Grundbesitzer in Garmisch Pokern bis zur letzten Minute

Garmisch und die Grundbesitzer haben einen Kompromiss für die Ski-WM gefunden. Doch dieser gilt nicht für Olympische Winterspiele. Ein Ende des Streits ist damit noch immer nicht in Sicht.

Von Heiner Effern

Gut vier Wochen, bevor der erste Rennläufer der alpinen Ski-Weltmeisterschaft im Ziel ist, fühlen sich in Garmisch-Partenkirchen schon einige als Sieger. Das liegt daran, dass der Grundstücksbesitzer, der seine Wiese bis zuletzt nicht für die Rennen zur Verfügung stellen wollte, am Freitagabend einen Vertrag unterzeichnete, der die Überfahrt der Athleten erlaubt. Bürgermeister Thomas Schmid (Christlich Soziales Bündnis) zum Beispiel ließ nach Abschluss des Vertrages verkünden, dass die Gemeinde alle Ziele, die sie sich gesteckt habe, durchsetzen konnte.

Aber auch der Anwalt des Grundbesitzers, Ludwig Seitz, hält sich und seinen Mandanten für Sieger: "Die Gemeinde hat am Freitagnachmittag überraschend kapituliert", sagte er.

Sein Mandant gewährt dem Markt Garmisch-Partenkirchen auf 23 Jahre die uneingeschränkte Nutzung der Wiese direkt am Ziel der Kandahar-Abfahrt, jeweils vom 1. November bis zum 30. April des Folgejahres. Neben dem Tourismus-Skilauf ist dem Markt auch die Austragung von Weltmeisterschaften und Weltcup-Rennen gestattet. Mögliche Olympische Winterspiele sind nicht Bestandteil des Abschlusses. Sie müssen gesondert verhandelt werden. Einziger objektiver Sieger ist Peter Fischer, Chef des WM-Organisationskomitees. Seine Männer können nun sofort mit dem Präparieren der Rennstrecke und dem Aufbau des Ziels beginnen.

Dafür musste der Markt offenbar auch Bargeld überweisen: Der Grundbesitzer erhalte das drei- bis Vierfache dessen, was er bei einer Zwangsenteignung erhalten hätte, heißt es in einem Schreiben der Kanzlei GSK, die die Gemeinde in der heißen Phase der Verhandlungen vertrat. Trotzdem betonte der Markt ausdrücklich, dass die Vereinbarung den Vergleich mit anderen, ähnlich gelagerten Fällen Stand halte. Ursprünglich hatte er die Rechte für 30 Jahre gefordert.

Die Tage vor der Einigung verliefen dramatisch. Im Mittelpunkt stand das verbissene Ringen, ob der Grundstücksbesitzer auch mögliche Olympische Winterspiele auf seiner Wiese erlaube. Der Markt hatte dem Grundbesitzer offenbar am vergangenen Mittwoch ein Ultimatum bis 17 Uhr gestellt, den vorliegenden Vertrag inklusive der Olympia-Rechte zu unterschreiben. Diese Frist wurde am gleichen Tag nach der formellen Anhörung zum Enteignungsverfahren im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, das der Markt gegen den Grundbesitzer angestrengt hat, bis Freitag zwölf Uhr verlängert. Um diese Zeit erlösche das Angebot der Gemeinde, teilte ihr Anwalt der Gegenseite mit.

Um 14.45 Uhr kam die Antwort

Am Freitag um eine Minute vor zwölf Uhr faxte Anwalt Seitz ein Schreiben an die Gemeinde, in dem er drei Termine zur Unterzeichnung des Vertrags vor einem Notar vorschlug. Allerdings nur unter der Bedingung, dass mögliche Olympische Winterspiele "weiteren Verhandlungen bzw. öffentlich-rechtlichen Verfahren" vorbehalten blieben. Also nicht Bestandteil des Abkommens würden, wie vom Markt gefordert. Um 14.45 Uhr kam die Antwort der Kanzlei GSK. "Der Markt Garmisch-Partenkirchen ist bereit, den Vertrag entsprechend Verhandlungsstand gemäß ihres heutigen Schreibens zu unterzeichnen", heißt es in dem Fax. Man nähme den ersten angebotenen Termin des Grundstücksbesitzers am Freitag um 16 Uhr an.

Für die Skiregion Garmisch-Partenkirchen sei dies ein nicht nur akzeptables, sondern wirklich gutes Ergebnis, sagte Wolfgang Würfel von der Kanzlei GSK. "Neben der Sicherung der WM samt künftigem Skibetrieb konnte - jedenfalls mit Herrn Buchwieser - auch zum Thema Olympia wieder zurück an den Verhandlungstisch gefunden werden."

Ob diese Freude darüber anhält, bleibt abzuwarten. Anwalt Seitz vertritt insgesamt 59 Grundbesitzer, die ihre Wiesen für Winterspiele nicht zur Verfügung stellen wollen. Der einzige, der seine Bereitschaft zur Verhandlung nun erklärte, ist der auch von der WM betroffene Grundbesitzer. Sein Anwalt jedenfalls sagt: "Verhandlungsziel kann ja auch sein, die Gegenseite davon zu überzeugen, dass der Kelch Olympische Spiele an Garmisch-Partenkirchen vorübergehen muss."