lange Arm der Katholischen Kirche reicht bis in die Judikative, welch eine Horrorvorstellung, doch si werden der gerechten Strafe nicht entgehen und in dem von Ihnen selbst erfundenen Fegefeuer schmoren und braten, wie sie es jahrhundertelang, kleinen Kindern bei geringen Verstößen, profezeit haben.
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