Lesbische Erzieherin siegt vor Gericht Erzieherin rechnet mit Rauswurf

Nach zweistündiger Verhandlung kann sie aufatmen - und die Diözese muss eine Niederlage einstecken: Das Verwaltungsgericht weist die Klage ab. In seiner Urteilsbegründung stellt Richter Moll klar, dass im aktuellen Fall eine Kündigung durchaus möglich sei - aber erst nach der Elternzeit. Als Religionsgemeinschaft habe die Kirche das Recht, Mitarbeiter zu entlassen, wenn sie gegen deren Glaubens- und Sittenlehre verstoßen.

Aber solange sich die Angestellte in Elternzeit befindet, gelte ein Kündigungsverbot. Dieses Verbot werde nur "in besonderen Fällen ausnahmsweise" unwirksam - beispielsweise wenn eine Angestellte eine Straftat begehe. Dies sei hier aber nicht der Fall, betont Moll: "Was sie getan hat, ist aus weltlicher Sicht völlig akzeptiert, es ist nur ein Verstoß gegen kirchliches Recht." So denke die Kirche halt, sagt Moll, und fügt hinzu: "Wer für die Kirche arbeitet, ist selber schuld."

Ob er damit seine Verwunderung zum Ausdruck bringen will, dass die katholische Kirche von einer staatlichen Behörde respektive einem Gericht erst dazu gebracht werden muss, eine Mutter mit einem einjährigen Kind nicht auf die Straße zu setzen? Moll sagt, der Schutzzweck des Elternzeit-Gesetzes sei "höher zu bewerten" als das Interesse der Kirche, das Arbeitsverhältnis schon während der Elternzeit zu beenden.

Tanja Schneider nimmt das Urteil erleichtert zur Kenntnis: "Ich bin froh, dass es endlich vorbei ist." Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen: Die Diözese überlegt, nach Prüfung der schriftlichen Urteilsbegründung in die zweite Runde zu gehen und beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof die Zulassung einer Berufung zu beantragen.

So könnte der Fall abseits des Verwaltungsrechts auch in arbeitsrechtlicher Hinsicht noch spannend werden: Denn nach Ende ihrer Elternzeit wird Tanja Schneider voraussichtlich ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. "Dieser Kindergarten ist mein Baby", sagt sie. Die Kirche hat dann zunächst die Pflicht, sie bis zum Ablauf der sechsmonatigen Kündigungsfrist zu beschäftigen.

Langfristig rechnet Schneider aber mit dem Rauswurf: "Die wollen mich loswerden." Sie gehe davon aus, dass sie keinen Fuß mehr in den Kindergarten setzen dürfe. "Mal schauen, was sie mir anbieten."

Während sie den zahlreichen Kamerateams zufrieden lächelnd Interviews gibt, ist ihr Sohn nicht mehr so gut gelaunt. Er schreit.